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Ein neuer Exodus

Souad Abbas, Abwab Chefredakteurin Während sich Präsident Erdogan anlässlich des Opferfestes mit Festtagsgrüßen an die Türkinnen und Türken wendete, widmete sich seine Regierung den Syrerinnen und Syrern im Land auf ihre ganz eigene Art und Weise: Sie ließ Tausende von ihnen abschieben. Weite Teile der türkischen Öffentlichkeit sind mittlerweile der „Flüchtlinge“ aus dem Nachbarland überdrüssig. Eine medial ausgeschlachtete Abschiebekampagne bot der Regierungspartei daher eine gute Gelegenheit, den Unmut in der Bevölkerung zu beschwichtigen, sie wieder auf ihre Seite zu ziehen und die eigene Position gegenüber der Opposition zu stärken. Parallel dazu einigten sich Washington und Ankara vorläufig auf die Errichtung einer „Pufferzone“ auf syrischem Boden. Sie soll Ankaras Vorstellung nach dabei helfen, sich des Problems der syrischen Flüchtlinge durch Abschiebungen zu entledigen und die anvisierten demografischen Veränderungen in Syrien voranzutreiben. So will Ankara die kurdischen Autonomiebestrebungen untergraben, die in der Türkei seit jeher als Gefahr für die nationale Sicherheit empfunden werden. Auch die Regierung des vermeintlich freundschaftlich gesonnenen Libanon entzieht sich auf ähnliche Weise der Verantwortung für die seit Jahren zunehmenden innenpolitischen Probleme und Krisen: Sie wälzt die Schuld für den wirtschaftlichen Niedergang des Landes auf die syrischen Flüchtlinge ab und behauptet, sie würden dem Tourismus schaden. Flankiert wird die Regierung dabei von identitätspolitischen Diskursen, die zusehends in den klassischen und sozialen Medien befeuert werden. Nun sind die Abschiebegesetze nicht neu, bisher galten die syrischen Flüchtlinge in der Türkei allerdings als Gäste. Entsprechend haben sie auch keinen Flüchtlingsstatus inne, der ihnen auf Basis internationaler Verträge bestimmte Rechte zusichern würde, an erster Stelle das Abschiebeverbot. Dass die Gesetze, die Abschiebung vorschreiben, in der Vergangenheit nicht angewendet wurden, vermittelte den Syrerinnen und Syrern in der Türkei ein gewisses Maß an Vertrauen und Zuversicht. In der Annahme, es würde so bleiben, versuchten sie, sich in der Türkei einzurichten und einen Neuanfang zu wagen. ...

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Wie sich die Küchen doch ähneln!

Rita Bariche Wie sich die Küchen doch ähneln! Entdecke die deutsche Version von sieben unserer traditionellen Gerichte aus dem Osten. Viele sagen, dass die deutsche Küche nichts mit der Küche des östlichen Mittelmeerraums gemein habe. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Nun gibt es in der deutschen Küche Butter anstelle von Olivenöl. Sahne, weiße Soßen und dicke Fleischsoßen, anstelle von Tomatenmark, Zitronen und Knoblauch. Wurzeln, Knollen und Kohl anstelle von Blattgemüse und bunten Früchten. Aber genau so wahr ist es – auch wenn es der gängigen Meinung widerspricht – dass das kulinarische Wissen ein geteiltes Gut unterschiedlicher Völker/Kulturen ist und sich auf erstaunliche Weise über Kontinente hinweg verbreitet. Die folgenden Zeilen sollen dies am Beispiel von sieben Gerichten zeigen, die hier und dort auf sehr ähnliche Weise zubereitet werden. Basmashkat (Rinderrouladen) Ob man es nun Basmashkat, wie in Damaskus, Kowaisat wie in Aleppo, oder Qabraghat wie im Nordosten Syriens nennt, immer ist ein beliebtes Festtagsgericht gemeint. Man verwendet hierfür entweder den relativ fettigen Rindernacken oder aber Schnitzelfleisch, füllt es mit Reis, Fleisch, Zwiebeln sowie Gewürzen und näht es dann zu. Diese gefüllten Fleischstücke brät man dann in Fett an oder schiebt sie in den Ofen, bevor man sie in einer Brühe kocht. Serviert werden sie dann mit einer Tomatensauße, in einer Fleischbrühe mit Zwiebeln und Gewürzen, oder aber auf Fette Tachine (Kichererbsenpüree mit Tahina und geröstetem Brot). Auch in Deutschland ist Basmashkat ein traditionelles Gericht welches man an Sonn- und Feiertagen reicht. Hier heisst es “Rinderroulade” und wird auf die gleiche Art zubereitet: Man belegt Kalbsschnitzel mit Gurken, Senf, Zwiebeln und Speck, rollt diese auf und kocht sie in einer Fleischbrühe mit Bier. Hierzu isst man Klöße und Apfelrotkohl. Machschi Yackna (Kohlrouladen) Bei all dem Kohl, der einem während des langen deutschen Winters begegnet, führt kein Weg an ...

