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أرشيف الوسم : Deutschland

Eine Buchmesse ohne syrische Literatur

Von Ramy Al-Asheq. Im Oktober hatte ich das Privileg, an der Frankfurter Buchmesse teilzunehmen, der größten der Welt. Ich war zusammen mit 18 Autoren und Schriftstellern eingeladen worden, die alle an einer Anthologie in deutscher Sprache mit dem Titel "Weg sein, hier sein" (Secession Verlag) beteiligt waren. Siebzehn von uns kamen aus Syrien, dazu eine iranische Lyrikerin und ein jemenitischer Lyriker.

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Geteilte Meinungen, getrennte Wege

Von Ramy Al-Asheq. In einem abgeschiedenen Dörfchen am Rhein lebt eine syrische Familie: Mutter, Vater und Tochter. Überall herrscht Ruhe. Unterhalb des Hauses erstreckt sich der Pferdehof der deutschen Familie, bei der sie wohnen. Dieser Ort vermittelt einen Eindruck von Ruhe und Geborgenheit. Überall ist es grün, das Haus ist mit Sorgfalt gepflegt. In der Bibliothek gleich hinter der Haustür hängen alte Bilder. In dieser Umgebung strahlt Abdallah Gelassenheit aus, wenn er lächelnd von seinen Erlebnissen auf dem Weg nach Deutschland erzählt, von seinem Leben hier und seinem Traum, seiner Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen. Sumaya kam erst neun Monate nach ihrem Ehemann, zusammen mit der gemeinsamen Tochter Julia, im Rahmen einer Familienzusammenführung nach Deutschland. Die Spuren dieser Mühen lassen sich deutlich auf Sumayas Gesicht ablesen. Ihre Stimme ist leise und man spürt die Schlaflosigkeit, unter der sie noch immer leidet. Sumaya spricht nicht darüber, wie sehr sie die Ruhe dieses Ortes und eigentlich alles hier stört. Für sie ist dieses erste Jahr in Deutschland eine Zeit der Erholung und des Nachdenkens, des Neuaufbaus und der Zukunftsplanung. Gleichzeitig aber auch der gemeinsamen Sorge für Julia, die bald in den Kindergarten gehen soll. Außerdem kann Sumaya hier beginnen, Deutsch zu lernen.

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Verlieb dich nicht in einen Flüchtling

Von Fady Jomar. Verlieb dich nicht in einen Flüchtling. Seine Taschen sind vollgepackt mit den Schlüsseln der Wohnstätten seiner Reise. Es ist kein Platz darin für Leckereien oder Ringe. Seine Gesichtszüge wirst du erst entziffern können, wenn du das Kartenlesen beherrschst. Wenn du glaubst, er lache, ist das doch nur das Echo der Granaten. Sein Schweigen, das Weisheit ausströmt, ist der Horror der Alarmbereitschaft, in der er sich befand, als die Kugel des Scharfschützen ihr Ziel verfehlt hatte. Seine argwöhnische Gedankenlosigkeit ist die nächste Kugel des Scharfschützen, die ihn am Auge verletzte, als er einem Laib Brot nachjagte. Sein Stottern, das dich zum Lachen bringt, wenn er versucht, dir etwas zu sagen, sind die Wiegenlieder, die Großmütter in seinem Land sangen und die er in- und auswendig kennt. Er trägt sie tief in seinem Herzen. Oder zumindest in dem, was von seinem Herzen geblieben ist. Seine dunkle Haut, die immer blasser wird, verzehrt sich nach der Sonne, deren zärtliche Berührung die unzähligen Narben, die er nun trägt, nicht mehr zu heilen vermag.

