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أرشيف الوسم : Krieg

Wie sich meine Mutter am Krieg beteiligte

Hossam Kalaji Schriftsteller aus Syrien. Wenn mich meine Mutter per Whatsapp aus Damaskus anruft, ist ihr erster Satz: “Dein Zimmer sieht bestimmt wieder aus wie eine Müllhalde und du gehst ins Bett ohne Dir vorher die Füße zu waschen.” Bevor ich irgendetwas sagen kann, legt sie nach: “Ich wette, in der Küche stapelt sich das dreckige Geschirr, der Boden ist schon ewig nicht mehr gewischt worden und Deine schmutzigen Kleider liegen überall herum! Ist es so schwer, sie einfach in die Waschmaschine zu stopfen?” Wieder einmal frage ich mich, wie es den Müttern gelingt, inmitten eines schmutzigen Kriegs, inmitten von Nihilismus, so lebensbejahend zu bleiben. Meine Mutter ist eine von Sauberkeit besessene Frau, die mehrmals am Tag die Fensterscheiben wischt. In der Tasche ihrer Schürze befinden sich immer Lappen und Putzmittel, über ihrer Schulter hängt stets ein kleines Handtuch für Notfälle. In allen Lebenslagen verlässt sich meine Mutter auf ihre Nase: Sie riecht an der frisch gewaschenen Wäsche, um sie gegebenenfalls wieder zurück in die Waschmaschine zu werfen. Sie riecht an unseren Köpfen, jeden Morgen und jeden Abend. Als wir Läuse hatten, schor sie uns die Köpfe kahl und sprühte “Piff Paff” darauf, um uns dann, als wir vor Schmerzen durch die Gegend sprangen und uns die Köpfe rieben, aufmunternd zuzurufen: “Halb so wild, so sterben die Läuse!” Als sie einmal im Auftrag meines großen Bruders bei der Familie seiner Angebetenen um ihre Hand anhalten sollte, wollte sie vor dem Haus kehrt machen und zurück nach Hause gehen. Auf dem Rückweg sagte sie ihm: “Eher friert die Hölle zu, als dass Du diese Frau heiratest! Ihr Haus stinkt!” Wenn meine Schwester von der Schule nach Hause kommt, riecht sie an ihren Haaren und beklagt sich dann darüber, dass der Lehrer immer noch im Klassenzimmer raucht. Wenn sie vom Markt zurückkommt, ...

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Syrer klagen gegen Assad-Regime

Von Ramy Al-Asheq. Im März haben sieben syrische Geflüchtete in Deutschland Strafanzeige gegen hochrangige Geheimdienstoffiziere erstattet, die sie für Folterungen während ihrer Gefangenschaft in Syrien verantwortlich machen. Auch wenn die Beschuldigten sich nicht in Deutschland aufhalten und die Kläger keine deutschen Staatsbürger sind, erlaubt deutsches Recht es den Opfern, einen juristischen Prozess anzustreben. Außer den sieben ehemaligen Häftlingen erstatteten noch weitere Personen Strafanzeige, darunter die beiden Rechtsanwälte Anwar Al-Buny und Mazen Darwish, die selbst längere Zeit in syrischen Gefängnissen verbrachten.

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Wie ein Phönix aus der Asche

Von Wafa Sabih. Syrische Frauen haben es noch nie gutgehabt. Im Laufe der Geschichte fegten immer wieder zerstörerische Kriege über ihr Land hinweg. Das erste, was diese Kriege zerstören, sind die Gefühle und Würde der Frauen. Sie werden kaltblütig ermordet, verletzt und missbraucht, verlieren geliebte Menschen, leiden unter Angst, entwickeln psychische Störungen, werden in die Verzweiflung getrieben. Wie kann man heute über die Lebenswirklichkeit syrischer Frauen diskutieren? Kann man überhaupt über economic empowerment sprechen, wenn gleichzeitig Frauen in Gebieten, die außerhalb der Kontrolle des Assad-Regimes liegen, der Tod durch Fassbomben droht?

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Auf meinem Balkon

Mein Haus in Damaskus hatte einen Balkon. Damals, als ich noch ein Haus hatte. Vom Balkon aus konnte man das Zanzalah-Feld sehen, an dessen Ende eine große Pappel wuchs. Dahinter war ein Hügel, auf dem eine Kaserne gebaut wurde. Hinter beiden ging der Mond auf und ich beobachtete jede Nacht, wie er ruhig über das Firmament wanderte. Von der Kaserne auf dem Hügel aus wurden jede Nacht Granaten abgefeuert. Sie trafen den Mond nicht, sondern stürzten auf den Balkon eines Hauses.

