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Schule als Ort der Integration: Teil 2

Von Erhard Brunn*

Für viele junge Menschen könnte sich das Thema Integration in der Schule entscheiden. Die Erfahrungen mit deutschen Schulen sind für Menschen, die selber oder deren Familien erst in den letzten Jahren nach Deutschland kamen, natürlich sehr unterschiedlich. Erhard Brunn berichtet in seinem dreiteiligen Beitrag in ABWAB über seine Erfahrungen. Im zweiten Teil geht es um die Bedeutung der Eltern für den Erfolg ihrer schulpflichtigen Kinder, das Verhältnis zwischen Eltern und Lehrern und den Übergang von der Schule in die Ausbildung.

Hilfestellung der Eltern

Ich habe in den letzten Jahren viele Akademiker (Ärzte oder Anwälte) getroffen, die sagten, ihre Eltern seien Analphabeten gewesen und seien es bis heute. Sie hätten als Putzkräfte auf Frankfurts Straßen oder in Berliner Krankenhäusern gearbeitet, aber immer eine positive Haltung dazu gehabt, dass ihre Kinder schulisch das Bestmöglichste aus sich machten und sie dabei unterstützt. Diese Menschen, deren Eltern aus der Türkei oder Marokko kamen, sind ihnen bis heute dafür dankbar.

Der Kontakt zwischen Lehrern und Eltern kann sehr wichtig sein, nicht nur zur Zeit der Zeugnisvergabe. Die Erfahrung zeigt aber, dass viele Eltern mit Migrationshintergrund, auch wenn sie schon seit langer Zeit in Deutschland leben, diesen Kontakt scheuen. Vielleicht, weil sie sich nicht so gut auf Deutsch ausdrücken können und sich dementsprechend unwohl und den Lehrern unterlegen fühlen. Oder, weil viele von ihnen weder das deutsche Schulsystem noch die sich anschließenden Ausbildungs- oder Studienbedingungen gut verstehen. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie nicht gerne mehr darüber wüssten, wie ihre Kinder in der Schule zurechtkommen und ihnen vielleicht auch dabei helfen würden, die Hausaufgaben zu machen. Die Lehrer, so der Wunsch vieler dieser Eltern, müssten mehr Initiative übernehmen, werden aber mit Recht sagen können, dass ihnen ohnehin schon Jahr für Jahr immer mehr Pflichten aufgebürdet werden.

Ich habe jedoch auch von vielen erfolgreichen Menschen mit Migrationshintergrund gehört, dass es bei ihnen gar keine große deutsche Institution war, die sie heute als wichtig dafür ansehen, dass sie sich menschlich in Deutschland wohlfühlen und beruflich erfolgreich sind. Oft war es nur eine einzelne ältere Nachbarin oder ein Ehepaar aus der Nachbarschaft, die den Kindern Spaß am Lesen vermittelten, eine ständige Bücherzufuhr sicherstellten und Zuspruch gaben. Damit stärkten sie auch das Selbstvertrauen und das Vertrauen in Deutschland. Oder es war ein bestimmter Lehrer oder ein Praxisanleiter beim Berufseinstieg, der den Jugendlichen in der Pubertät den Rücken freihielt, selbst wenn diese ihn gerne einmal provozierten.

Natürlich ist es gut, wenn die Angebote der Schulen und anderer Behörden funktionieren. Aber viele Migranten haben es geschafft, obwohl das System oder die Mehrheit derer, mit denen sie zu tun hatten, sie nicht unterstützt haben, aber eine Person schon und die richtig!

Rektoren und Lehrer

Viele Lehrer waren und sind nicht darauf vorbereitet, sich mit Schülern und Eltern aus anderen Kulturen einfühlsam auseinanderzusetzen. Diese Herausforderung besteht jedoch schon seit sehr langer Zeit. In Großstädten wie Frankfurt gibt es zahlreiche Schulen, die seit langem auf den Umgang mit Schülern aus Migrantenfamilien eingestellt sind. Sie haben schon vor Jahren sogenannte „Intensivklassen“ eingerichtet, so dass die zunehmende Zahl geflüchteter Kinder und Jugendlichen in den letzten Jahren kein großes Problem für sie dargestellt hat. Sie haben dann eben vier statt zwei Intensivklassen eingerichtet.

