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أرشيف الوسم : Literatur

Grenzüberschreitende Reflektionen über ältere und neue Literaturen der Flucht und des Exils

Von dem Orientalist: Stephan Milich TEIL I Anfang der 1960er Jahre änderte sich die palästinensische Literatur grundlegend. Ghassan Kanafani hatte seinen Kurzroman Männer in der Sonne (Riğāl fī š-shams, 1962/63) veröffentlicht, der im Jahr 1958 spielt, zehn Jahre nach der Vertreibung der Palästinenser aus ihrer Heimat. Der Roman – vielleicht das erste Werk der Weltliteratur, in der die grauenhafte Tragik postmoderner Flucht eine ausreichend drastische Ausdrucksform findet – spielt in Palästina, Jordanien, dem Irak und Kuwait und erzählt die Geschichte von vier Männern. Drei der Männer, die jeweils unterschiedliche Generationen repräsentieren, verlassen aus unterschiedlichen Motiven ihre verlorene Heimat, um in Kuweit ihr Glück zu versuchen – für alle aber bleibt nur die Flucht nach vorne, in die Ungewissheit der Fremde. Der Weg führt alle drei in Basra, im Südirak, zusammen, wo sie einem vierten Palästinenser, der als Lastwagenfahrer für einen reichen Kuweiti arbeitet, begegnen. Dieser bietet ihnen an, sie über die Grenze ins „gelobte Land“ Kuweit zu schmuggeln. Tragischerweise ist dessen Idee, sie bei großer Hitze im leeren Wassertank des Lasters zu transportieren, nicht sehr erfolgversprechend. Weil die kuweitischen Grenzbeamten den Fahrer an der zweiten Grenze mit Witzen und Beleidigungen aufziehen und dieser somit zu viel Zeit verliert, findet der Fahrer nur noch drei austrocknete Leiber im Bauch des Lastwagens, die er schließlich – nicht ohne ihnen zuvor Uhr und Geld abgenommen zu haben – auf die städtische Mülldeponie seiner neuen Heimatgemeinde in Kuweit ‚wirft‘. Im ersten arabisch-israelischen Krieg durch eine Explosion stark traumatisiert, wird der Fahrer durch das Begehen dieser Tat, deren ganzes Ausmaß ihm erst nachträglich bewusst wird, ein zweites Mal traumatisiert – dieses Mal wohl unüberwindbar! während er 1948 durch die Explosion seine Männlichkeit verlor und damit Opfer des Krieges war, ist er mit dieser neuen Tat als Menschenschmuggler, der die Leichen auf den Müllberg wirft, zum Täter geworden, dessen Trauma ...

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Deutschland, die neue Heimat der arabischen Sprache?

Beatrice Gruendler

Von Lilian Pithan. Wer in Deutschland Hocharabisch lernen will, muss dafür an die Universität gehen. Als Wahlfach an Schulen ist die Sprache noch nicht angekommen, auch wenn die klassische Trias Latein-Englisch-Französisch immer stärker aufgebrochen wird. Wenn es nach der Arabistin Beatrice Gründler geht, soll auch das Arabische bald einen festen Platz auf deutschen Lehrplänen einnehmen. Von einem tieferen Verständnis eines vollkommen anderen Sprachsystems könne man nur schließlich profitieren – einmal ganz abgesehen von der beeindruckenden Literatur und Geschichte, die sich über das Arabische erschließen lassen.

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EXILLITERATUR: Lieben vor und nach der Haft

Von Lilian Pithan. Als Dschawad nach 15 Jahren aus den Kerkern des syrischen Geheimdienstes entlassen wird, ist nichts so, wie es sich seine Geliebte Anat vorgestellt hatte. Ein halbes Leben hat sie auf diesen Mann gewartet, der wegen seiner Mitgliedschaft in einer kommunistischen Vereinigung verhaftet worden war. Jahrelang hat sie nur in Briefen mit ihm kommuniziert, die sie in lila Kerzen versteckt, in gefüllte Zucchini gestopft oder in das Futter eines alten Wintermantels eingenäht hat. Während Dschawad in den Händen seiner Folterknechte Höllenqualen erleiden muss, kümmert Anat sich um ihre an Krebs erkrankte Mutter Dschamila und erträgt die weinerlichen Gefühlsausbrüche ihres dichtenden Vaters Hassan.

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EXILLITERATUR: Von der Unschuld des Massengrabs

Von Lilian Pithan. Sprechende Massengräber, abservierte Superhelden und himmelblaue, durchlöcherte Unterhemden: Der neue Band des Lyrikers Hamed Abboud, der unter dem Titel Der Tod backt einen Geburtstagskuchen in der Schweizer edition pudelundpinscher erschienen ist, wimmelt nur so von schrägen Bildern. Abboud, 1987 im syrischen Deir ez-Zor geboren, lebt mittlerweile in Österreich. Von seinen ersten Wochen im Burgenland erzählt er in dem Text „Was wurde aus den Zugvögeln?“, der Szenen aus dem örtlichen Kiosk mit Reflexionen über geografische Entfernungen und Längenverhältnisse vermischt. Das Dorf, das zur neuen Heimat geworden ist, liegt nicht etwa am Ende der Welt, sondern „noch drei Meilen weiter“.

