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أرشيف الوسم : Exilliteratur

EXILLITERATUR: Lieben vor und nach der Haft

Von Lilian Pithan. Als Dschawad nach 15 Jahren aus den Kerkern des syrischen Geheimdienstes entlassen wird, ist nichts so, wie es sich seine Geliebte Anat vorgestellt hatte. Ein halbes Leben hat sie auf diesen Mann gewartet, der wegen seiner Mitgliedschaft in einer kommunistischen Vereinigung verhaftet worden war. Jahrelang hat sie nur in Briefen mit ihm kommuniziert, die sie in lila Kerzen versteckt, in gefüllte Zucchini gestopft oder in das Futter eines alten Wintermantels eingenäht hat. Während Dschawad in den Händen seiner Folterknechte Höllenqualen erleiden muss, kümmert Anat sich um ihre an Krebs erkrankte Mutter Dschamila und erträgt die weinerlichen Gefühlsausbrüche ihres dichtenden Vaters Hassan.

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EXILLITERATUR: Von der Unschuld des Massengrabs

Von Lilian Pithan. Sprechende Massengräber, abservierte Superhelden und himmelblaue, durchlöcherte Unterhemden: Der neue Band des Lyrikers Hamed Abboud, der unter dem Titel Der Tod backt einen Geburtstagskuchen in der Schweizer edition pudelundpinscher erschienen ist, wimmelt nur so von schrägen Bildern. Abboud, 1987 im syrischen Deir ez-Zor geboren, lebt mittlerweile in Österreich. Von seinen ersten Wochen im Burgenland erzählt er in dem Text „Was wurde aus den Zugvögeln?“, der Szenen aus dem örtlichen Kiosk mit Reflexionen über geografische Entfernungen und Längenverhältnisse vermischt. Das Dorf, das zur neuen Heimat geworden ist, liegt nicht etwa am Ende der Welt, sondern „noch drei Meilen weiter“.

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EXILLITERATUR: Worte für die Liebe, Worte für den Tod

Von Lilian Pithan. Eine lyrische Form zu finden für das Sprechen über Liebe und Begehren war schon immer eine der Hauptbeschäftigungen vieler Dichterinnen und Dichter. So auch im arabischen Raum, der zwar andere Bilder und intertextuelle Verweise in seiner Lyrik transportiert, aber gleichzeitig vertraute Topoi (Liebe – Tod – Gott – Existenz) bearbeitet. In der von Khalid Al-Maaly zusammengestellten Anthologie "Die Flügel meines schweren Herzens", die einen Überblick über die Lyrik arabischer Dichterinnen vom 5. Jh. bis heute gibt, kann man das gut nachlesen. Der Titel leitet sich aus einem Gedicht von Fadwa Tuqan (1917-2003) ab, einer der wichtigsten palästinensischen Lyrikerinnen des 20. Jh.s, die in „Pubertät“ die Zerrissenheit eines jungen Mädchens zwischen zwei Liebhabern schildert.

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EXILLITERATUR: Niroz Malek

Von Lilian Pithan. Wie schreibt man über den Krieg? Das Grauen des täglichen Mordens in Worte zu fassen, kann ohne Übertreibung als eine Königsdisziplin der Literatur bezeichnet werden. Man mag das militärhistorisch angehen, wie es beispielsweise Leo Tolstoi in "Krieg und Frieden" tut, oder wie Franz Werfel in "Die vierzig Tage des Musa Dagh" eine individualpsychologische Analyse vor dem Tableau eines Völkermords liefern. Oder man konzentriert sich, wie die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozie Adichie in "Half of a Yellow Sun", auf die Geschichten einiger weniger Zivilisten, die die Kriegshandlungen nicht überblicken und deren Leben sinnlos verwüstet wird.

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EXILLITERATUR: Hamid Sulaiman

Hamid Sulaiman

Von Lilian Pithan. In Houria an der syrisch-türkischen Grenze tobt der Krieg. Das Regime von Baschar Al-Assad lässt die kleine Stadt bombardieren, die Freie Syrische Armee formiert sich im Umland und irgendwann tauchen auch noch Dschihadisten auf. Yasmin, die Hauptfigur in Hamid Sulaimans Comic Freedom Hospital, gibt trotzdem nicht auf. Gegen alle Widerstände versucht sie, ihr Krankenhaus am Laufen zu halten, in dem Kurden und Araber, Sunniten und Christen, Regime- und Revolutionsgegner aufeinandertreffen. Immer wieder wird das Krankenhaus zerstört, immer wieder bauen Yasmin und ihr Team es auf. Unerschütterlich in ihrem Glauben, dass die Tage des Regimes gezählt seien.

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EXILLITERATUR: Abbas Maroufi

Von Lilian Pithan. Mit was hat es nur alles angefangen? Diese Frage, auf die es eine, keine oder auch hunderte Antworten gibt, treibt Madjid Amani seit Jahren um. Vom Fenster seines Zimmers in einer Aachener Nervenheilanstalt aus beobachtet er in Abbas Maroufis Roman Fereydun hatte drei Söhne die anderen Insassen, schmirgelt in der Werkstatt an einem hölzernen Kerzenständer herum, verreibt Spucke auf seinem Schuh und empfängt seine wenigen verbliebenen Freunde, mit denen er hitzige politische Debatten führt. Madjid, seit vier Jahren in diesem „historischen Winkel“ gefangen, ist nicht irgendwer: In den 1970er-Jahren unterstützt er die iranische Revolution, ist überzeugter Kommunist und für seine flammenden Reden bekannt.

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