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Demonstrationen hier, Wahlen dort: Kommt ein neuer Arabischer Frühling?

Tarek Aziza. syrischer Autor und Mitglied der Abwab-Redaktion

Demonstrationen hier, Wahlen dort: Kommt ein neuer Arabischer Frühling?

„Das Volk will den Sturz des Regimes“: In mehreren arabischen Ländern trugen die Menschen diese Forderung in den vergangenen Wochen wieder laut und deutlich auf die Straßen.

Nicht nur in Ägypten und dem Libanon kam es zu größeren Demonstrationen, die Erinnerungen an den Beginn des „Arabischen Frühlings“ vor knapp zehn Jahren wachriefen. Auch im Irak formierte sich massiver Protest auf den Straßen und die Bewegung gewinnt trotz der brutalen Niederschlagung der Demonstrationen, die hunderte Tote und Verletzte forderte, weiter an Stärke. 

Ungefähr zur gleichen Zeit fanden in Tunesien, der Wiege des „Arabischen Frühlings“, Präsidentschaftswahlen statt. Gesunder demokratischer Wettbewerb beherrschte den Wahlkampf, zum ersten Mal in der arabischen Welt wurden sogar Fernsehdebatten zwischen den Kandidaten und Kandidatinnen ausgetragen.

Etwas mehr als 55 % der Stimmberechtigten beteiligten sich an der Wahl, die schließlich der unabhängige Kandidat Kaïs Saïed für sich entscheiden konnte. Für seine Kampagne hatte sich Saïed, der die politische Bühne erst im Nachgang der tunesischen Revolution betrat, deren Slogan „Das Volk will“ zu eigen gemacht. 

Die herrschenden Despoten haben auf die abschreckende Wirkung der katastrophalen Entwicklungen in Syrien, Libyen und dem Jemen gesetzt. Doch entgegen ihrer Hoffnung halten diese Horrorszenarien die Menschen nicht davon ab aufzubegehren, das zeigen sowohl die politisch und sozioökonomisch motivierten Proteste in Ägypten, dem Libanon und dem Irak, als auch die demokratischen Wahlen in Tunesien.

Der Wille zur Freiheit und die Sehnsucht nach Veränderung und einer besseren Zukunft sind ungebrochen, ganz abgesehen davon, dass die Misere, die den Revolutionen zugrunde liegt, nach wie vor nicht beseitigt wurde und sich sogar immer weiter zuspitzt

Vorerst ist übertriebener Optimismus allerdings fehl am Platz: Es wird alles andere als einfach, die Ziele der friedlichen Revolution zu erreichen, die junge Frauen und Männer in diesen Ländern auf den Weg gebracht haben. Denn diejenigen, die den „Arabischen Frühling“ sorgfältig geplant zum Scheitern gebracht haben, um ihre Macht und ihre Reichtümer zu schützen, werden keine Sekunde zögern, die betroffenen Regime zu stützen. 

Doch trotz der großen Herausforderungen und ungewissen Erfolgschancen besteht kein Zweifel daran, dass auch die jüngste Protestwelle in der arabischen Welt als ein Teil des immerwährenden Kampfes um die Freiheit in die Geschichte eingehen wird.

Übersetzung: Thomas Heyne, Mahara-Kollektiv

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