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أرشيف الوسم : Deutschland

Wie es eine syrische Frau schaffte, trotz vieler Schwierigkeiten ein erfolgreiches Business in Deutschland aufzubauen

Wie es eine syrische Frau schaffte, trotz vieler Schwierigkeiten ein erfolgreiches Business in Deutschland aufzubauen Salma Al-Aramchi ist eine Frau aus Damaskus, die ihren Weg in Berlin gefunden hat und es nach großen Anstrengungen mit ihren beiden Kindern geschafft hat, eine bemerkenswerte Präsenz in Berlin zu erzielen. Sie kam im Jahr 2012 nach Deutschland, lernte die deutsche Sprache und ließ Ihre Bachelorurkunde in Wirtschaftswissenschaften in Deutschland anerkennen. Danach hat sie sich für viele Jobs in ihrer Spezialisierung beworben, aber ihr Alter war stets ein Hindernis, da die meisten Arbeitgeber jüngere Menschen präferieren.  Zu der Zeit gab es für Neuankömmlinge in Deutschland wenig Hilfs- und Integrationsprogramme, im Vergleich zurzeit nach 2015. So machte sie ein Training und unterrichtete die deutsche Sprache im Rahmen eines Alphabetisierungsprogrammes für Einwanderer, die keine Kenntnisse von lateinischen Buchstaben hatten. Im Rückblick auf ihre persönliche Situation und weil sie unabhängig und auch erfolgreich sein wollte, entschied sich ihren weiteren Weg in der Gastronomie zu suchen. Sie war eine der ersten Frauen, die ein Projekt zur Einführung der syrischen Küche in Deutschland mit sehr positiver Resonanz etabliert hat. Heute finden wir “Jasmin Catering” auf vielen Berliner Events, hier wird die syrische Küche auf sehr elegante Weise präsentiert. Ein weiterer wichtiger Punkt von Salmas Engagement ist, dass sie vielen neuen Einwanderern mittleren Alters eine Arbeitschance bietet. Denn die Schwierigkeiten, mit denen diese Menschen bei der Arbeitssuche konfrontiert sind, kennt sie selber. Das Alter und die Herausforderung in dem Alter, eine neue Sprache zu lernen, stellen für viele Menschen unüberwindbare Hindernisse dar. Ihren ersten Auftrag hatte sie von einer gemeinnützigen Organisation als Freelancer erhalten. Danach erhielt sie unerwartet weitere Anfragen von Botschaften, Ministerien sowie internationalen Unternehmen wie Facebook, Zalando und Mercedes Benz. Die wachsende Anzahl Aufträge bewegte Salma dazu, in Berlin ein Gewerbe anzumelden. Ihre Firma war erfolgreich in Berlin ...

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Rezession in Deutschland – Wie sieht die Zukunft Deutschlands aus?

Maik D. Krützner. Student in Medien- und Kommunikationsmanagement Rezession in Deutschland – Wie sieht die Zukunft Deutschlands aus? Wer sich auch nur im Ansatz für Wirtschaft interessiert wird in den letzten Wochen an den unzähligen Artikeln und Nachrichten über das Bruttoinlandsprodukt nicht vorbeigekommen sein. Auch der nicht an Wirtschaft interessierte Bürger konnte den ständigen Prognosen und Analysen von Wirtschaftswissenschaftlern, und denen die es gerne wären, über die anstehende Rezession in Deutschland nicht entfliehen. Aber worum geht es bei der Thematik eigentlich? Und wie schätzen junge Deutsche die Zukunft ihrer Wirtschaft ein? Nun haben vor wenigen Tagen der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, auch Wirtschaftsweise genannt, und das Statistische Bundesamt bestätigt dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozent gestiegen ist und die deutsche Wirtschaft somit einer technischen Rezession entgeht.  Trotz der abgewendeten Krise bedeutet das nicht dass die deutsche Wirtschaft keine Probleme hat. Denn die Gründe für den wirtschaftlichen Abschwung der letzten Jahre bestehen immer noch und wenn wir uns nicht genau mit dem Thema befassen kann es sein dass wir eine Rezession nicht verhindert, sondern nur weiter nach hinten verschoben haben. Ein riesiges Problem welches die deutsche Wirtschaft belastet ist der Fakt dass unsere Wirtschaft massiv auf unserem Exportvolumen aufbaut. Auf internationaler Ebene werden die Bedingungen nach denen wir mit anderen Staaten Handel treiben immer ungewisser. Die USA und China verhängen gegenseitig Strafzölle, Donald Trump attackiert mit Strafzöllen die deutsche Autoindustrie und die zukünftigen Handelsbeziehungen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien sind heutzutage genauso unklar wie bereits vor zwei Jahren. All diese Dinge belasten deutsche Firmen deren Geschäfte auf möglichst unkomplizierten Export basieren. Ein weiteres Problem ist die oft verfluchte Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Kurz zusammengefasst: Seit der Wirtschaftskrise von 2007-2009 ist der Leitzins der EZB immer weiter auf mittlerweile fast ...

