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„Lasst uns froh und munter spenden“

Lanna Idriss.

Alle Jahre wieder spenden die Deutschen zu Weihnachten. Die absolute moralische Allzweckkeule: die christlichen Nächstenliebe, treibt uns vor sich her.

Die Kollekten der Kirchen füllen sich im Rausch der Besinnlichkeit und seit spätestens Anfang Dezember füllen sich unsere Briefkästen mit Spendenaufrufen von UNICEF, SOS Kinderdörfern, Save the Children und Co. Mal lächelt uns freundlich zurückhaltend ein Promi an, mal schaut ein trauriges schwarzes Kind auf dem Boden kauernd von einem der viele Flyer zu uns auf. Wer soll sich diesem emotionalen Frontalangriff entziehen? Und da Hilfsorganisationen offensichtlich wirklich Old School sind, liegt der obligatorische Überweisungsträger stets bei, um der Betroffenheit nicht unnötig viel Zeit zu geben im Verdrängungs-Nirwana zu entschwinden.

Diese Jahr zögere ich etwas länger als sonst. Warum eigentlich? Seit langen schwelt in mir der Verdacht, dass diese Art des Spendens nicht der richtige Weg ist. Die Vermutung, das es hier vorrangig um das Befinden des Spenders geht und ziemlich wenig um die Betroffenen liegt aufgrund der weltweiten Nachrichtenlage zu sogenannten humanitären Katastrophen auf der Hand.

Denn zu Weihnachten geht es um Globale Ablasshandel. Spenden sind eine persönliche Abwägungsfrage und werden oft orchestriert mit der Aussage „Ich möchte etwas zurückgeben“: Ich frage mich dann automatisch „Wem hast Du denn zuvor etwas weggenommen ?“ Und eigentlichen wissen wir das doch alle, es ist ja auch ganz einfach. Das Bedürfnis etwas abzugeben haben wir aufgrund ungleicher Verteilung von Ressourcen und diese sind wiederum der Grund dafür.

Denn zu Weihnachten geht es um Schambekämpfung. Die Scham, die wir empfinden, wenn wir kiloweise Schokolade und Weihnachtsgans vertilgen.

Denn zu Weihnachten geht es um persönliche Glücksmaximierung. Viele begleiten ihr Spenden offen mit dem Kommentar, dass es sie glücklicher macht. HALT! Ja, das mag schon sein, doch darum geht es hier nicht. Teilen und nichts anderes ist Spenden, ist eine Bürgerpflicht und wenn man sich dann noch gut dabei fühlt, in Ordnung. Aber bitte nicht andersherum.

Denn zu Weihnachten geht es um Imagepflege. Es macht sich halt nicht gut bei den Mitmenschen, wenn man rücksichtslos die christliche Weihnachtsgeschichte ignoriert und Kaiser Augustus versucht Konkurrenz zu machen. Selbst Facebook springt auf den Zug auf und bietet seit einiger Zeit die Möglichkeit eine Spendenaktion im sozialen Netzwerk abzurufen. Sozusagen im wortwirtlichen Sinne seines Namens, denn erstmalig ahnen wir, was das „sozial“ im Zusammenhang mit dem Netzwerk eigentlich bedeuten soll.

Und trotz all dieser persönlichen Bedürfnisbefriedigungen geht die Zahl der Spender in Deutschland zurück. Das korreliert nur teilweise übrigens mit dem durchschnittlichen Spendenvolumen, das ging kürzlich wieder leicht nach oben. 20 Mio Menschen in Deutschland haben im Jahr 2017 gespendet, das sind ca. 22% der Gesamtbevölkerung. In 2016 waren es noch 21 Mio Menschen. Experten prognostizieren, das es in diesem Jahr rückläufig sein könnte. Das Jahr 2018 hatte bisher keine ausreichend medienwirksamen Katastrophen.

Spenden dient weder der Schambekämpfung noch der Imagepflege. Teilen ist kein Ablasshandel, und darf es niemals sein. Es ist eine Weltbürgerpflicht und das 365 Tage im Jahr.

DIE REDAKTION EMPFIEHLT:

Mangel an IT Spezialist*innen in Deutschland wächst kontinuierlich

Ein Wort so lang wie der Weg: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz

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