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Syrer in der deutschen Kulturszene

Kamiran Hudsch Momentan erlebt die syrische Kultur einen Aufschwung in der deutschen Literaturszene, nachdem sie lange Zeit unbeachtet geblieben war. Vielleicht lag dies am mangelnden Interesse der Verlage und des damit einhergehenden Wissensdefizits über die syrische Kultur außerhalb des Fachpublikums.   Unmittelbar nach Beginn des syrischen Volksaufstands im Frühling 2011 entwickelte sich eine literarische und künstlerische Revolution in der Diaspora. Viele syrische Schriftsteller und Künstler suchten Zuflucht in einem fremden Land, um ein neues Leben in Freiheit zu beginnen. In den letzten zwei Jahren hat sich Berlin zur syrischen Kulturhauptstadt in der Diaspora entwickelt, nachdem eine beträchtliche Anzahl von Schriftstellern und Künstlern sich dort niederließ. Als Augenzeugen des großen menschlichen Verbrechens in ihrem Land, erfuhren syrische Intellektuelle eine unvergleichliche Aufmerksamkeit. Viele kulturelle und politische Institutionen luden syrische Schriftsteller und Künstler nach Deutschland ein. Sie gewährten ihnen Arbeitsstipendien, damit sie sich in Vollzeit ihrem kulturellen Schaffen widmen konnten. Nach ihrer Niederlassung konnten sie hier in Freiheit arbeiten, was sie aus ihrem Heimatland so nicht kannten. Diese Einladungen stellten vielerorts eine Chance für die deutsche Öffentlichkeit dar, mehr über das Leid der Syrer zu erfahren. Die Anfänge waren eng mit dem Thema Flucht verknüpft. Interessenten wollten von den Neuankömmlingen mehr über die humanitäre Lage in Syrien erfahren. Womöglich führen veränderte Umstände aber dazu, dass sich die große Gruppe der intellektuellen „Flüchtlinge“ hin zu einer neuen Kulturszene entwickelt. Bei einem literarischen Abend im Jahr 2013 beklagte ein syrischer Schriftsteller, dass ihm das Publikum immer nur Fragen stelle, wie es denn sei, ein Flüchtling zu sein, und ob er sich wohl fühle im Aufnahmeland. Das Publikum bemitleide ihn und betrachte seinen Aufenthalt in Deutschland als großzügigen Segen, der ihm zuteil komme. Mit der Ankunft von weiteren syrischen Kulturschaffenden hat die syrische Kulturpräsenz in Deutschland neben dem Fluchtaspekt einen zusätzlichen Aspekt angenommen. Zu diesen Kulturschaffenden zählen ...

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Europawahlen und die Zukunft der EU

