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Geschichten über die Hoffnung

Von Mohammed Bedarne

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Ich verließ Syrien, nachdem ich mein Studium an der Universität beendet hatte. Niemand auf der Welt wählt freiwillig diese Reise aus, denn sie ist weder ein entspannender Urlaub noch ein Abenteuer. Dem Tod entronnen, ist man konfrontiert mit Angst oder Kälte oder möglicher Verhaftung. In der Türkei schliefen wir in Parks. Früher liebte ich Gärten, aber die Menschenmassen und unsere Sorgen verweigerten mir den Blick auf die Schönheit. Dann wurden wir zum Spielball der Schmuggler und diese Leute sahen nichts anderes außer ihren eigenen Interessen. Ich erinnere mich sehr gut daran, wie uns einer der Schmuggler im Laderaum seines Autos wie Sardinen übereinander stapelte, um uns zu dem Schiff zu verfrachten, welches zuerst gar nicht vorhanden war.

Nach vielen Versuchen gelang es, 46 Menschen auf einem kleinen Schlauchboot von acht Metern zu unterzubringen, und es begann die Reise auf dem Meer, die siebeneinhalb Stunden dauerte und uns zu einer unbekannten Insel führte. Als wir in der Nähe der Küste waren, kam die griechische Küstenwache auf uns zu.  Das war der beängstigendste Moment der Reise, als der Fahrer des Schlauchbootes den Motor abmontierte, ein Loch in das Boot stach und wir alle ins Wasser fielen  und schwimmen mussten, damit die Küstenwache uns nicht zurückschicken konnte. Ich hatte ein schönes Kleid, welches ich bei der Ankunft in Griechenland anziehen wollte, aber ich warf alle meine Koffer weg um zu überleben. Ich war traurig, weil ich auch einen kleinen Sack ins Meer werfen musste, um mein Leben zu retten. In diesem Sack hatte ich alle meine Erinnerungen aus Syrien, Gebetsperlen, ein Kreuz, eine Kette von meinem Bruder, Ohrringe einer Freundin und ein Taschentuch beschrieben von meinem Geliebten.

Sahar Mashar

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Ich heiße Duae und das ist mein Bruder Fadil. Wir sind mit meinem Vater und meiner Mutter aus Homs geflohen und wir sind heil angekommen. Unsere Reise war schön, wir hatten keine Angst vor dem Meer. Das Schwerste an der Reise war das Laufen durch die Wälder. Das Schönste war meine erste Fahrt mit einem Zug. Hier gaben uns die Leute Spielzeuge, Geschenke und viele Sachen. Ich möchte Lehrerin werden. Ich liebe es schöne Dinge zu malen wie Bäume, Vögel und Syrien mit vielen Herzen, Rosen und Kindern, die von der Schule nach Hause zurückkehren.

بدارنة 4

Im Krieg ging mir vieles verloren. Nach dem Tod meines Onkels und meines Freundes fühlte ich mich verzweifelt und beschloss, in die Türkei zu gehen.  Ich arbeitete dort als Holzfäller und in Restaurants, um Reisegeld für die Schmuggler zu sparen, aber meine Ersparnisse reichten dafür nicht aus. Ein Schmuggler war bereit, den Preis zu mindern, wenn ich das Schlauchboot lenken würde. Ich weiß bis jetzt nicht, wie ich das akzeptiert habe und wie solch ein Wunder passieren konnte, dass ich und die übrigen Mitreisenden die Insel ohne Zwischenfall erreicht haben. Als wir Mazedonien erreichten, entschieden ich und acht weitere junge Männer, ohne Reiseführer weiter zu gehen. Es war ein verrückter Gedanke, die Wälder zu Fuß zu durchqueren. Wir liefen zwei Tage ohne anzuhalten und manchmal aßen wir die Blätter der Bäume. Unsere Herzen waren voller Angst, da wir uns stets verlaufen hatten. Wir kannten den Weg nicht, wir kehrten immer wieder zurück und orientierten uns an den Dingen, die Leute vor uns auf der Durchreise zurückgelassen hatten. Wie schön war das, neue Hoffnung zu finden, wenn du Dinge wie Kinderspielzeuge oder Wegweiser in den Bäumen findest.

Alaa Al Malaly

بدارنة 5

Manchmal träume ich davon, dass ich immer noch auf meinem Stuhl in der Schule in Deir es Zor sitze, mit meinen Freunden spiele und meinen Vater bei seiner Arbeit unterstütze. Es brach alles zusammen. Ich verließ die Schule und jetzt bin ich hier alleine, weit weg von meinem Vater, meiner Mutter und meinen drei Geschwistern. Alles, was ich erhalte, sind die Nachrichten meiner Freunde über das Telefon. Sie teilen mir mit, dass dieses Jahr das Eid-Fest ohne mich stattfindet. Mein Name ist Marwan und ich bin 16 Jahre alt. Ich bin jetzt ein syrischer Flüchtling in Berlin. Ich möchte nicht über meine Reise oder das Schiff sprechen, das mich hierhin gebracht hat, oder über die Warteschlangen, die mich an die morgendlichen Warteschlangen in meiner Schule erinnern. Ich möchte über meinen Traum sprechen, ein berühmter Fußballspieler zu werden. Aber vor allem möchte ich als erstes das Gesicht meiner Mutter sehen, wenn ich aufwache.

Marwan Hamid

Aus dem Arabischen übersetzt von Katharina Köll und Hakam Abdulhadi

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