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EXILLITERATUR: Hamid Sulaiman

Hamid Sulaiman

Von Lilian Pithan. In Houria an der syrisch-türkischen Grenze tobt der Krieg. Das Regime von Baschar Al-Assad lässt die kleine Stadt bombardieren, die Freie Syrische Armee formiert sich im Umland und irgendwann tauchen auch noch Dschihadisten auf. Yasmin, die Hauptfigur in Hamid Sulaimans Comic Freedom Hospital, gibt trotzdem nicht auf. Gegen alle Widerstände versucht sie, ihr Krankenhaus am Laufen zu halten, in dem Kurden und Araber, Sunniten und Christen, Regime- und Revolutionsgegner aufeinandertreffen. Immer wieder wird das Krankenhaus zerstört, immer wieder bauen Yasmin und ihr Team es auf. Unerschütterlich in ihrem Glauben, dass die Tage des Regimes gezählt seien.

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Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt

Das sind glückliche Zeiten! Täglich verlasse ich das Haus in Begleitung meiner neuen Freundin. Ich sage nicht „meiner Besitzerin“, denn unsere Beziehung geht über das „Besitzen“ oder das „jemandem Gehören“ hinaus. Aber ich habe mich noch gar nicht vorgestellt: Ich bin das Fahrrad von Reem. Vielleicht hat sie mich zu ihrer Freundin gemacht, weil sie in einem norddeutschen Städtchen ohne regelmäßige Bus- und Bahnverbindung lebt. Gemeinsam können wir in einer Stunde jedes Eckchen von Lübtheen erreichen!

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Isabel Eichenlaub: In der Sprache der Musik gibt es keine Missverständnisse

Isabel Eichenlaub

Von Abd Alrahman Alqalaq. Isabel Eichenlaub ist nicht nur eine Musikerin, die außergewöhnliche Ausdrucksformen findet, sondern auch eine Cellistin, durch deren Spiel man die tiefe Bedeutung der Musik erleben kann. Besonders deutlich zeigt sich das, wenn sie in Schifferstadt den luxuriösen Orchestersaal verlässt, um Konzerte mit Geflüchteten und für Geflüchtete zu machen.

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In den Tiegel geschaut

Von Farah Youssef. Für jede junge Frau kommt irgendwann die Zeit, in der sie ihr kosmetisches Können unter Beweis stellen muss. Dann wird sie den Nutzen all der Video-Tutorials erkennen, die sie angesehen, aber nicht in die Tat umgesetzt hat. Aus welchem Anlass aber wird eine junge Frau wie ich dicke Schichten von Make-Up tragen, um einen „natürlichen Look“ vorzugaukeln? Habe ich dir nicht gesagt, dass ich fünf Kriegsjahre mit all ihrem Schrecken durchlebt und mein Make-Up zweimal in Trauer entfernt habe? Gut, dann werde ich es dir jetzt sagen: Ich bin Farah, habe fünf Kriegsjahre mit all ihrem Schrecken durchlebt und mein Make-Up zweimal in Trauer entfernt. Und jetzt lass uns wieder zum Thema kommen.

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Geteilte Meinungen, getrennte Wege

Von Ramy Al-Asheq. In einem abgeschiedenen Dörfchen am Rhein lebt eine syrische Familie: Mutter, Vater und Tochter. Überall herrscht Ruhe. Unterhalb des Hauses erstreckt sich der Pferdehof der deutschen Familie, bei der sie wohnen. Dieser Ort vermittelt einen Eindruck von Ruhe und Geborgenheit. Überall ist es grün, das Haus ist mit Sorgfalt gepflegt. In der Bibliothek gleich hinter der Haustür hängen alte Bilder. In dieser Umgebung strahlt Abdallah Gelassenheit aus, wenn er lächelnd von seinen Erlebnissen auf dem Weg nach Deutschland erzählt, von seinem Leben hier und seinem Traum, seiner Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen. Sumaya kam erst neun Monate nach ihrem Ehemann, zusammen mit der gemeinsamen Tochter Julia, im Rahmen einer Familienzusammenführung nach Deutschland. Die Spuren dieser Mühen lassen sich deutlich auf Sumayas Gesicht ablesen. Ihre Stimme ist leise und man spürt die Schlaflosigkeit, unter der sie noch immer leidet. Sumaya spricht nicht darüber, wie sehr sie die Ruhe dieses Ortes und eigentlich alles hier stört. Für sie ist dieses erste Jahr in Deutschland eine Zeit der Erholung und des Nachdenkens, des Neuaufbaus und der Zukunftsplanung. Gleichzeitig aber auch der gemeinsamen Sorge für Julia, die bald in den Kindergarten gehen soll. Außerdem kann Sumaya hier beginnen, Deutsch zu lernen.

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