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Die Geflüchteten und die neue Heimat

Souad Abbas, Chefredakteurin Die sich überschlagenden Neuigkeiten von Aufständen im Irak, im Libanon, in Chile und neuerdings im Iran halten die nicht nur die Syrer, sondern die Gesamtheit der arabischen Geflüchteten in Atem. Hinzu kommt noch die türkische Aggression im Nordosten Syriens, dessen Territorium und Luftraum schon lange von ausländischen Streitkräften nach Belieben missbraucht wird.  Wegen dieser intensiven Beschäftigung mit internationaler Politik nehmen viele Geflüchtete die innenpolitischen Entwicklungen in ihren Aufnahmeländern kaum war, was angesichts der Schwierigkeiten, die ein Neubeginn in der Fremde mit sich bringt, wenig verwunderlich ist. Hiermit ist nicht nur die gängige Interpretation von “Integration” gemeint, also der Spracherwerb und das Finden einer Arbeitsstelle und einer Wohnung samt des damit einhergehenden bürokratischen Rattenschwanzes. Die wirklich relevante Frage verbirgt sich hinter dem Begriff “Ersatzheimat”: Wie kann unser Zugehörigkeitsgefühl zu diesem Zufluchtsort so sehr wachsen, dass er zur Heimat wird, wenn wir unsere Interaktion mit ihr auf das Nötigste beschränken? In den letzten Monaten wurde für Deutschland, das unter allen europäischen Ländern die meisten Syrerinnen und Syrer aufgenommen hat, mehrfach eine Rezession prognostiziert. Zum ersten Mal seit fast einem Jahrzehnt soll die deutsche Wirtschaft schrumpfen, hauptsächlich wegen des Brexits und der anhaltenden Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China, die sich negativ auf den Exportsektor auswirken. Hinzu kommen die nicht enden wollenden Verwerfungen in der großen Koalition, wie sie Deutschland seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt hat, welche einer effektiven Wirtschaftspolitik im Weg stehen, die zu eine rasche Erholung der Märkte beitragen könnte. Die jüngsten Prognosen haben die Angst vor einer Rezession zerstreut, ohne jedoch Hoffnungen auf eine baldige wirtschaftliche Erholung zu schüren. Wer sich vor Kurzem in Deutschland niedergelassen hat, sollte diesen Nachrichten die gebührende Aufmerksamkeit schenken, denn jeder wirtschaftliche Abschwung wird sich direkt auf ihre Leben auswirken, wie auch auf das Leben aller anderen Bewohner des Landes ...

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Geflüchtete und Sexualverbrechen in Deutschland: Ursachen und Lösungsstrategien

