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أرشيف الوسم : Flüchtling

Die Wohnung meiner Träume

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Von Fady Jomar, Lyriker Zu guter Letzt, nach langem Warten, wurde ich als Mensch anerkannt. Die deutsche Regierung beschloss, mir eine Urkunde zu verleihen, die mir gestattet, mich für die Dauer eines ganzen Jahres auf deutschem Boden aufzuhalten. Ich habe sogar das Recht, mir eine Wohnung auszusuchen, in der ich leben kann. Ich liebe es zu planen und versinke häufig in Tagträumen. Das Jahr bis zur Entscheidung, die mich zum Menschen machte, spazierte ich durch die Straßen des Ortes, von dem die deutsche Regierung entschieden hatte, er sei für mich als Lebensmittelpunkt angemessen. Ich lief durch die Straßen der Dörfer und Städte in der Nähe, um die schönen Gegenden kennenzulernen, die vielleicht als Wohnort für mich in Frage kämen. Ich schaute in die Schaufenster der Möbelgeschäfte und begutachtete Haushaltsgeräte. Dabei hatte ich bereits mehrmals in Gedanken den Betrag ausgegeben, den ich als Starthilfe bekommen würde. Ich suchte nach den besten Angeboten, die zu meiner jeweiligen Laune passten. Einmal stellte ich mir das Dekor meiner Wohnung klassisch vor, mit hölzernen Leuchten und antiken Sesseln und Keramiktellern. Ein andermal wählte ich einen modernen Stil mit einer weichen Ledergarnitur und postmodernen Skulpturen. Warum auch nicht? Träume kosten nichts. Warum sollte ich nicht verschwenderisch leben wie ein britischer Prinz? Ich habe die Bestimmungen viele Male gelesen, denen die Wohnung entsprechen muss, die mir von der deutschen Regierung zugestanden wird. Aber nun, da ich die Aufenthaltsgenehmigung habe, fühlt es sich anders an, sie aufs Neue zu lesen. Ich rief ein Online-Übersetzungsprogramm auf, suchte Mietangebote und schwelgte weiter in Tagträumen. Zunächst suchte ich nach Wohnungen mit der vom Jobcenter festgelegten Wohnfläche, ohne Preislimit, denn „Geld ist der Dreck des Lebens und wenn ich die passende Wohnung finde, werden wir uns schon einig werden“. Zahlreiche Angebote, schöne Bilder von faszinierenden Aussichten, Flüsse und Wälder, nur wenige Schritte ...

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Mit der Laute im Gepäck

Wassim Miqdad

Von Fady Jomar. Der Musiker und Arzt Wassim Mukdad wurde im Jahr 1985 in Leipzig geboren. An die vier Jahre, die er dort verlebte, kann er sich nicht erinnern. Nach der Wiedervereinigung ging seine Familie nach Syrien zurück, wo er begann, Oud zu spielen (eine Kurzhalslaute, die vor allem in den arabischen Ländern, in der Türkei und im Iran verbreitetet ist; AdR), und später Medizin studierte. Heute ist Mukdad als Flüchtling in sein Geburtsland zurückgekehrt, um einem Krieg zu entkommen, der ihm alle Türen vor der Nase zugeschlagen hat. Bis zur Abriegelung von Al Yarmouk, einem Flüchtlingslager für Palästinenser in Damaskus, arbeitete er dort ehrenamtlich als Arzt. Anschließend wurde er vom Regime von Baschar Al Assad und von der Al Nusra Front inhaftiert.  Seine Energie als Musiker, Arzt und junger Mann, der von einem freien Heimatland träumte, war zu diesem Zeitpunkt bereits verbraucht. Gemeinsam mit seiner Frau, der Perkussionistin Berivan Ahmad, floh Mukdad in die Türkei, wo er zwei Jahre verbrachte. Als Oud-Spieler war er Teil verschiedener Gruppen und komponierte Musikstücke für seine türkisch-syrische Band Saba Barada. Nach einer harten Reise, die fast zwei Monate dauerte, kam Mukdad schließlich in Deutschland an. Nun lebt er in Berlin und wartet auf eine Aufenthaltserlaubnis, um sein Leben und sein Studium fortzuführen.  Abwab hat mit Wassim Mukdad über seine Erfahrungen und Träume, über die Hindernisse auf dem Weg in ein neues Leben und über seine Hoffnungen gesprochen. Wie erlebst du Deutschland, das für dich nicht nur eine Zuflucht, sondern auch dein Geburtsland ist?   Zuerst einmal erlebe ich es zweigeteilt: als Flüchtling und als Musiker. Als Flüchtling sehe ich Deutschland als eine Zuflucht, als offene Gesellschaft, die Fremde willkommen heißen und integrieren will. Wir als Syrer kennen aber keinen Rechtsstaat und haben deshalb große Probleme mit der komplizierten Bürokratie hier. Hinzu kommt, dass wir viele ...