Von Tarek Aziza Die Stimmung während des Wahlkampfs vor den Europawahlen, die rechten Parolen und Diskurse sowie der Eifer, den Vertreter und Anhänger der Rechten demonstrieren, verdeutlichen, dass die EU ernsten Herausforderungen gegenübersteht. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte scheint ihre Zukunft auf dem Spiel zu stehen. Es handelt sich also um einen europäischen Schicksalsmoment. Europa sei “mit Menschen konfrontiert, die es zerstören wollen”, so der EU-Kommissar für Wirtschaft, Währung und Steuern, Pierre Moscovici, über die erstarkenden rechtspopulistischen Strömungen. Die einst aus wirtschaftlichen Erwägungen gegründete Union galt als einzigartiges Modell, das auf Offenheit, Vielfalt, zwischenstaatlicher Zusammenarbeit, Solidarität, Pluralismus sowie geteilten Ideen und Werten beruht. In letzter Zeit sind jedoch rechtsextreme und rechtspopulistische Positionen immer stärker geworden. Positionen, die den europäischen Prinzipien und Werten fundamental widersprechen. Mit Schlagworten wie Einwanderungsstopp, Stärkung der Außengrenzen, Wiederherstellung der politischen Souveränität der EU-Mitgliedsstaaten und dem Schutz der kulturellen Identitäten versuchen die Rechten dieses offene und pluralistische europäische Modell zu untergraben. Die damit einhergehenden Abschottungstendenzen und die zunehmende Salonfähigkeit von nationalistischem wie religiös-extremistischem Gedankengut würden gesellschaftliche Spaltungen entlang bestimmter identitärer Zuschreibungen nach sich ziehen, die zur Erosion der Gesellschaften führen und den sozialen Frieden zerstören. Offensichtlich widersprüchlich ist, dass ausgerechnet die Populisten behaupten, sie seien die Hüter der europäischen Kultur. Dabei kritisieren ja gerade sie die EU in ihrer gegenwärtigen Gestalt oder lehnen sie sogar grundsätzlich ab. Es gilt das Argument, die EU habe darin versagt, Europa vor “den Ausländern” und den Gefahren, die diese mit sich bringen, zu schützen. Sie empfangen jedoch selbst große Unterstützung aus dem Ausland. Es handelt sich dabei um vermeintlich ganz andere “Ausländer”, wie dem russischen Präsidenten Putin oder Vertretern der amerikanischen Rechten, die unter Trump Aufwind erlebt. Gemeinsam ist ihnen, dass sie alles tun, was in ihrer Kraft liegt, um den europäischen Zusammenhalt zu Gunsten eigener Interessen zu schwächen. Ein ...

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Migrantentagebuch, erster Eintrag: Heimat

Von Marwa Abidou „Was bedeutet Heimat?“ Diese Frage schien mir immer sehr verdächtig. Wenn ich zurückblicke, erinnere ich mich an meine geduldigen Versuche, eine Antwort dafür zu finden. Nur für den Augenblick schien mir die Antwort vernünftig zu sein. Zu schnell erhält sie neue Fragezeichen, die sich ihren Vorgängern anschließen. Als ich noch ein Kind war, war die Umarmung meiner Mutter das größte und einzige Zuhause, aber leider war es nicht immer verfügbar. Als ich älter wurde, war die Stimme meines Vaters und sein Lachen mein Zuhause. Diese füllten unser kleines Haus immer mit Freude und Frieden. Leider entriss der Tod ihn mir plötzlich. Mit dem Erreichen des Jugendalters wurde auch meine Suche nach einer Heimat größer. Ich fand sie, in den Momenten, in denen ich spürte, dass meine Freunde mich, so wie ich bin, akzeptierten. Die Begleitung meiner Freunde blieb nicht lang. Das Leben verstreute uns. Ich entwickelte mich weiter sowie auch die Frage – und meine Entschlossenheit verstärkte sich, eine Antwort zu bekommen. Die Heimat war nicht mehr in meinem Leben anwesend. Eines Tages beschloss ich, alles zu überdenken, was ich zufällig von meiner Familie erbte: meinen Namen; die Namen meiner Vorfahren, die ich nicht kenne; meine Religion, die mein Herz immer schmerzte; meine Heimat, die sich auf ein Land zu reduzieren schien. Mein Überdenken führte dazu, dass ich alles infrage stellen musste. Alles erschien mir sehr verengt, zu verengt. Ich musste raus – entschied mich zu gehen. Ich stand lange vor der Weltkarte aus künstlich hergestellten Grenzen und versuchte einen Rahmen für meine Heimat zu finden. Ich wollte eine Heimat, die meine Fragen und meine Verwirrung akzeptieren kann. Eine Heimat, in der ich nicht gezwungen bin, zwischen meinem Leben und seinem Leben zu verhandeln. Ich träumte von einer anwesenden Heimat, in der ich leben kann, die ich ...