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Ein Leben für die Laute

Von Ramy Al-Asheq. Der Komponist und Oud-Spieler Nabil Arbaain aus Syrien ist mit der ebenfalls aus Syrien stammenden Musikerin Helen Meerkhan verheiratet. Seine Frau studiert zurzeit in Portugal. Sechs Jahre lang war er in der Damaszener Kunstszene mit seiner Firma Kheima, was auf Deutsch „Zelt“ bedeutet, aktiv. Kheima half jungen, am Beginn ihrer Karriere stehenden Musikern, Kontakte zu knüpfen, um Bands zu gründen und Probenräume oder Bühnen für ihre Auftritte zu finden. Auch für die Produktion von Musikalben und deren Vertrieb in Syrien und im Ausland setzte Kheima sich ein. Nach einem Studium am Arabischen Institut für Musik in Damaskus setzte Arbaain seine Ausbildung bei so bedeutenden Lehrern wie Askar Ali Akbar, einem berühmten Oud-Lehrer an der Hochschule für Musik, fort. Die Oud ist eine arabische Laute, die im Nahen Osten, aber auch in der Türkei und dem Iran sehr verbreitet ist. Arbaain spielte zusammen mit verschiedenen Gruppen in Syrien, wie zum Beispiel mit Djaoua, die sich auf orientalische Musik und musikalische Balladen spezialisiert hat. Arbaain war ebenfalls Mitglied des Orchesters von Professor Adnan Al-Nablusi, das vor allem klassische Musik spielt. Außerdem gab er syrischen und ausländischen Schülern Oud-Unterricht.

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Frauen auf dem Arbeitsmarkt

Die Genderproblematik ist in allen Ländern gleich, egal welchen Platz sie in der internationalen Rangordnung einnehmen. Frauenrechte sind schließlich universell und nicht auf bestimmte Länder beschränkt, wie einige derjenigen glauben, die sich mit Personalentwicklung, der gesellschaftlichen Stellung von Frauen und Geschlechterdiskriminierung beschäftigen. So mancher gibt sich der Illusion hin, dass fortgeschrittene Länder mit einem hohen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungsstand die Diskriminierung zwischen den Geschlechtern bereits vollständig überwunden hätten. Doch die Realität sieht anders aus. Die Idee, diesen Artikel zu schreiben, kam mir, als ich im April an einer Konferenz in Luckenwalde in Brandenburg teilnahm, die sich mit der Situation von Flüchtlingen und den Problemen der Integration beschäftigte. Viele Entscheidungsträger des Bundeslandes und der Regierung waren anwesend. Dazu kam eine interessante Gruppe von Vertretern zivilgesellschaftlicher Einrichtungen, speziell solcher, die Flüchtlingen Dienstleistungen und Unterstützung anbieten. Die Diskussionen und Gespräche an insgesamt zehn runden Tischen zu jeweils einem bestimmten Thema mündeten in Empfehlungen und Vorschlägen. Zufällig war ich an dem Tisch gelandet, der sich dem Thema „Kinderkrippen und -gärten – Herausforderungen und Schwierigkeiten“ und allem, was damit zu tun hat, widmete.

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Brief an meine deutsche Freundin: Warum ich Deutschland hasse

Liebe Anke, du hast mir einen tadelnden Brief geschickt, in dem du mich erstaunt fragst: „Warum hasst du Deutschland so, Walaa? Ich lese deine Beiträge auf Facebook, von denen der elektronische Übersetzer das meiste nicht übersetzen kann. Aber das, was ich von den ironischen Texten und Fotos verstanden habe, macht mir deine große Freude über die Niederlage der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der vergangenen Europameisterschaft deutlich.” Dein Brief hat mich anfangs verwundert, aber nach kurzer Zeit fiel mir ein, dass ich dir einiges über uns erzählen muss. Über uns aus dem Nahen Osten – oder insbesondere aus Syrien, um diese Unklarheit gleich auszuräumen. Du sollst wissen, meine Liebe: Ich hasse Deutschland nicht und die Deutschen natürlich auch nicht. Ich bin viel zu einfach gestrickt, um wirklich zu hassen. Selbst wenn ich wütend bin, dann ist diese Wut gegen jede Demütigung, die ich erlebe oder beobachte, gerichtet. Das ist meine Art, mit all den Konflikten, die aus der Einteilung von Menschen in Dualismen resultieren, umzugehen: Weiß und Schwarz, Ost und West, Gastgeber und Flüchtling… Ich werde sogar wütend, wenn ich mit meinen Landsleuten über die Lage in unserem Land streite. Die ganze Welt ist darin verwickelt und richtet ein Blutbad an, das wirklich schockierend ist. Und das mich dazu veranlasst, das heutige Datum nachzuprüfen, um mich zu vergewissern, dass wir nicht im Mittelalter leben! Obwohl ich erst vor Kurzem einen datierten Brief erhalten habe, muss ich den Zeitpunkt überprüfen.