Dr. Hani Harb* In den letzten Wochen erreichten uns schockierende Nachrichten über Asylbewerber aus unterschiedlichen Ländern, die beschuldigt werden, Verbrechen begangen zu haben. Darunter sind Iraker, Syrer und Afghanen. Natürlich gossen die deutschen Medien Öl ins Feuer und berichteten über diese Verbrechen in einer Ausführlichkeit, die nahelegt, dass diese ein repräsentatives Bild der Geflüchteten und Migranten in Deutschland zeichnen. Diese Fokussierung der Medien auf Verbrechen, insbesondere Sexualverbrechen, die von Geflüchteten begangen werden, ist nicht neu. Hierbei handelt es sich um ein weltweit zu verzeichnendes gesellschaftliches Phänomen. Insbesondere rechte Medien verweisen stets auf den Zusammenhang zwischen der Zunahme von Sexualverbrechen und der erhöhten Anzahl an Geflüchteten und Migranten, die sich in Deutschland befinden. Diese Angelegenheit lässt sich aus zwei Perspektiven betrachten. Ein Frauenbild von vorgestern Einerseits ist da das Frauenbild, das Migranten mit nach Deutschland gebracht haben. Für einen gewissen Anteil von ihnen ist der weibliche Körper ein Tabu und schambehaftet, er muss also verdeckt werden, oder er wird als Ware betrachtet, die man kauft und verkauft. Ein Anzeichen dafür ist der Anstieg des Brautpreises, der in Extremfällen mehr als dreißigtausend Euro betragen haben soll. Von heute auf morgen kann dieser kulturelle Hintergrund nicht ausgelöscht werden. Weder mit Integrationskursen europäischer Prägung noch mit Sensibilisierungsvorträgen kann man diesen Teil der Geflüchteten erreichen. Vielmehr ist es notwendig, die in Deutschland gängigen pädagogischen Methoden an die Denkstrukturen der Zielgruppe anzupassen, ohne sie alle über einen Kamm zu scheren. Diese Form der gezielten Ansprache ist nötig, denn täglich wird in Facebook-Gruppen, in denen Geflüchtete sich treffen, dutzendfach dazu aufgerufen, die Regeln des Islams in Deutschland zu verankern, oder die eigenen Kinder von einer als verdorben empfundenen westlichen Gesellschaft abzuschotten. Die Rolle der Politik Die andere Seite der Medaille ist die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung: Viele Geflüchtete hatten noch keine Gelegenheit, mit der deutschen Gesellschaft in Kontakt ...

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Schule als Ort der Integration: Teil 1

Von Erhard Brunn*  Für sehr viele junge Menschen könnte sich das Thema Integration in der Schule entscheiden. Die Erfahrungen mit deutschen Schulen sind für Menschen, die selber oder deren Familien erst in den letzten Jahren nach Deutschland kamen, natürlich sehr unterschiedlich. Erhard Brunn berichtet in dieser und den zwei folgenden Ausgaben von ABWAB über seine Erfahrungen. Schule als große Chance Manche in den letzten Jahren aus Syrien geflohene Journalisten beschrieben mir schon 2016, wie leicht Kinder Anschluss in der Schule fänden. Ich fasste die Erfahrungen in meinem Buch über Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer aus dem letzten Jahr zusammen. Amloud Alamir schrieb darüber schon zuvor im Herbst 2016 im „Tagesspiegel“, Yahya Alaous in der „Süddeutschen Zeitung“ über die eigenen Kinder und Mahmoud Serhan im „Handelsblatt“ darüber, was er auf der Straße beobachtete. Amloud Alamir beschrieb, wie ihr Sohn auf einem Schulfest auf dem Klavier ein Stück klassischer Musik vortrug. Die Auswahl des Stückes (Beethovens „Für Elise“) habe wohl auch mit der Zuneigung zu einer Mitschülerin zu tun gehabt. Yahya Alaous erzählte schon damals, wie schnell seine Tochter deutsche Freundinnen in der Schule gefunden hätte und sich dort sehr wohl zu fühlen schien. Sie habe auch schnell Deutsch gelernt. Und Mahmoud Serhan zeigte sich in einem Artikel für das Handelsblatt berührt und für die Zukunft ermutigt, wenn er beobachtete, wie schnell Kinder auf der Straße miteinander in Kontakt kamen und Freundschaft zu schließen schienen. Sie schienen „Kriegstraumata“ Stück für Stück spielend zu überwinden. War dies alles zu schön, um wahr zu sein? Zumindest sind es gute, ermutigende Einstiegserfahrungen, die manche hatten. Aber diese Erfahrungen sind natürlich nicht überall gleich und nicht überall gut. Schwierigkeiten gab es aber auch schon über Jahrzehnte mit den Kindern vieler, die als sogenannte „Gastarbeiter“ vor 40-50 Jahren z.B. aus Marokko oder der Türkei nach Deutschland kamen, um hier ...