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Verlieb dich nicht in einen Flüchtling

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Von Fady Jomar. Verlieb dich nicht in einen Flüchtling. Seine Taschen sind vollgepackt mit den Schlüsseln der Wohnstätten seiner Reise. Es ist kein Platz darin für Leckereien oder Ringe. Seine Gesichtszüge wirst du erst entziffern können, wenn du das Kartenlesen beherrschst. Wenn du glaubst, er lache, ist das doch nur das Echo der Granaten. Sein Schweigen, das Weisheit ausströmt, ist der Horror der Alarmbereitschaft, in der er sich befand, als die Kugel des Scharfschützens ihr Ziel verfehlt hatte. Seine argwöhnische Gedankenlosigkeit ist die nächste Kugel des Scharfschützens, die ihn am Auge verletzte, als er einem Laib Brot nachjagte. Sein Stottern, das dich zum Lachen bringt, wenn er versucht, dir etwas zu sagen, sind die Wiegenlieder, die Großmütter in seinem Land sangen und die er in- und auswendig kennt. Er trägt sie tief in seinem Herzen. Oder zumindest in dem, was von seinem Herzen geblieben ist. Seine dunkle Haut, die immer blasser wird, verzehrt sich nach der Sonne, deren zärtliche Berührung die unzähligen Narben, die er nun trägt, nicht mehr zu heilen vermag. Vielleicht verletzen dich die Narben. Vielleicht tötet es ihn, dir erzählen zu müssen, wie sie ihn verwundet haben. Sein verdunkeltes Auge ist pures Verlöschen. Keine Nacht, kein Verlangen, kein Warten. Nur pures Verlöschen. Die Geschichten, die er über sein Land und dessen Helden erzählt, sind seine allnächtlichen Albträume. Glaubst du, einer, der dem Krieg entkam, ist der richtige Mann für die Frage: „Schön geträumt?“ Sehnsucht wirst du in seinem Gesicht nur in dem Moment erkennen, wenn er die Aufenthaltserlaubnis erhält. Es mag dir unverständlich erscheinen, dieses manische Erwarten eines Papiers. Wie könntest du auch begreifen, dass es den ganzen Unterschied zwischen einem Ding und einem Menschen bedeutet? Und im Übrigen: Was auch immer du tust, es wird dir nicht gelingen, die Enttäuschung auf seinem Gesicht zu vertreiben, wenn ...

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Brief an meine deutsche Freundin: Warum ich Deutschland hasse