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EXILLITERATUR: Worte für die Liebe, Worte für den Tod

Von Lilian Pithan. Eine lyrische Form zu finden für das Sprechen über Liebe und Begehren war schon immer eine der Hauptbeschäftigungen vieler Dichterinnen und Dichter. So auch im arabischen Raum, der zwar andere Bilder und intertextuelle Verweise in seiner Lyrik transportiert, aber gleichzeitig vertraute Topoi (Liebe – Tod – Gott – Existenz) bearbeitet. In der von Khalid Al-Maaly zusammengestellten Anthologie "Die Flügel meines schweren Herzens", die einen Überblick über die Lyrik arabischer Dichterinnen vom 5. Jh. bis heute gibt, kann man das gut nachlesen. Der Titel leitet sich aus einem Gedicht von Fadwa Tuqan (1917-2003) ab, einer der wichtigsten palästinensischen Lyrikerinnen des 20. Jh.s, die in „Pubertät“ die Zerrissenheit eines jungen Mädchens zwischen zwei Liebhabern schildert.

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Eine Bühne für syrische Autoren

Köln ist bekannt für seine kulturelle Vielfalt. Kein Wunder also, dass es hier mittlerweile auch ein Festival für syrische Literatur gibt. Im Rahmen von „Literatur aus Syrien – Begegnungen in einer neuen Gesellschaft“ wurden Anfang April syrische und deutsche Autoren in die Alte Feuerwache eingeladen. Organisiert wurde die Veranstaltung von dem Archäologen und Aktivisten Jabbar Abdullah, finanziert wurde sie unter anderem von der Stadt Köln. Larissa Bender führte durch das Programm und Firas Lutfi sorgte für die Simultanübersetzung.

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EXILLITERATUR: Niroz Malek

Von Lilian Pithan. Wie schreibt man über den Krieg? Das Grauen des täglichen Mordens in Worte zu fassen, kann ohne Übertreibung als eine Königsdisziplin der Literatur bezeichnet werden. Man mag das militärhistorisch angehen, wie es beispielsweise Leo Tolstoi in "Krieg und Frieden" tut, oder wie Franz Werfel in "Die vierzig Tage des Musa Dagh" eine individualpsychologische Analyse vor dem Tableau eines Völkermords liefern. Oder man konzentriert sich, wie die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozie Adichie in "Half of a Yellow Sun", auf die Geschichten einiger weniger Zivilisten, die die Kriegshandlungen nicht überblicken und deren Leben sinnlos verwüstet wird.

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EXILLITERATUR: Nemat Khaled

Von Lilian Pithan. Nadia liebt Djalal, aber irgendwie will das mit den beiden nicht so richtig klappen. Beide leben im Jarmuk-Camp in Damaskus, das über die Jahre hinweg von einem palästinensischen Flüchtlingslager zu einem normalen Stadtviertel geworden ist. Während ihre Liebe tiefer wird, machen sie Karriere als Journalisten und verwickeln ihre Freunde in politische Diskussionen. Doch Djalal betrügt Nadia mit der gemeinsamen Bekannten Mariam und entschließt sich endlich, Damaskus ganz zu verlassen. Wäre da nicht Hassna, die längst verstorbene Großtante Nadias, hielte diese sicher nicht so lange an ihrer unerfüllten Liebe fest. Hassna spukt durch den gesamten Roman, aber nicht als konventioneller Geist, sondern als Erinnerung oder Geschichte, die Nadia keine Ruhe lässt.

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EXILLITERATUR: Abbas Maroufi

Von Lilian Pithan. Mit was hat es nur alles angefangen? Diese Frage, auf die es eine, keine oder auch hunderte Antworten gibt, treibt Madjid Amani seit Jahren um. Vom Fenster seines Zimmers in einer Aachener Nervenheilanstalt aus beobachtet er in Abbas Maroufis Roman Fereydun hatte drei Söhne die anderen Insassen, schmirgelt in der Werkstatt an einem hölzernen Kerzenständer herum, verreibt Spucke auf seinem Schuh und empfängt seine wenigen verbliebenen Freunde, mit denen er hitzige politische Debatten führt. Madjid, seit vier Jahren in diesem „historischen Winkel“ gefangen, ist nicht irgendwer: In den 1970er-Jahren unterstützt er die iranische Revolution, ist überzeugter Kommunist und für seine flammenden Reden bekannt.

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Die Stimme der Exilliteratur

Von Lilian Pithan. Sind Texte „aus Deutschland“ immer auf Deutsch und von Deutschen geschrieben? Natürlich nicht, möchte man dem Fragesteller lakonisch entgegnen und ihn gleichzeitig für die Einfachheit seiner literarischen Weltanschauung rügen. Doch so simpel, wie die Frage auf den ersten Blick erscheint, ist sie nicht. Auch wenn ein Text „aus Deutschland“ von einer Nigerianerin, einem Jemeniten oder einer Indonesierin auf Englisch, Arabisch oder Bahasa Indonesia verfasst sein könnte, entspricht das doch im globalisierten 21. Jh. immer noch nicht der Erwartung der meisten Leser.

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