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Syrische Restaurants in Berlin: Friedensinitiativen und Schritte zur Integration

Zina Qanawati – Syrische Journalistin.  Wo Syrier sich niederlassen, da versuchen sie auf vielen Wegen, ein ihnen angenehmes Umfeld zu erschaffen.

Eine besonders wichtige Rolle spielt hierbei die syrische Küche. Wer in Berlin die Sonnennalle, die “Straße der Araber”, hinunter spaziert, der fühlt sich an syrische Straßen erinnert: Restaurants, wohin das Auge blickt, Familien mit vielen Kindern, und Gerüche von Schwarma, Kebab und orientalischen Süßigkeiten, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.

Mit gemischten Gefühlen läuft der Neuankömmling durch diese Straße. Sie sieht dem Ort, von dem er kommt, zum Verwechseln ähnlich, ist aber nicht dieser Ort. Sein Gedächtnis spielt ihm einen Streich  und transportiert alte Erinnerungen an diesen neuen Platz, so dass  er in der Mitte gefangen ist: Zwischen einer unzugänglich gewordenen Vergangenheit und einer Gegenwart, die ihr auf beunruhigende Art ähnlich ist.

Orte der innersyrische Begegnung

Syrer haben sehr verschiedene Hintergründe, auch wenn sie aus dem gleichen Land kommen. Was sie eint ist ihr Schicksal: Der Krieg in Syrien und die Flucht vor ihm. Der Krieg hat zu einer tiefen Spaltung der syrischen Gesellschaft geführt und der syrische Küche kommt nun eine Schlüsselrolle beim Überwinden dieser Spaltung zu. Viel wichtiger als für die Begegnung zwischen Syrern und Deutschen ist sie für die innersyrische Begegnung. Denn alle Syrer teilen die gleichen kulinarischen Erinnerungen, die sie mit einem sicheren Ort und einer Zeit verbinden, in der jedes Treffen auch ein Treffen zum Essen war.

Aus diesem Grund sprechen die syrischen Restaurants und Geschäfte in Berlin sowohl sprachlich als auch kulinarisch vorwiegend Syrer an. Sie bringen ihnen einen Vertrauensvorschuss entgegen und bieten einen geschützten Raum für Gespräche, die sich am Besten bei einer geteilten Mahlzeit führen lassen. Schließlich ist das Essen ein Geschenk  an den Essenden, der im Gegenzug sein Vertrauen schenkt, und das zubereitete Gericht ohne Zweifel oder Angst verzehrt.

Unter diesen Umständen schenken die Syrer der sie umgebende Gesellschaft nur wenig Aufmerksamkeit. Sie sind Hauptzielgruppe der syrischen Restaurants und ihre Präsenz dort ist überwältigend, auch wenn es einige deutscher Besucher gibt.

Dieses Phänomen lässt sich dadurch erklären, dass es sich hier um die erste Phase eines Heilungsprozesses handelt, in dem die heterogenen syrischen Diaspora in Berlin ihre vom Krieg hervorgerufenen Spaltungen zu überwinden sucht, in dem sie sich um einen gedeckten Tisch versammelt. In einer zweiten Phase wird dann die deutsche Gesellschaft zur Zielgruppe, an die sich die syrische Küche in Berlin hauptsächlich richtet.

Der Name “Damaskus” als Verbindendes

Ein Großteil der syrischen Restaurants und Lebensmittelläden trägt den Namen “Scham” oder “Damaskus”, obwohl sie Gerichte aus verschiedenen syrischen Städten anbieten. Vielleicht steckt hinter dieser Namensgebung der indirekte Wunsch, die Syrer in einem Namen zu versammeln, der nicht sofort mit Krieg und Krisen in Verbindung gebracht wird, was bei dem Wort “Syrien” der Fall ist. Hierbei spielt nicht nur das Alter der Stadt und ihre Bekanntheit ein Rolle, sondern auch die Tatsache, dass “Scham” neben der Hauptstadt auch die sie umgebende Provinz sowie ganz Syrien bezeichnet.

Die syrische Identität in deutscher Sprache

In Berlin gibt es eine Konditorei, die Süßigkeiten nach Art der syrischen Stadt Idlib verkauft. Dort arbeitet ein junger Mann, der diesen Beruf in der Nähe von Idlib erlernt und dort seit seinem achten Lebensjahr ausübt hat. Eine Schule habe er nie betreten und weder Lesen noch Schreiben auf Arabisch gelernt, erzählt er. Aber hier sei er gezwungen gewesen, Deutsch zu lernen. Ohne seine Arbeit, der er mit Leidenschaft nachgeht, zu unterbrechen fügt er stolz hinzu: “Jetzt kann ich auf Deutsch lesen und schreiben.”

Übersetzung: Mirko Vogel, Mahara-Kollektiv, [email protected]

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