الرئيسية » Deutsch

Deutsch

Schule als Ort der Integration: Teil 3

Von Erhard Brunn* Für viele junge Menschen könnte sich das Thema Integration in der Schule entscheiden. Die Erfahrungen mit deutschen Schulen sind für Menschen, die selber oder deren Familien erst in den letzten Jahren nach Deutschland kamen, natürlich sehr unterschiedlich. Erhard Brunn berichtet in seinem dreiteiligen Beitrag in ABWAB über seine Erfahrungen. Im dritten und letzten Teil geht es um die Bedeutung der deutschen Sprache für die erfolgreiche Integration in die Gesellschaft und die persönliche Weiterentwicklung. Deutsche Sprache – schwere Sprache? Die deutsche Sprache ist sicher keine leichte Sprache. Sie kann deshalb nicht der allumfassende Maßstab sein – auch nicht im beruflichen Umfeld. Als solcher wird sie aber vielfach von deutschen Behörden verstanden. Sie gilt als Indikator dafür, ob man sich integrieren möchte. Als ein Beispiel dafür, dass hier keine Kompromisse gemacht werden können, wird oft der Gesundheitsbereich genannt. Denn es erscheint vielen Menschen nicht akzeptabel, dass es hier zu Fehleinschätzungen kommen kann, weil etwas falsch verstanden wurde. Und doch sind in Deutschland seit vielen Jahren immer mehr Ärzte und Krankenschwestern aus dem Ausland beschäftigt. Es kommt bekanntlich immer wieder zu Missverständnissen zwischen ausländischen Ärzten und deutschen Patienten. Es muss also irgendwie doch miteinander funktionieren, auch wenn nicht alles von Anfang an ideal zu sein scheint. Ich kann jedoch gut verstehen, dass einige Berufsberater und Menschen mit Migrationshintergrund die Ansicht vertreten, dass jeder Mensch aus einer Reihe von Qualifikationen bestehe, von denen die deutsche Sprache nur eine sein könne. Zum Beispiel sind Menschen mit Migrationshintergrund oft flexibler als Deutsche, verhalten sich kundenorientierter und sind häufig kommunikativer. Und sicher haben sie bereits in jungen Jahren mehr Lebenserfahrung gesammelt. Es ist zurzeit ein vieldiskutiertes Thema, wie viele Lehrlinge in Deutschland ihre Ausbildung abbrechen. Der Tagesspiegel berichtete am 5. April 2018 in seinem Artikel „Abbruch der Ausbildung – In Berlin wirft jeder dritte ...

أكمل القراءة »

Asylstreit: Regierung auf der Flucht

Tarek Aziza* Ein Ende der Kontroverse über den Themenkomplex “Flucht und Migration” ist leider nicht absehbar. Es scheint das Thema unserer Zeit zu sein, in Europa im Allgemeinen und in Deutschland im Speziellen. Wie kann man sich sonst erklären, dass die Regierungskoalition in Deutschland beinahe an einem “Asylstreit” zerbrochen wäre? Dabei waren der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags doch bereits schwierige Verhandlungen vorausgegangen. Die Fortführung der Koalition erforderte nun weitere Verhandlungen zwischen Bundeskanzlerin Merkel und Innenminister Seehofer, an deren Ende eine “Einigung” zur Regulierung der Zahl der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge und Migranten stand. Allerdings scheinen sich die Beteiligten nicht ganz einig über deren Auslegung und Umsetzung zu sein. Vor dem Hintergrund dieses wiederkehrenden “Asylstreits” stellen sich die folgenden Fragen: Haben die europäischen Regierungen, und speziell die deutsche Regierung, keine anderen Probleme, die ähnlich viel Aufmerksamkeit verdienen? Gibt es keine anderen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ziele mehr? Warum stand das Thema “Flucht und Migration” in den letzten Jahren immer ganz oben auf der Prioritätenliste? Was ist etwa mit dem sozialen Wohnungsbau? Sowohl die Zahl als auch die Qualität der verfügbaren Sozialwohnungen in den Großstädten gehen immer weiter zurück. Das Problem verschärft sich zusehends, weil hier eine politische Strategie fehlt. In Berlin etwa feiern selbst viele Deutsche die Unterzeichnung eines Mietvertrags für eine bescheidene Wohnung nach zwei Jahren Wartezeit wie einen Lottogewinn! Ein anderes Thema: Was gedenkt die Regierung gegen die fehlenden Kita-Plätze zu unternehmen? Obwohl die deutsche Politik Familien und Kinder fördert, leiden Tausende Familien darunter, dass sie keine Betreuungsplätze für ihre Kinder finden können. Was ist mit der sozialen Schieflage in Deutschland? Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Hinzu kommt ein überbordendes bürokratisches System, das sich nicht nur negativ auf das Leben der Bürger auswirkt, sondern auch die Fähigkeit der Regierung zur effizienten Problemlösung beeinträchtigt. Die aktuelle ...