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Was ist DGGF? Digitale Gewalt gegen Frauen bringt das Mittelalter zurück auf unsere Bildschirme

Von Lanna Idriss Es ist erschreckend. Wenn Sie eine Tochter zwischen 14 und 25 Jahren haben, hat diese direkte oder indirekte Erfahrungen mit Digitaler Gewalt gemacht. Wenn nicht sie selbst „Shaming“ erlebt hat, dann war es jemand aus ihrem weiblichen Freundeskreis. Es gibt in Deutschland rechnerisch keine junge Frau, die davon ausgenommen werden kann. Denn geht man nach aktuellen Umfrageergebnissen, so sind mehr als 50% persönlich betroffen. Eine umfassende Studie fehlt hierzulande. Die Bundesregierung scheint die bisher getroffenen Präventiv-Maßnahmen für ausreichend zu halten und die Sachlage für zu komplex, um hier mit gesonderten Straftatbeständen zu reagieren. So ihr Antwort auf eine kleine Anfrage der Linken aus dem November 2018. Wenn Komplexität die Ausflucht für Untätigkeit ist, ahnt man, das es dringend an der Zeit ist sich mit dem Thema zu befassen. In Anbetracht potentieller Einschränkungen der Grundrechte von Mädchen und jungen Frauen in diesem Land, ist ein weiterer Aufschub, will man als Rechtstaat seine Glaubwürdigkeit nicht verlieren, nicht zu rechtfertigen. Inzwischen betrifft Cybermobbing auch immer mehr Ältere. Ein Anstieg allein von 2014 auf 2016 um 9,3 %, laut einer Studie des Bündnis gegen Cybermobbing, belegt dies. Cybermobbing, Cyberstalking, Cybergewalt, Internethetze, digitale sexualisierte Gewalt, Shaming. Es gibt viele Namen für die Gewalt, die im Netz verübt wird. Wenn es um digitale sexualisierte Gewalt gegen Frauen geht, sind der sogenannte „Revenge Porn“ und das „Slut Shaming“ die „beliebtesten“ Formen. Ob mit Video und Bild oder mit Worten, sie findet täglich in sozialen Medien statt und hat junge Frauen bis in den Selbstmord geführt. Es sind neue Begriffe für ein ganz altes Prinzip. Das Sprichwort „Jemanden an den Pranger stellen“ greift das Vorgängermodell aus dem Mittelalter auf. Bei Frauen, die des Ehebruchs verdächtigt wurden, war eine gängige Strafe sie öffentlich zur Schau zu stellen. Die Frau, die Sünderin, wurde in Fällen von sexualisierter ...

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تحميل العدد 41 من جريدة أبواب بصيغة PDF

لتحميل العدد 41 من أبواب بصيغة PDF يرجى الضغط هنا: افتتاحية العدد 41 من جريدة أبواب “بين أحلام المعماريين وواقع اللاجئين” بقلم ريتا باريش باب ألمانيا: إعداد أحمد الرفاعي: عدد الأجانب في ألمانيا يتعدى عتبة الـ10 ملايين مخاوف من انتشار فيروس غرب النيل في ألمانيا قلق بسبب موجة الجفاف الحالية في البلاد د. محمد الزّكري: متصوفة برلين: حاضنة التنوع الألماني باب العالم: إعداد تمام النبواني: “مدن وأقاليم من أجل اندماج المهاجرين” نحو أجندة أوروبية موحدة للهجرة ضربات التحالف “الدقيقة” تقتل أكثر من 1600 مدني في الرقة فرنسا: ندرة الأسماء العربية الإسلامية بين أبناء الجيل الثالث من المهاجرين باب مفتوح: جلال محمد أمين في الزاوية القانونية: ما بين السوسيال والجوب سنتر: أسئلة وأجوبة حول المعونات الاجتماعية وفق قانون التشريعات الاجتماعية. الجزء الأول رضوان اسخيطة: حسم الجدل في متطلبات الجنسية الألمانية نوار حرب و د. هاني حرب: علوم الإنسان الحيوية في جامعة ماربورج – ألمانيا د. بسام عويل: سلسلة في الجنس وعن الجنس بدون تابوهات. 3- صحتك النفسية في متناول يديك فحافظ عليها د. نهى سالم الجعفري: تعيش في ألمانيا؟ إذاً أنت بحاجة إلى فيتامين (د) بيداء ليلى: مطبخ من غربتي 2. باب شرقي: جان داود: رمضان هذا العام.. في الغربة تجمعنا الدراما سناء النميري: رمضان في ألمانيا.. كيف يتعامل المهاجرون مع يوم الصيام الطويل وأعباء العمل والدراسة شريف الرفاعي: ثلاثة مشاهد باريسية زيد شحاثة: أكتب يا حسين.. أكتب أنشطة متنوعة لسيدات برلين.. “فطور بنات مع التمكين/Ladies-Frühstück mit Empowerment” هل أنت “جديد في مركز المدينة”؟ خدمات جديدة تقدمها لك بلدية مركز برلين ضمن مشروع #NeuinMitte مشروع على مستوى العينين يدعوكم إلى تدريب على الوساطة الثقافية وإدارة الحوار! باب القلب: زاوية يوميات مهاجرة. 6 بقلم د. نعمت الأتاسي: إدمان.. بطرس المعري: زاوية حديث سوري. المثليّـون وأزنافور وأنا.. كاريكاتير حكايا من ورق بورتريه العدد من إعداد ميساء سلامة فولف: بيلكان مراد.. ضوء قادم من سوريا د.د. مروة مهدي عبيدو: أسطورة أم صدفة؟ باب أرابيسك: زين صالح: لن أتعلم يوماً.. شخصية العدد: عزرا باوند. الدقة الشعرية، ...