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Deutschland: Eine alternative Heimat

Dr. Hani Harb. Forscher an der Harvard Universität, USA. Ehemaliger Forscher an der Philipps-Universität Marburg, Deutschland. Letztes Jahr Weihnachten fiel mir eine kleine Hütte in der Mitte des Weihnachtsmarktes auf. Die angebotenen syrischen Speisen, ihre Farben und Gerüche unterschieden sich von den anderen Ständen. Nichtsdestotrotz stellten sich die Leute an, um syrischen Hummus und Ful mit Kreuzkümmel und Zitronensaft zu kosten. Meine Vorstellungen ließen mich an die Altstadt von Damaskus denken, diese älteste aller Städte, die ich vor mehr als 17 Jahren verlassen hatte, um meine Träume zu verwirklichen. Heute sehe ich neue Einwanderer, die aus der ganzen Welt und vor allem aus Syrien nach Deutschland gekommen sind, um hier ein neues Leben zu beginnen. In einem Land, das sie eines Tages „Heimat“ (watan) nennen werden.   Was ist Heimat?  Laut einem arabischen Wörterbuch bezeichnet „Heimat“ den Wohn- und Aufenthaltsort einer Person. Die Zugehörigkeit zu einer Heimat ist unabhängig davon, ob die Person dort geboren wurde oder nicht. Der Plural von Heimat ist Heimaten (awtan). In Deutschland waren Einwanderung und Mobilität mit dem Ziel der Niederlassung weitverbreitet. Dadurch hat sich im Laufe der Jahre das Heimatkonzept grundlegend gewandelt. Bis zur Wiedervereinigung im Jahr 1990 fanden Migranten kaum Akzeptanz. Weder saßen Menschen mit ausländischen Wurzeln als Abgeordnete im Bundestag, noch spielten sie für eine deutsche Nationalmannschaft in einer der verschiedenen Sportarten. Mit dem Zuzug Tausender Ostdeutscher nach Westdeutschland und der Einwanderung von Russlanddeutschen änderte sich das. Die Akzeptanz des Anderen wurde zu einem integralen Bestandteil Deutschlands und zu einem Muss für jeden Staatsbürger. Mit Beginn des dritten Jahrtausends setzte sich die multikulturelle Gesellschaft in den meisten deutschen Großstädten durch. Die ländlichen Gebiete bewahrten dagegen in der einen oder anderen Form ihren traditionellen Charakter. Die Nachkommen der Einwanderer begannen, Deutschland nach und nach als ihr Heimatland zu betrachten und zu bezeichnen. Sie ...

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?”Was bedeutet “Nationale Identität

Souad Abbas. Chefredakteurin Der Begriff “Heimat” wird in Deutschland weiterhin kontrovers diskutiert, insbesondere angesichts des kürzlich gemachten Vorschlags, ein Heimatministerium auf Bundesebene einzurichten. Der Missbrauch dieses Begriffs durch die Nazis spielt in die heftiger werdenden Auseinandersetzungen über Konzepte wie Heimat, Patriotismus und Identität hinein, ebenso die Monopolisierung dieses Begriffs durch die Rechten. Mit einer Wahlkampagne, in der Heimatliebe und Stolz aufs Vaterland eine wichtige Rolle spielten, gelang der AfD der Einzug in den Bundestag, was Anlass zu Versuchen war, den Rechten die Deutungshoheit über diesen Begriff wieder zu entreißen. Auch Geflüchtete, insbesondere syrische, sehen sich mit einer ähnlichen Fragestellung konfrontiert. Patriotismus nahm man in Syrien mit der Muttermilch auf, und grenzenloser Stolz auf das Vaterland war eine Selbstverständlichkeit – auch wenn dieser Stolz mit einer Reihe von “Errungenschaften” fragwürdiger Natur verbunden war. Aus Perspektive des syrischen Regimes war und ist Patriotismus ausschließlich im Rahmen genehmer politischer Positionen möglich. Ein Patriot ist durch seine Loyalität gekennzeichnet: Er ist loyal zum Führer, loyal zu den Parolen der Bath-Patei und vor allem loyal bis in den Tod. Für den Kampf gegen Israel und den Imperialismus ist der Patriot bereit, sein Leben zu geben. Natürlich gibt es auch ein oppositionelles Verständnis von Patriotismus, welches von der offiziellen Perspektive abweicht. Die langen Jahre des Krieges konfrontierten die Syrer mit Tatsachen, die beinahe so bitter wie der Krieg selbst waren. Zu Tausenden hatten sie “Wir sind _ein_ Volk” gerufen, um nur wenig später feststellen zu müssen, dass ihre Einheit Zerplitterung war, und keine Stärke in ihr lag. Die Gründe hierfür waren vielfältig und die Menschen in Syrien hatten nur wenig Einfluss auf das, was geschah. Nachdem die Syrer über viele Länder verstreut worden waren, hatte die einfache Frage “Wer bist Du?” viele Antworten bekommen. Wer Syrien vor Beginn des Kriegs verließ, besteht darauf, dass er in ...