أكمل القراءة »

Geflüchtete und der Kreisel des Generalverdachts

Souad Abbas In jeder Gesellschaft werden Verbrechen begangen. Das Ausmaß der Verbrechen unterscheidet sich in Abhängigkeit von sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Faktoren: Tausende Studien im Bereich des Rechts, der Kultur- und Politikwissenschaft und in der Medizin wurden dazu durchgeführt. Trotzdem bleibt da die menschliche Neigung sich gedanklich in Kategorien zu begeben und Urteile auf Basis von Vorurteilen, individuellen Erfahrungen und Ängsten zu fällen. Dementsprechend werden Menschen beschuldigt, sowohl auf persönlicher, als auch auf kollektiver Ebene. So erleben wir es gerade in Deutschland: Medien und Politik haben Kriminalität zu einem Phänomen gemacht und instrumentalisieren Straftäter/Geflüchtete um politische Ziele zu erreichen. Dabei werden kollektive Strafen erwirkt, die sich auf die gesamte Gruppe beziehen, denen der Straftäter/Geflüchtete angehört. Es scheint als haben die Ereignisse der Kölner Silvesternacht 2016 dazu geführt, dass die Stimmung kippte und Geflüchtete nicht länger verherrlicht und stattdessen dämonisiert wurden. Seit den zahlreichen sexuellen Übergriffen in dieser Nacht, begann der Kreisel des Generalverdachts sich zu drehen und eine gesamte Gruppe von Menschen wurde zu Tätern. Dabei wird ausgeblendet, dass es dieselbe gesellschaftliche Gruppe, die sogenannte “Gesellschaft der Geflüchteten” war, die sich zuallererst von den begangenen Verbrechen distanzierte. Aus Unwissenheit und Xenophobie lässt sich so manch einer dazu hinreißen den Anderen, oder das Fremde als “triebgesteuert” abzustempeln. Gefährlich wird es aber dann, wenn diese Anschuldigung in Politik, Medien und in der Bevölkerung salonfähig wird, wenn voreilige Kriminalisierung sich etabliert und das in einer Gesellschaft, die sich als offen präsentiert. Aus diesem Grund ist es wichtig auf das hinzuweisen, was die “Gesellschaft der Geflüchteten” durchlebt, wann immer eine Straftat begangen wird. Es ist ein Gefühl der Machtlosigkeit, unter dem Druck des direkten Rassismus zu stehen, der entsteht, wenn eine organische Verbindung zwischen Kriminalität und Asyl gezogen wird. Entsprechende Konsequenzen müssen Geflüchtete auf politischer und gesetzlicher Ebene tragen. Dasselbe gilt für den Rassismus, der ...

أكمل القراءة »