Hingegen gingen in vielen anderen Teilen Deutschlands, in Kleinstädten oder dörflichen Regionen, bis zum Jahre 2015 nur wenige Kinder aus anderen Kulturkreisen zur Schule. Auch wenn die Unterstützung den Menschen mit Fluchterfahrung dort vielleicht zu gering erschienen sein mag, haben doch Deutschland, seine Behörden und viele seiner Bürger seit 2015 enorm viel geleistet, um Menschen in Not aus anderen Teilen der Welt zu helfen. Besonders die Lehrer standen dabei oft vor großen Herausforderungen.

Von der Schule in die Ausbildung

Als ein großes Missverständnis empfinden viele deutsche Akteure die Vorstellungen einiger Menschen mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung über die Herausforderungen einer beruflichen Ausbildung, also der Lehre.

In Deutschland ist man stolz auf dieses “Duale Ausbildungssystem”. Der Lehrling verbringt einen Teil der Woche im Ausbildungsbetrieb, den anderen in der Berufsschule. Dies hat den Vorteil, dass durch die Bildung im Betrieb eine große Praxisnähe geschaffen wird. Die Auszubildenden werden mit den neuesten technischen Entwicklungen vertraut gemacht und können sich darüber hinaus in den Betrieben einen Ruf erarbeiten, der eine Übernahme nach der Ausbildung wahrscheinlicher macht. Durch den Besuch der Berufsschule wird eine Grundlagenbildung sichergestellt und der theoretische Hintergrund zu den Tätigkeiten des Betriebes gelegt. Berufliche Ausbildung findet in Deutschland also auf einem sehr hohen Niveau statt.

In manchen Schulen gibt es schon in der 8. oder 9. Klasse das Angebot, während der Schulzeit mehrere Tage in der Woche in einem Ausbildungsbetrieb der eigenen Wahl mitzuarbeiten. Dies ermöglicht den Schülern festzustellen, ob diese Arbeit ihnen überhaupt liegt und die potentiellen Arbeitgeber haben die Gelegenheit, die jungen Menschen kennen zu lernen.

Berufsberater wundern sich oft über die unrealistischen Berufswünsche von Flüchtlingen oder jungen Menschen mit Migrationshintergrund. So bedurfte es viel Überzeugungskraft eines mir bekannten Schulsozialarbeiters, einem Schüler klarzumachen, dass es in Deutschland mit einer Mathematiknote von 5,0 unmöglich ist, den Beruf zu erlernen, der bis vor einigen Jahren noch „Kraftfahrzeugmechaniker“ hieß. Weil heute kaum mehr geschraubt wird, sondern Hightech die Hauptrolle spielt, heißt der Beruf heute „KFZ-Mechatroniker“. Mit viel Überzeugungsarbeit und Nachhilfe konnte der junge Mann bewegt werden, sich in diesem Fach so anzustrengen, dass er eine bessere Mathematiknote bekam.

An unterschiedlichen Orten stehen verschiedene Fördermöglichkeiten zur Verfügung. In einigen Schulen übernehmen ältere Schüler die Rolle eines Mentors und fördern jüngere Schüler (z.B. solche mit Fluchterfahrung). Andere Schulen haben Vertrauenslehrer, viele daneben auch noch Schulsozialarbeiter. Es gibt vielerorts mehr Fördermöglichkeiten, als die meisten Eltern denken.

Im dritten Teil geht es in der nächsten Ausgabe um die Bedeutung der deutschen Sprache für die erfolgreiche Integration in die Gesellschaft und die persönliche Weiterentwicklung.

*Von Erhard Brunn – Historiker und Berater für Interkulturelle Kooperationen

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