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Syrer in der deutschen Kulturszene

Kamiran Hudsch Momentan erlebt die syrische Kultur einen Aufschwung in der deutschen Literaturszene, nachdem sie lange Zeit unbeachtet geblieben war. Vielleicht lag dies am mangelnden Interesse der Verlage und des damit einhergehenden Wissensdefizits über die syrische Kultur außerhalb des Fachpublikums.   Unmittelbar nach Beginn des syrischen Volksaufstands im Frühling 2011 entwickelte sich eine literarische und künstlerische Revolution in der Diaspora. Viele syrische Schriftsteller und Künstler suchten Zuflucht in einem fremden Land, um ein neues Leben in Freiheit zu beginnen. In den letzten zwei Jahren hat sich Berlin zur syrischen Kulturhauptstadt in der Diaspora entwickelt, nachdem eine beträchtliche Anzahl von Schriftstellern und Künstlern sich dort niederließ. Als Augenzeugen des großen menschlichen Verbrechens in ihrem Land, erfuhren syrische Intellektuelle eine unvergleichliche Aufmerksamkeit. Viele kulturelle und politische Institutionen luden syrische Schriftsteller und Künstler nach Deutschland ein. Sie gewährten ihnen Arbeitsstipendien, damit sie sich in Vollzeit ihrem kulturellen Schaffen widmen konnten. Nach ihrer Niederlassung konnten sie hier in Freiheit arbeiten, was sie aus ihrem Heimatland so nicht kannten. Diese Einladungen stellten vielerorts eine Chance für die deutsche Öffentlichkeit dar, mehr über das Leid der Syrer zu erfahren. Die Anfänge waren eng mit dem Thema Flucht verknüpft. Interessenten wollten von den Neuankömmlingen mehr über die humanitäre Lage in Syrien erfahren. Womöglich führen veränderte Umstände aber dazu, dass sich die große Gruppe der intellektuellen „Flüchtlinge“ hin zu einer neuen Kulturszene entwickelt. Bei einem literarischen Abend im Jahr 2013 beklagte ein syrischer Schriftsteller, dass ihm das Publikum immer nur Fragen stelle, wie es denn sei, ein Flüchtling zu sein, und ob er sich wohl fühle im Aufnahmeland. Das Publikum bemitleide ihn und betrachte seinen Aufenthalt in Deutschland als großzügigen Segen, der ihm zuteil komme. Mit der Ankunft von weiteren syrischen Kulturschaffenden hat die syrische Kulturpräsenz in Deutschland neben dem Fluchtaspekt einen zusätzlichen Aspekt angenommen. Zu diesen Kulturschaffenden ...

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Ist Deutschland ein multikulturelles Land