Geflüchtete und Sexualverbrechen in Deutschland: Ursachen und Lösungsstrategien

Dr. Hani Harb* In den letzten Wochen erreichten uns schockierende Nachrichten über Asylbewerber aus unterschiedlichen Ländern, die beschuldigt werden, Verbrechen begangen zu haben. Darunter sind Iraker, Syrer und Afghanen. Natürlich gossen die deutschen Medien Öl ins Feuer und berichteten über diese Verbrechen in einer Ausführlichkeit, die nahelegt, dass diese ein repräsentatives Bild der Geflüchteten und Migranten in Deutschland zeichnen. Diese Fokussierung der Medien auf Verbrechen, insbesondere Sexualverbrechen, die von Geflüchteten begangen werden, ist nicht neu. Hierbei handelt es sich um ein weltweit zu verzeichnendes gesellschaftliches Phänomen. Insbesondere rechte Medien verweisen stets auf den Zusammenhang zwischen der Zunahme von Sexualverbrechen und der erhöhten Anzahl an Geflüchteten und Migranten, die sich in Deutschland befinden. Diese Angelegenheit lässt sich aus zwei Perspektiven betrachten. Ein Frauenbild von vorgestern Einerseits ist da das Frauenbild, das Migranten mit nach Deutschland gebracht haben. Für einen gewissen Anteil von ihnen ist der weibliche Körper ein Tabu und schambehaftet, er muss also verdeckt werden, oder er wird als Ware betrachtet, die man kauft und verkauft. Ein Anzeichen dafür ist der Anstieg des Brautpreises, der in Extremfällen mehr als dreißigtausend Euro betragen haben soll. Von heute auf morgen kann dieser kulturelle Hintergrund nicht ausgelöscht werden. Weder mit Integrationskursen europäischer Prägung noch mit Sensibilisierungsvorträgen kann man diesen Teil der Geflüchteten erreichen. Vielmehr ist es notwendig, die in Deutschland gängigen pädagogischen Methoden an die Denkstrukturen der Zielgruppe anzupassen, ohne sie alle über einen Kamm zu scheren. Diese Form der gezielten Ansprache ist nötig, denn täglich wird in Facebook-Gruppen, in denen Geflüchtete sich treffen, dutzendfach dazu aufgerufen, die Regeln des Islams in Deutschland zu verankern, oder die eigenen Kinder von einer als verdorben empfundenen westlichen Gesellschaft abzuschotten. Die Rolle der Politik Die andere Seite der Medaille ist die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung: Viele Geflüchtete hatten noch keine Gelegenheit, mit der deutschen Gesellschaft in Kontakt ...

أكمل القراءة »

Schule als Ort der Integration: Teil 2

Von Erhard Brunn* Für viele junge Menschen könnte sich das Thema Integration in der Schule entscheiden. Die Erfahrungen mit deutschen Schulen sind für Menschen, die selber oder deren Familien erst in den letzten Jahren nach Deutschland kamen, natürlich sehr unterschiedlich. Erhard Brunn berichtet in seinem dreiteiligen Beitrag in ABWAB über seine Erfahrungen. Im zweiten Teil geht es um die Bedeutung der Eltern für den Erfolg ihrer schulpflichtigen Kinder, das Verhältnis zwischen Eltern und Lehrern und den Übergang von der Schule in die Ausbildung. Hilfestellung der Eltern Ich habe in den letzten Jahren viele Akademiker (Ärzte oder Anwälte) getroffen, die sagten, ihre Eltern seien Analphabeten gewesen und seien es bis heute. Sie hätten als Putzkräfte auf Frankfurts Straßen oder in Berliner Krankenhäusern gearbeitet, aber immer eine positive Haltung dazu gehabt, dass ihre Kinder schulisch das Bestmöglichste aus sich machten und sie dabei unterstützt. Diese Menschen, deren Eltern aus der Türkei oder Marokko kamen, sind ihnen bis heute dafür dankbar. Der Kontakt zwischen Lehrern und Eltern kann sehr wichtig sein, nicht nur zur Zeit der Zeugnisvergabe. Die Erfahrung zeigt aber, dass viele Eltern mit Migrationshintergrund, auch wenn sie schon seit langer Zeit in Deutschland leben, diesen Kontakt scheuen. Vielleicht, weil sie sich nicht so gut auf Deutsch ausdrücken können und sich dementsprechend unwohl und den Lehrern unterlegen fühlen. Oder, weil viele von ihnen weder das deutsche Schulsystem noch die sich anschließenden Ausbildungs- oder Studienbedingungen gut verstehen. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie nicht gerne mehr darüber wüssten, wie ihre Kinder in der Schule zurechtkommen und ihnen vielleicht auch dabei helfen würden, die Hausaufgaben zu machen. Die Lehrer, so der Wunsch vieler dieser Eltern, müssten mehr Initiative übernehmen, werden aber mit Recht sagen können, dass ihnen ohnehin schon Jahr für Jahr immer mehr Pflichten aufgebürdet werden. Ich habe jedoch auch von ...

