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Geflüchtete und Sexualverbrechen in Deutschland: Ursachen und Lösungsstrategien

Dr. Hani Harb*

In den letzten Wochen erreichten uns schockierende Nachrichten über Asylbewerber aus unterschiedlichen Ländern, die beschuldigt werden, Verbrechen begangen zu haben. Darunter sind Iraker, Syrer und Afghanen. Natürlich gossen die deutschen Medien Öl ins Feuer und berichteten über diese Verbrechen in einer Ausführlichkeit, die nahelegt, dass diese ein repräsentatives Bild der Geflüchteten und Migranten in Deutschland zeichnen.

Diese Fokussierung der Medien auf Verbrechen, insbesondere Sexualverbrechen, die von Geflüchteten begangen werden, ist nicht neu. Hierbei handelt es sich um ein weltweit zu verzeichnendes gesellschaftliches Phänomen. Insbesondere rechte Medien verweisen stets auf den Zusammenhang zwischen der Zunahme von Sexualverbrechen und der erhöhten Anzahl an Geflüchteten und Migranten, die sich in Deutschland befinden. Diese Angelegenheit lässt sich aus zwei Perspektiven betrachten.

Ein Frauenbild von vorgestern

Einerseits ist da das Frauenbild, das Migranten mit nach Deutschland gebracht haben. Für einen gewissen Anteil von ihnen ist der weibliche Körper ein Tabu und schambehaftet, er muss also verdeckt werden, oder er wird als Ware betrachtet, die man kauft und verkauft. Ein Anzeichen dafür ist der Anstieg des Brautpreises, der in Extremfällen mehr als dreißigtausend Euro betragen haben soll.

Von heute auf morgen kann dieser kulturelle Hintergrund nicht ausgelöscht werden. Weder mit Integrationskursen europäischer Prägung noch mit Sensibilisierungsvorträgen kann man diesen Teil der Geflüchteten erreichen. Vielmehr ist es notwendig, die in Deutschland gängigen pädagogischen Methoden an die Denkstrukturen der Zielgruppe anzupassen, ohne sie alle über einen Kamm zu scheren. Diese Form der gezielten Ansprache ist nötig, denn täglich wird in Facebook-Gruppen, in denen Geflüchtete sich treffen, dutzendfach dazu aufgerufen, die Regeln des Islams in Deutschland zu verankern, oder die eigenen Kinder von einer als verdorben empfundenen westlichen Gesellschaft abzuschotten.

Die Rolle der Politik

Die andere Seite der Medaille ist die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung: Viele Geflüchtete hatten noch keine Gelegenheit, mit der deutschen Gesellschaft in Kontakt zu kommen, weil sie lange, teilweise jahrelang, in Flüchtlingslagern wohnen mussten. Aber auch wer aus dem Lager in eine eigene Wohnung zog, musste teilweise aufgrund der Wohnsitzauflage an Orten leben, an denen es keine Arbeitsmöglichkeiten oder auch nur Gelegenheiten zu sozialer Interaktion gab. Diese Isolierung bestärkte dann das Gefühl, von der Mehrheitsgesellschaft abgelehnt und gering geschätzt zu werden.

Hier lassen sich Parallelen zum französischen Ansatz im Umgang mit Migration erkennen. Dieser über einen langen Zeitraum verfolgte Ansatz führte bekanntermaßen dazu, dass eine ganze Generation von Migranten das zu hassen lernte, was unter dem Stichwort “französische Werte” verhandelt wurde. Denn diese “französischen Werte” bedeuteten für sie weder Entwicklung noch Bildung, sondern Ausgrenzung und Isolation. So entstanden in den Banlieus günstige Bedingungen für Drogenhandel und Sexualverbrechen. Der deutsche Staat verfolgt gerade den gleichen Ansatz, was letztendlich zu den gleichen Ergebnissen führen wird, unter Anderem zu mehr Kriminalität unter Migranten, welche sich auch in Verbrechen gegenüber Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft äußern wird.

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Bundesregierung große Anstrengungen im Bereich der Integration unternimmt, jedoch wird unter “Integration” nicht mehr verstanden, als Einwanderern in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Die veränderte Ausrichtung der Regierungspolitik und die Tendenz vieler deutscher Medien, einzelne Verbrechen in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung zu stellen, leisten einem Generalverdacht Vorschub, der sich wie eine Schlinge um den Hals der Migranten legt. Diese Bedingungen befördern das Entstehen von isolierten migrantischen Communities, eine Entwicklung, die so bereits in den Sechzigern und Neunzigern zu beobachten war.

Lösungsstrategien

Da davon auszugehen ist, dass die von Geflüchteten ausgehende Kriminalität einen maßgeblichen Einfluss auf das Regierungshandeln in den kommenden Jahren haben wird, braucht es dringend Lösungsstrategien, sowohl um der Geflüchteten als auch um der Mehrheitsgesellschaft Willen. Ein erster Schritt könnte in der Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen bestehen, welche die Sprache der Geflüchteten sprechen und ihre Weltsicht zu einem gewissen Grad teilen. Diese könnten vermittelnd zwischen Mehrheitsgesellschaft und Zugewanderten agieren, ihnen gesellschaftliche Unterschiede erklären und neue Ideen nahebringen. Und bei Problemen stünde der Suche nach Lösungen keine Sprachbarriere im Weg. Es gibt viele von alteingesessenen und neuen Migranten gegründete Organisationen, die genau das tun – allerdings gilt es ihre Rolle durch Kooperation mit staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren zu stärken. Zudem sollte der reiche Erfahrungsschatz früherer Generationen von Migrantinnen und Migranten für die Verständigung zwischen Geflüchteten und der Mehrheitsgesellschaft genutzt werden. Er kann uns als Kompass bei der Suche nach guten Formen des Zusammenlebens dienen.

Aber diese Suche kann, wie jede Suche nach der Lösung eines gesellschaftlichen Problems, nur dann erfolgreich sein, wenn die beteiligten Parteien zusammenarbeiten und zu Kompromissen bereit sind. Ohne gegenseitiges Verständnis ist dies nicht möglich. Darüber hinaus müssen wir Strukturen schaffen, die Migranten eine Stimme geben und ihnen gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Außerdem sind Veränderungen in der Beschäftigung- und Integrationspolitik von Nöten.

*Dr. Hani Harb. Wissenschaftler an der Harvard University, USA. Ehemaliger Wissenschaftler an der Philipps-Universität Marburg, Deutschland.

Übersetzung: Mirko Vogel, Mahara-Kollektiv, [email protected]

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