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Migrantentagebuch, vierter Eintrag: Zwischen hier und dort

Von Marwa Abidou Das Mittelmeer trennt zwei Welten voneinander Zwei verschiedene und ähnliche Welten. Das Mittelmeer trennt sie voneinander und bringt sie manchmal zusammen. Das hartnäckige Mittelmeer lehnt die Vermittlung dazwischen ab. Wer zwischen den beiden Welten kreuzen will, hat nur zwei Möglichkeiten: entweder den Luxus, den nicht jeder hätte, auf eisernen Flügeln darüberzufliegen, oder den Zwang, mit der Hoffnung aufs Überleben, sein Leben auf dem Meer zu riskieren. Dazwischen hängen vergessene Bilder und sich wiederholende Szenen, die sich nur durch die Farben der Hintergründe, die Stimmen der Akteure und die Farbe des dominierenden Angstgeruches unterscheiden. Bei mir blieben die beiden Welten in meinen Erinnerungen hängen: Manche Bilder von hier und manche von dort – ich stehe dazwischen still, bewegungslos und ohne Zeitgefühl. Hier Ich erinnere mich an eine neue Art von Glück, die ich hier erlebt habe, als ich zum ersten Mal den weißen Schnee vom Himmel fallen sah. Das gleiche Gefühl formte sich jedes Jahr wieder, wenn ich die Gerüche des Frühlings spürte und die neuen Farben der Bäume sah sowie wenn ich die unerwarteten heißen Sommermomente im Norden erlebte. Mein Gedächtnis enthält von hier mehrere Bilder von unbekannten Kindern, die mich unschuldig anlächelten, wenn wir uns zufällig auf der Straße trafen. Das Bild meiner alten Nachbarin hier taucht oft in meiner Erinnerung auf. Eine Frau, die mich immer mit einem Lächeln und vielen Geschichten über ihre Kinder und ihren langen Lebensweg getroffen hat. Sie war an Alzheimer erkrankt. Letztes Mal sah ich sie vor dem Aufzug im Haus. Sie lächelte mich wie immer an und sagte: „Ich erinnere mich nicht an dich, vergib mir. Es ist der Fluch der Krankheit, aber mein Herz erinnert sich an gute Gefühle in deiner Anwesenheit!“ Ein paar Stunden danach entschied sie sich, Abschied von unserer Welt zu nehmen. Dort Im Laufe der ...

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Öl ins Feuer: Die Medien befeuern rassistische Tendenzen