أكمل القراءة »

Schule als Ort der Integration: Teil 1

Von Erhard Brunn*  Für sehr viele junge Menschen könnte sich das Thema Integration in der Schule entscheiden. Die Erfahrungen mit deutschen Schulen sind für Menschen, die selber oder deren Familien erst in den letzten Jahren nach Deutschland kamen, natürlich sehr unterschiedlich. Erhard Brunn berichtet in dieser und den zwei folgenden Ausgaben von ABWAB über seine Erfahrungen. Schule als große Chance Manche in den letzten Jahren aus Syrien geflohene Journalisten beschrieben mir schon 2016, wie leicht Kinder Anschluss in der Schule fänden. Ich fasste die Erfahrungen in meinem Buch über Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer aus dem letzten Jahr zusammen. Amloud Alamir schrieb darüber schon zuvor im Herbst 2016 im „Tagesspiegel“, Yahya Alaous in der „Süddeutschen Zeitung“ über die eigenen Kinder und Mahmoud Serhan im „Handelsblatt“ darüber, was er auf der Straße beobachtete. Amloud Alamir beschrieb, wie ihr Sohn auf einem Schulfest auf dem Klavier ein Stück klassischer Musik vortrug. Die Auswahl des Stückes (Beethovens „Für Elise“) habe wohl auch mit der Zuneigung zu einer Mitschülerin zu tun gehabt. Yahya Alaous erzählte schon damals, wie schnell seine Tochter deutsche Freundinnen in der Schule gefunden hätte und sich dort sehr wohl zu fühlen schien. Sie habe auch schnell Deutsch gelernt. Und Mahmoud Serhan zeigte sich in einem Artikel für das Handelsblatt berührt und für die Zukunft ermutigt, wenn er beobachtete, wie schnell Kinder auf der Straße miteinander in Kontakt kamen und Freundschaft zu schließen schienen. Sie schienen „Kriegstraumata“ Stück für Stück spielend zu überwinden. War dies alles zu schön, um wahr zu sein? Zumindest sind es gute, ermutigende Einstiegserfahrungen, die manche hatten. Aber diese Erfahrungen sind natürlich nicht überall gleich und nicht überall gut. Schwierigkeiten gab es aber auch schon über Jahrzehnte mit den Kindern vieler, die als sogenannte „Gastarbeiter“ vor 40-50 Jahren z.B. aus Marokko oder der Türkei nach Deutschland kamen, um hier ...

أكمل القراءة »

Gedanken zu Heimat und Exil

Rosa Yassin Hassan. Die jüngsten Demonstrationen in Deutschland zur Unterstützung des palästinensischen Aufstands waren nicht die ersten, bei denen sich Einwanderer aus diktatorischen Herkunftsländern beteiligten. Denn auch Syrer, Iraker, Iraner und andere Einwanderer, die politische Themen ihrer Herkunftsländer im Exil vertreten, haben bereits ähnliche Demonstrationen organisiert. Paradoxerweise leiden diejenigen, die sich noch gut an die erlebte Unterdrückung im Heimatland erinnern können, am meisten unter dem Exil. So konnten beispielsweise die Syrer erst hier das Demonstrieren erproben. In Syrien kam eine Demonstration einer Kriegserklärung und der Demonstrant einem Märtyrer gleich. Aber das Gefühl der Entfremdung gab es auch schon in unserem Heimatland, wo uns Tyrannen zwangen, zu Flüchtlingen zu werden. So wurde das metaphorische Exil zu einer Realität. Aber warum erwacht jetzt, im Exil, das Gefühl der Entfremdung in uns? Liegt es daran, dass wir in unserem realen Exil die Freiheit haben, uns auszudrücken? Oder liegt es am Schock der Veränderung und der neuen Herausforderungen? Und warum drängt sich die Frage nach der Bedeutung des Exils und seiner Qualen geradezu auf? Liegt es an unserer vorgefertigten Meinung über eine bösartige Welt namens Exil, der eine schöne Welt namens Heimat gegenübersteht? Ich glaube nicht! Diese trostlose Fremdheit wäre vielleicht vor einem Jahrhundert denkbar gewesen, als es keine Kommunikationsmittel gab, um mit geliebten Menschen in Kontakt zu bleiben. Nicht aber heute, im Zeitalter des Internets, wo ein Mann am Nordpol die Geburt seines Sohnes in Afrika per Skype miterleben kann. So gesehen gibt es heute kein “Exil” im klassischen Sinne mehr. Vielleicht sind wir es, die “Exile” in unserem Inneren erschaffen und entscheiden, ob das, was wir erleben, ein Exil ist oder nicht! Mit der Zeit erlernt man die neue Sprache und erschließt sich die hiesigen Regeln und Gesetze. Man kann sich ein soziales Umfeld aufbauen, sich an neue Orte gewöhnen und sie ...

