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أرشيف الوسم : Familiennachzug

Was vom Familiennachzug geblieben ist

EPA/TOLGA BOZOGLU

Von Fady Jomar, Lyriker. „Jetzt endlich kann ich den Familiennachzug beantragen.“ Das war das Erste, was mir in den Sinn kam, als die Mädchen im Zimmer riefen: „Komm, steh auf, du hast die Aufenthaltserlaubnis bekommen!“ Ein ganzes Jahr hatte ich auf dieses Papier gewartet: ein Jahr, in dem ich die Bombenangriffe auf Aleppo gezählt habe, in dem ich über die Bilder der zerstörten Häuser strich wie eine werdende Mutter über ihren Bauch. Ich spürte die Einschläge der Bomben wie das Strampeln eines Fötus in der Gebärmutter. Ich hörte die Schreie der Menschen und den Lärm der einstürzenden Häuser, hörte die Frequenz des Herzens meines Kindes und meines eigenen. Wie konnte es auch anders sein, wenn mein einziger Sohn dort feststeckte? Ein ganzes Jahr, in dem ich mir die Augenlider mit den Händen zuhalten musste, damit ich schlafen konnte. Ich fürchtete mich vor jeder neuen Nachricht aus Aleppo. Gleichzeitig war ich süchtig nach diesen Informationen und Hinweisen, auf die zu warten quälend und die zu erhalten schmerzhaft war. Ich erinnere mich an jede Welle und jeden Schritt auf dem Weg zur „Sicherheit“, als hätte ich an zwei langen Seilen gezogen, die in Aleppo endeten: eines in der Hand meines Mannes und eines in der Hand meines einzigen Sohnes. Wie drei Ertrinkende zwischen Zerstörung und Hoffnung, wenn jeder denkt, der andere sei sein Retter. Ich versuche, nicht an den Moment zu denken, wo eines dieser Seile gerissen ist. Der Moment, in dem die ganze Bedrückung und Furcht in dem einen Satz zusammentrafen: „Er wurde gestern bei einem Angriff getötet.“ In diesem Moment waren meine Muttergefühle stärker als alles andere. Ich ignorierte die Nachricht, als ob nichts passiert sei, und antwortete nur: „Und mein Sohn?“ Erleichtert atmete ich auf: „Gott hat ihn beschützt.“ Mein Mann starb, als ich in Wien war. Wie kann ...

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