Souad Abbas, Chefredakteurin Der terroristische Anschlag auf Betende in Neuseeland hat weltweit eine Welle der Verurteilung ausgelöst. Die rassistischen Motive des Täters belegen, wie gefährlich der sich ausbreitende Rechtsextremismus ist und verdeutlichen die Rolle der Medien, deren Berichterstattung dieser Tat mindestens Vorschub geleistet hat, aber vielleicht sogar den Täter zu ihr ermutigte. Auch die westlichen Medien haben sich an dieser anti-muslimischen Stimmungsmache beteiligt, die in Muslimen stets nur das Abziehbild eines Extremisten sieht, und keine eigenständig denkenden und handelnden Subjekte. Ihre permanente Assoziierung mit Terrorismus liefert den Islamophoben einen willkommenen Vorwand, ihren Hass auf Unschuldige auszuschütten, deren einzige Verfehlung ihr Glaube ist. Natürlich ist tendenziöse, ideologisch gefärbte Berichterstattung fern jeglicher professioneller Maßstäbe ein globales Problem. Erstaunlich ist aber, dass auch öffentlich-rechtliche Medien in demokratischen Staaten von ihm betroffen sind. Da sie von der Allgemeinheit finanziert werden, müssen sie auch dem Allgemeinwohl dienen, dem ihre Regierungen verpflichtet sind. Anstatt ihm zu schaden, sollten sie ihren Beitrag zu Stabilität, Sicherheit und sozialem Frieden leisten. Wie kann es sein, dass sie ihre gesellschaftliche Macht und den damit einhergehenden Einfluss auf die öffentliche Meinung dafür missbrauchen, in einer Form von “medialem Mobbing” gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen zu hetzen? Bei der Stimmungsmache gegen Geflüchtete und Migranten sind direktere und indirektere Formen zu beobachten: Offensichtlich ist sie, wenn Medien rassistische Diskurse rechtfertigen oder unverblümte Hassbotschaften verbreiten. Eine weniger direkte Form stellt die unausgewogene Berichterstattung dar, die sich auf einzelne Negativbeispiele wie Verbrechen konzentriert und so Stereotypen verstärkt. Mit professioneller Pressearbeit, die ein Mindestmaß an Objektivität und Neutralität erfordert, hat das nichts zu tun. Am subtilsten ist die Stimmungsmache jedoch, wenn sie sich unter dem Deckmantel des Lobes versteckt, wenn über einzelne Erfolgsgeschichten von Migranten und Geflüchteten mit einer übertriebenen Begeisterung berichtet wird, die nahelegt, dass es sich dabei um wundersame Ausnahmefälle handelt. Ob aufgrund von Uninformiertheit oder der Sprachbarriere, ...

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Jordanien quo vadis.. Wird das Land den Weg aus der Wirtschaftskrise finden?

Lanna Idriss Die Jugend Jordaniens ist eine der am besten ausgebildeten der arabischen Hemisphäre und dennoch findet kaum ein Jobsuchender im eigenen Land eine Arbeitsstelle, besonders Frauen sind betroffen. Ihre Arbeitslosigkeit beträgt unfassbare 78% bei Hochschulabsolventinnen. Eine unglaubliche Verschwendung von Talent und Qualifikation. Vergleichsweise hohe staatliche Investitionen in alle Bereiche des Bildungssystems – von der Grundschule bis zur Universität – führten dazu, dass Jordanien ab den 1960er Jahren qualifizierte Arbeitskräfte in die arabische Welt “exportierte” und in Bezug auf das Bildungsniveau an die Spitze rückte.  Die Arbeitslosigkeit bei den Hochschulabsolventen beträgt dennoch bis zu 35% und das gepaart mit einem sehr niedrigen Pro-Kopf-Einkommen. Der staatlich fixierte Mindestlohn beträgt 225 JD pro Monat, das entspricht etwas ca. 270 Euro. Da Jordanien eine junge Gesellschaft ist – ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre, gut zwei Drittel sind jünger als 29 Jahre – kämpft vor allem die Jungend mit den Auswirkungen dieser Perspektivlosigkeit und dies ist eins der größten Probleme des Landes. Denn oft bleibt da nur der Weg in die Golfstaaten und führt zu dem berüchtigten Ausverkauf der Intelligenz. Die Schuldigen? Oft werden die Palästinenser, Syrer und Iraker als erstes in diesem Zusammenhang genannt.  Und es ist richtig, dass die Migration von 6.6 Mio Menschen erstmal verkraftet werden muss. Man stelle sich vor Deutschland müsste ca. 100 Mio Migranten in 60 Jahren versorgen? Aber auch aufgrund knapper Ressourcen sowie wenig entwickelter Industrie und Landwirtschaft ist Jordanien ökonomisch in hohem Maße von externen Faktoren abhängig: Internationale Finanzhilfen, von denen 90% aus der Golfregion stammen, Überweisungen von jordanischen Arbeitskräften im Ausland, Tourismus sowie Phosphatexporte sichern bislang das Überleben des kleinen Landes, aber eben auch nur das. Auch die Wachstumsraten sind eher niedrig. Was also tun? Weitere Investitionen? Das Land erhält schon überdurchschnittlich viel durch die Weltbank und den IWF und hängt bekanntlich ...

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