أكمل القراءة »

Quo vadis, Gleichstellung

Rima Al Qaq. MA in „Intercultural Crisis Management“ In letzter Zeit stehen Übergriffe von Männern, die in den letzten fünf Jahren nach Deutschland gekommen sind, gegen ihre Ehefrauen unter besonderer Beobachtung. Die Scheidungszahlen steigen, während sich Männer zunehmend darüber beschweren, dass das deutsche Gesetz Frauen bevorteile. Für viele verwandelt sich daher die bevorstehende Familienzusammenführung zu einer Tragödie. Die Fortsetzung der Ehe in der neuen Gesellschaft erscheint immer schwieriger. Die unterschiedliche Frauenbehandlung in Syrien und Deutschland ist eines der Themen, das immer wieder auftaucht, wenn es um Integration geht. In diesem Zusammenhang hängt eine der Fragen, die von Sozialarbeitern am häufigsten gestellt werden, mit der Vielehe und ihrer gesetzlichen Regulierbarkeit in Deutschland zusammen. Gleichstellung: Wo stehen wir? Die Herrschaft des Mannes über die Frau ist in der syrischen Gesellschaft keine individuelle Angelegenheit, sondern ein Vorrecht, das die Gesellschaft dem Mann gewährt. Dieses Vorrecht wird religiös gerechtfertigt, ist rechtlich und kulturell verankert, und wird von der Gesellschaft reproduziert. Nur eine kleine Minderheit der Männer in Syrien ist sich dessen bewusst und ruft zur Gleichstellung auf. Auch bei den Frauen ist es eine Minderheit, die zu einem Ende dieser Ungerechtigkeit aufruft. Mit der Ankunft in Deutschland ändert sich die Aufgabenteilung in der Familie, und damit auch die Rolle des Mannes. In Syrien ist der Mann in der Regel für die Versorgung der Familie verantwortlich, während sich die Frau um den Haushalt und die Kindererziehung kümmert. Ohne nennenswerte Änderungen führt die Frau auch in Deutschland ihre gewohnte Rolle aus: sie kümmert sich um den Haushalt und die Kinder. Da sie aus einer patriarchalen Gesellschaft kommt, betrachtet die deutsche Gesellschaft sie als unterdrückt und schenkt ihr besondere Aufmerksamkeit. Der Mann dagegen verliert seine Rolle als Versorger der Familie. Seine Rolle übernimmt das Jobcenter, das der Frau den gleichen Geldbetrag zuteilt, wie dem Mann. Das schwächt ...