Thomas Heyne* Vermutlich sind wir uns alle einig darin, dass Deutschland ein Land vieler Kulturen ist. Wenn man durch die Straßen der Groß-, aber auch der Kleinstädte geht, trifft man dort auf Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und vielfältigen Lebensweisen. Die Mainstreamkultur ist geprägt von Einflüssen aus verschiedensten Teilen der Welt, offensichtlich wird das zum Beispiel in der kulinarischen Kultur und der Musik, aber auch in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Das passt zu der Ansicht einiger Forscher*innen, dass nämlich Kultur, also jede Kultur, immer das Produkt vielfältiger Einflüsse und Faktoren ist, die interagieren und sich vermischen. Kultur ist also immer im Wandel und folglich ist es auch nicht möglich, so etwas wie eine ursprüngliche Kultur zu definieren. Ich werde an dieser Stelle nicht auf die zuweilen voneinander abweichenden Definitionen von Kultur eingehen, weil ich denke, dass der allgemein gängige Begriff, den wir im Alltag verwenden, hier seinen Zweck erfüllt. Er illustriert, dass das Reden über Kultur und Multikulturalität insbesondere im Kontext von Migration und Asyl Problematiken mit sich bringt, die ich für wichtig halte. Gerade wer sich für gesellschaftspolitische Themen interessiert oder engagiert, sollte sich sorgfältig damit auseinandersetzen. Eine solche Problematik ist, dass in Diskursen über Kultur im Allgemeinen und Multikulturalität im Speziellen, implizit meistens eine homogene und mehr oder weniger ursprüngliche deutsche Kultur, anderen, vermeintlich fremden und irgendwie exotischen Kulturen gegenübergestellt wird. Zumindest ist das die Richtung, die solche Diskussionen häufig einschlagen. Und es stimmt ja auch, dass es kulturelle Phänomene gibt, wie zum Beispiel ein bestimmtes Wertesystem, die ich als deutscher Staatsbürger mit vielen anderen Deutschen jeglichen Hintergrunds teile. Auf der anderen Seite verbindet mich mit weiten Teilen der Gesellschaft eigentlich nichts außer der Nationalität, während ich oft die gleichen Interessen, Werte und Normen habe, wie meine Freunde aus und in arabischen Ländern. Darüber hinaus läuft die Auseinandersetzung ...

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Sich selbst im Anderen erkennen: Was deutsche und geflüchtete Frauen voneinander lernen können

Von Aliaa Ahmad.  Übersetzung: Thomas Heyne In Deutschland genießen Frauen ein deutlich höheres Maß an rechtlicher Gleichstellung, als es in den Herkunftsländern geflüchteter Frauen der Fall ist. Sie erfahren dort nicht nur offene Diskriminierung durch Gesetze, sondern auch durch Bräuche und Gewohnheiten in ihrer Gesellschaft. Eine genauere Betrachtung beider Seiten offenbart allerdings Interessantes. Die junge Syrerin Heba* ist seit zwei Jahren in Deutschland und geht mittlerweile auf die Universität. Sie erzählt: „Ich dachte zum Beispiel immer, dass hier alle sexuell freizügig sind. Da habe ich mich allerdings gründlich getäuscht.“ Ihre Freundin Anna meint dagegen: „Ich dachte alle verschleierten Frauen werden unterdrückt und misshandelt. Ich war total überrascht, als ich Frauen im Hidschab begegnete, die ihre eigenen Entscheidungen treffen, studieren und alleine reisen.“ Medial reproduzierte Stereotypen: Durch die Reproduktion stereotyper Bilder tragen die Medien zur Bildung von Vorurteilen und Vorbehalten gegenüber anderen Kulturen bei. Sanaa, Hausfrau aus Syrien und seit vier Jahren in Deutschland, schildert ihr Bild von deutschen Frauen zum Beispiel so: „Ich habe Mitleid mit ihnen! Die Gleichberechtigung, auf die sie so stolz sind, hat sie ihre Weiblichkeit gekostet.“ Nach ihrer Stellung als Frau in einer orientalischen Gesellschaft gefragt, antwortet sie: „Es stimmt, ich bin nicht so frei wie deutsche Frauen, aber in unserer Gesellschaft ist die Frau eine Königin in ihren vier Wänden. Sie trägt nicht all die Verantwortung, die die Gleichberechtigung den deutschen Frauen aufzwängt. Die „orientalische Königin“ ist eine Schimäre, aber was ist mit der deutschen Frau? Viele geflüchtete Frauen wie Sanaa vergessen, oder übersehen geflissentlich, dass diese idealisierte „Königin“ in Wirklichkeit eine Gefangene in ihren eigenen vier Wänden ist, ihrer Entscheidungsfreiheit beraubt und abhängig von demjenigen, der für sie aufkommt. Schuld daran sind Erziehung und Sozialisierung, die ihnen nicht vermitteln, wie man ein wirklich selbstbestimmtes Leben führt. Und so erleben wir, dass viele geflüchtete Frauen Zuflucht ...

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