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Von Walaa Kharmanda Liebe Anke, du hast mir einen tadelnden Brief geschickt, in dem du mich erstaunt fragst: „Warum hasst du Deutschland so, Walaa? Ich lese deine Beiträge auf Facebook, von denen der elektronische Übersetzer das meiste nicht übersetzen kann. Aber das, was ich von den ironischen Texten und Fotos verstanden habe, macht mir deine große Freude über die Niederlage der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der vergangenen Europameisterschaft deutlich.” Dein Brief hat mich anfangs verwundert, aber nach kurzer Zeit fiel mir ein, dass ich dir einiges über uns erzählen muss. Über uns aus dem Nahen Osten – oder insbesondere aus Syrien, um diese Unklarheit gleich auszuräumen. Du sollst wissen, meine Liebe: Ich hasse Deutschland nicht und die Deutschen natürlich auch nicht. Ich bin viel zu einfach gestrickt, um wirklich zu hassen. Selbst wenn ich wütend bin, dann ist diese Wut gegen jede Demütigung, die ich erlebe oder beobachte, gerichtet. Das ist meine Art, mit all den Konflikten, die aus der Einteilung von Menschen in Dualismen resultieren, umzugehen: Weiß und Schwarz, Ost und West, Gastgeber und Flüchtling… Ich werde sogar wütend, wenn ich mit meinen Landsleuten über die Lage in unserem Land streite. Die ganze Welt ist darin verwickelt und richtet ein Blutbad an, das wirklich schockierend ist. Und das mich dazu veranlasst, das heutige Datum nachzuprüfen, um mich zu vergewissern, dass wir nicht im Mittelalter leben! Obwohl ich erst vor Kurzem einen datierten Brief erhalten habe, muss ich den Zeitpunkt überprüfen. Ich kritisiere alles, was die Menschlichkeit verkommen lässt oder hinter enge Identitäten und Zugehörigkeiten zurückfallen lässt, die man sich nicht ausgesucht hat. Doch wenn ich allein bin, verliert sich die Wut und ich fresse meine ganze Trauer und Enttäuschung aufs Neue in mich hinein – als Mensch und als Syrerin. Das ist eine Trauer, die einen dazu bringt, allem zu ...

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Gib mir einen Flüchtling

رامي العاشق

Eine kritische Sicht auf die Bildungsmentalität und Kultur der Hilfe   Von: Ramy Al-Asheq     Im Gegensatz zur von den Rechten als Gefahr für die Wirtschaft und das Gemeinwesen in Deutschland dargestellten Flüchtlingswelle, bei der das Land ihrer Meinung nach seine Tore für unzählige Arbeitslose öffnet, die nur auf Kosten des Steuerzahlers hier leben, entstanden auch viele neue Jobs für Deutsche und taten sich auf dem Arbeitsmarkt bisher unbekannte Arbeitsbereiche auf. Mit der Auflage von Projekten mit Flüchtlingsbezug, speziell auf dem Gebiet der “Bildung und Integrationshilfe“, startete so manche Organisation einen neuen Lebenszyklus. Wahrscheinlich wird niemand genau sagen können, wieviel Geld die entsprechenden Einrichtungen aus den unterschiedlichsten Finanzierungsquellen für ihre Vorhaben eingeworben haben. Wie auch unbekannt sein dürfte, wie viele Spender ihre Steuerlast durch die Beteiligung an „wohltätigen“ Projekten zur Unterstützung der leidenden „bedauernswerten Armen“ verringert haben. Wir kennen die Zahl der Jobs nicht, die in letzter Zeit im Sektor „Flüchtlinge“ entstanden sind. Wie dieser Markt vor uns aussah und nach uns aussehen wird, können wir auch nicht wissen. Was wir aber wissen ist, dass dies alles in unserem Namen geschieht, im Namen der „angsteinflößenden Wilden“ in den Augen der Legionen von Rechten, der „bedauernswerten Armen“ für die Kolonnen von Sympathisanten und des „Neuen Marktes“ für die zahlreichen „gemeinnützigen“ Vereine. Einigen wir uns erst einmal darauf, dass das Problem nicht die Projekte für Flüchtlinge sind, sondern die Kultur der „Hilfe“, die immer so abläuft, dass eine starke, potente Seite der anderen schwachen und bedürftigen Seite in einer Weise hilft, die es dem Empfänger der Hilfe unmöglich macht, selbst aktiv zu werden, damit er diese Art von Kultur nicht mehr benötigt. Besonders deutlich wird das in den Flüchtlingslagern Jordaniens, Libanons und der Türkei. Deren Insassen ist es untersagt, eine Arbeit aufzunehmen. Damit bleiben sie weiterhin von der Hilfe der internationalen ...

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