أكمل القراءة »

Wie sich meine Mutter am Krieg beteiligte

Hossam Kalaji Schriftsteller aus Syrien. Wenn mich meine Mutter per Whatsapp aus Damaskus anruft, ist ihr erster Satz: “Dein Zimmer sieht bestimmt wieder aus wie eine Müllhalde und du gehst ins Bett ohne Dir vorher die Füße zu waschen.” Bevor ich irgendetwas sagen kann, legt sie nach: “Ich wette, in der Küche stapelt sich das dreckige Geschirr, der Boden ist schon ewig nicht mehr gewischt worden und Deine schmutzigen Kleider liegen überall herum! Ist es so schwer, sie einfach in die Waschmaschine zu stopfen?” Wieder einmal frage ich mich, wie es den Müttern gelingt, inmitten eines schmutzigen Kriegs, inmitten von Nihilismus, so lebensbejahend zu bleiben. Meine Mutter ist eine von Sauberkeit besessene Frau, die mehrmals am Tag die Fensterscheiben wischt. In der Tasche ihrer Schürze befinden sich immer Lappen und Putzmittel, über ihrer Schulter hängt stets ein kleines Handtuch für Notfälle. In allen Lebenslagen verlässt sich meine Mutter auf ihre Nase: Sie riecht an der frisch gewaschenen Wäsche, um sie gegebenenfalls wieder zurück in die Waschmaschine zu werfen. Sie riecht an unseren Köpfen, jeden Morgen und jeden Abend. Als wir Läuse hatten, schor sie uns die Köpfe kahl und sprühte “Piff Paff” darauf, um uns dann, als wir vor Schmerzen durch die Gegend sprangen und uns die Köpfe rieben, aufmunternd zuzurufen: “Halb so wild, so sterben die Läuse!” Als sie einmal im Auftrag meines großen Bruders bei der Familie seiner Angebetenen um ihre Hand anhalten sollte, wollte sie vor dem Haus kehrt machen und zurück nach Hause gehen. Auf dem Rückweg sagte sie ihm: “Eher friert die Hölle zu, als dass Du diese Frau heiratest! Ihr Haus stinkt!” Wenn meine Schwester von der Schule nach Hause kommt, riecht sie an ihren Haaren und beklagt sich dann darüber, dass der Lehrer immer noch im Klassenzimmer raucht. Wenn sie vom Markt zurückkommt, ...

أكمل القراءة »

Was sagt das Grundgesetz zum Familiennachzug

Alia Ahmad. Die im Grundgesetz verbrieften Menschenrechte gelten für Staatsbürger und Ausländer gleichermaßen. So heisst es im ersten Absatz: “Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.” Der Artikel 3 des Grundgesetzes unterstreicht dies: “Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich”. Demzufolge gelten die in den darauffolgenden Artikeln niedergeschriebenen Grundrechte für alle in Deutschlang lebenden Menschen. Dazu zählen unter anderem die in Artikel 6 zu Ehe, Familie und Kindern verbrieften Grundrechte: “Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. […] Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.” Wie ist die aktuelle Diskussion um die verschärften Bedingungen für den Familiennachzug subsidär Schutzberechtigter vor diesem verfassungsrechtlichen Hintergrund einzuordnen? Ist es nicht erstaunlich, dass in einem Rechtsstaat wie Deutschland Gesetze und Ausführungsbestimmungen erlassen werden, die sich nur schwer mit dem Grundgesetz und den in ihm festgeschriebenen Rechten vereinbaren lassen? Gelten diese Grundrechte etwa nur für manche, stehen nur manche Familien “unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung”? Die Behauptung, es ginge lediglich darum, die Familienzusammenführung in einem rechtsstaatlichen Rahmen zu organisieren, verschleiert die Tatsache, dass hier dem Geist des Grundgesetzes zuwider gehandelt werden soll, um rechten Gruppierungen entgegenzukommen. Ihre Fundamentalopposition gegen den Familiennachzug untermauern sie mit fadenscheinigen Argumenten, die nur bereits Überzeugte überzeugt. Nicht überzeugen lassen sich davon jedoch all jene Staatsbürgerinnen und Staatsbürger Deutschlands , welche die universellen humanistischen Werte hochhalten anstatt sie Partikularinteressen unterzuordnen. Natürlich gibt es Gründe für die Angst, welche die die wachsende Zahl von Flüchtlingen bei einigen hervorruft. Aber diese Angst sollte sie nicht blind machen für die bemerkenswerten Erfolgsgeschichten von Flüchtlingen: Sogar Menschen, denen nur subsidärer Schutz zuerkannt wurde, ist es ...

أكمل القراءة »