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Wie säkular ist der deutsche Staat?

Von Lilian Pithan. Als sich im Juli ein Abiturient der Kurt-Tucholsky-Schule in Hamburg weigerte, seiner Lehrerin die Hand zu geben, und dies mit seinem muslimischen Glauben begründete, ging es in den deutschen Medien einige Tage lang hoch her. Debattiert wurde über Höflichkeit und Frauenrechte, den Respekt vor religiösen Werten und die Rolle des Islam in Deutschland. Politisiert wurde die Debatte vor allem durch den Umstand, dass der Konflikt an einer deutschen Schule stattfand. Diese seien staatliche Einrichtungen und der deutsche Staat sei säkular. Religion habe dort also nichts zu suchen, argumentierten einige. Ganz so einfach lässt sich die „Handschlag-Debatte” aber nicht auflösen: Schließlich findet deutschlandweit an staatlichen Schulen Religionsunterricht staat. Die CDU trägt als große deutsche Volkspartei das „Christliche” im Namen. Und wer beim Finanzamt als Mitglied der katholischen oder evangelischen Kirche gemeldet ist, muss jedes Jahr Kirchensteuer zahlen.

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Antwort auf Isabel Schayani: Die Integration ist ein Bedürfnis und kein Angebot

Von Ramy Al-Asheq. Ich möchte mich zunächst bei Isabel Schayani für ihre Gegenrede bedanken, weil sie einen Raum für Dialog eröffnet. Wie wir alle wissen, liegt die Wahrheit in der Mitte. Ich möchte darauf hinweisen, dass ich Frau Schayani respektiere und Freundschaft für sie empfinde. Trotz unserer Meinungsverschiedenheiten haben wir keine persönlichen Differenzen. Jedoch ist mir klar, dass es viele Punkte in meinem Artikel gibt, die falsch interpretiert wurden. Deshalb werde ich die problematischen Punkte noch einmal erklären. Weiterhin werde ich versuchen, Frau Schayani auf die Fehler in ihrer Gegenrede aufmerksam zu machen. Doch zuerst möchte ich mich entschuldigen, dass meine Antwort zu spät kam. Dies liegt daran, dass Frau Schayani ihre Gegenrede auf Deutsch geschrieben und sie zusammen mit meinem aus dem Arabischen übersetzten Artikel veröffentlicht hat. So habe ich ihre Gegenrede erst kürzlich lesen können.

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Gegenrede: Integration ist ein ehrliches Angebot

"Diese Integration ist eine große Lüge", lese ich im Titel, und der erlaubt es mir nicht, zu diesem Text zu schweigen. Denn diese Aussage ist meiner Meinung nach nicht nur falsch, sie ist vor allem kontraproduktiv. Vorweg muss ich sagen, dass ich die Gedanken und Texte von Ramy Al-Asheq schätze. Nicht nur, weil er, der Dichter, Schreiber, Poet und Macher, mal eben, kaum in Deutschland, aus dem Nichts eine arabische Zeitung gegründet hat (ABWAB) und vielen seiner Kollegen damit ein Forum und eine Stimme gegeben hat, sondern auch, weil ich seine Beobachtungen hier in Deutschland oft kritisch und geistreich und mithin anregend finde.

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Warten auf den Gang zur Wahlurne

Von Fady Jomar. Parlamentswahlen oder, wie sie in Syrien hießen, „Wahlen zum Volksrat“, waren niemals etwas, dem der einfache Bürger des Landes besonderes Interesse schenkte. Denn über die Jahrzehnte setzte sich bei ihm die Überzeugung fest, dass die Wahlsieger schon feststanden, bevor die Kandidaten überhaupt gekürt waren, und dass diese dann lediglich als Claqueure für „historische Reden“ dienten. Keiner von ihnen hätte in der schlechten Lebenslage der Syrer je etwas vorangebracht oder verlangsamt. Der Wahlkampf, sofern er diese Bezeichnung überhaupt verdiente, bestand lediglich aus Lobgesängen, Redefestivals und Trommelwirbel. Der Wähler in Syrien bekam niemals ein tatsächliches Wahlprogramm oder klare Pläne konkurrierender Kandidaten vorgelegt, um eine seinen Überzeugungen und Interessen entsprechende Wahl treffen zu können.

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