Geflüchtete Künstler stellen an der UdK in Berlin aus

Von Lilian Pithan. Das Sommersemester geht zu Ende und damit auch das “Artist Training” Programm des Berlin Career College. Von November 2016 bis Mai 2017 konnten geflüchtete Künstler lernen, wie man Kontakt zur deutschen Szene findet, Finanzierungen sucht und sich selbst vermarket. Den Abschluss des Programms markiert die Ausstellung “same same but different”, die vom 21. bis 23. Juli in den Räumen der Universität der Künste (UdK) zu besichtigten ist.

Von Lilian Pithan

In den imposanten Räumen der Universität der Künste (UdK) in der Hardenbergstraße, unweit des Bahnhofs Zoo, drängen sich an diesem Wochenende (20. bis 23. Juli) nicht nur Studierende aller Kunstsparten, sondern auch Eltern, Freunde und vereinzelte Touristen. In jeder Ecke stehen multimediale Kunstinstallationen, sind großformatige Gemälde aufgehängt oder Bildschirme angebracht, auf denen Experimentalfilme in endlosen Schleifen laufen. In einem von ihnen versucht eine junge Frau vergeblich, sich in ein kanariengelbes Satinkleid mit tiefem Rückenausschnitt zu zwängen. An anderer Stelle liegen handgenähte Stoffgebilde in schwarz und schweinchenrosa auf dem Marmorboden. Dahinter peitscht ein heftiger Sommerregen an die Fenster, der die Besucher des UdK Rundgangs 2017 aus dem begrünten Innenhof ins Gebäude getrieben hat.

Alles wie immer also, wenn die Universität der Künste wie jedes Jahr Studierende aller Klassen ihre künstlerische Arbeiten ausstellen lässt. Eine Besonderheit gibt es aber doch: Zum ersten Mal sind beim Rundgang auch die Teilnehmer des Programms Artist Training: Refugee Class for Professionals dabei, das vom Berlin Career College unter Leitung von Melanie Waldheim, Kathrin Rusch und Ewelina Dobrzalski organisiert wird. Die Weiterbildung lief von November 2016 bis Mai 2017 und bestand insgesamt aus sechs Modulen.

Nach einer allgemeinen Einführung zum Thema “Working as an Artist in Germany” folgten spezialisierte Kurse auf den Gebieten Musik, Kultur und Medien, Darstellende Künste, Bildende Kunst und Film. ABWAB ist offizieller Medienpartner des Programms und wurde im Modul “Kultur und Medien” von der Redaktion vorgestellt. Bewerben konnten sich alle, die nach Deutschland geflüchtet sind und hier künstlerisch arbeiten. Unter den Teilnehmern der einzelnen Module waren viele Nationen vertreten, syrische Künstlerinnen und Künstler machten aber die Mehrheit aus.

Besucher und Organisatorinnen der Ausstellung “same same but different” in den Räumen der UdK.

So auch bei der Ausstellung mit dem Titel “same same but different“, die für den UdK Rundgang kuratiert wurde und den Abschluss des “Artist Training” Programms bildet. Unter der Leitung der syrischen Künstler Khaled Barakeh und Wassim Ghrioui zeigen die Teilnehmer des Moduls “Bildende Künste” großformatige Ölgemälde, Installationen und Filme. Unter ihnen ist auch Abdul Razzak Shaballot, der ein hyperrealistisches Bild aufeinander getürmter Sardinendosen ausstellt. Schräg gegenüber hängen zwei Gemälde von Fadi Aljabour, von denen herab den Betrachter Puppenköpfe durch halbgeschlossene Lider anstarren. Untermalt wird die Ausstellung am Nachmittag des 22. Juli von Nabil Arbaain (Oud) und Ali Hasan (Percussion), die zusammen mit Simon Schmidt (Gitarre) die Fusion europäischer und arabischer Klängen vorführen.

Im Ausstellungsraum des “Artist Training” an der UdK. Gemälde von Fadi Aljabour.

In einer anderen Ecke des Raums läuft ein Experimentalfilm von Michel Daoud, der in stilisierten schwarzweiß-Bildern von der Unterdrückung der LGBTIQ-Community in Daouds Heimatland Syrien erzählt. Daoud, der nicht nur Künstler und Filmemacher, sondern auch Tänzer ist, bewegt sich anmutig zu den Klängen traditioneller arabischer Musik. In einer anderen Szene rezitiert er ein Gedicht, das den inneren Kampf eines Menschen, dessen Leben und Lieben von seinem Umfeld nicht akzeptiert, ja sogar verfolgt wird, thematisiert. Im Rahmen der Initiative Common Ground, die 2015 vom AstA der UdK angestoßen wurde, wird Daoud am nächsten Tag einen Einführungskurs in die Techniken des Vogue Dance geben. 

Schon am Samstag treten einzelne Teilnehmer des “Artist Training” als Lehrende für Common Ground in Erscheinung. So zum Beispiel Abdul Razzak Shaballot, der im Erdgeschoss des Gebäudes zwischen Ateliers und provisorischen Einbauküchen einen Kalligrafie-Kurs gibt. Um die zehn Besucher sitzen an einem großen Tisch und beugen sich angespannt über ihre großen Papierbögen. Einige schreiben die arabischen Buchstaben mit Tinte und Rohrfedern, andere benutzen einen dicken Edding. Immer wieder kopieren sie das “Ayn”, bis es endlich so perfekt aussieht wie von Shaballot an die Tafel gezeichnet.

Der Künstler Abdul Razzak Shaballot gibt Unterricht in arabischer Kalligrafie an der UdK Berlin.

Mit der Ausstellung geht die erste Phase des “Artist Training” nun also zu Ende. Die zweite Phase ist bereits in Planung: Zwischen September und Dezember 2017 sollen wieder sechs Module stattfinden, für die man sich ab jetzt auf der Website des Berlin Career College anmelden kann. Wer nicht so lange warten will, hat noch einen Tag Zeit, die Initiatoren und Teilnehmer des Programms beim UdK Rundgang 2017 kennenzulernen. Auch am Sonntag noch werden raumgreifende Installationen den kürzesten Weg zur Bar im Innenhof versperren. Unscharfe Bilder werden über die Wände flackern, untermalt vom Gemurmel der Ausstellungsbesucher. Die junge Frau im Film wird es immer noch nicht schaffen, den Reißverschluss ihres gelben Kleids zu schließen. Nur sturzbachartige Regenfälle wird es am Sonntag wohl nicht geben.

Die Ausstellung “same same but different” läuft noch bis zum 23. Juli (11-18h). Der Eintritt ist frei. ABWAB ist Medienpartner des “Artist Training: Refugee Class for Professionals”. 

Lilian Pithan ليليان بيتان
Lilian Pithan arbeitet als freiberufliche Journalistin in Berlin. Sie schreibt für das Goethe Institut Magazin und ParisBerlin, meist über Themen aus Kultur und Gesellschaft. Sie arbeitet außerdem für die Neuen deutschen Medienmacher e.V.

Lilian Pithan is a Berlin-based freelance journalist. She writes about culture and society for the Goethe Institut Magazine and ParisBerlin. Apart from that, she works for the German media NGO Neue deutsche Medienmacher e.V.