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أرشيف الوسم : Deutschland

Berlinale: Ansichten aus der Fremde

© Roger Arpajou

Chinesische Wiedergänger, französische Jazzmusik, Lebenswelten am Polarkreis und zum ersten Mal ein Film aus Bhutan: Die Internationalen Filmfestspiele Berlin (09. bis 19. Februar) schaffen es auch in diesem Jahr wieder, ein geografisch und künstlerisch unglaublich vielfältiges Programm zu präsentieren. Den Publikumsrekord wird die Berlinale 2017 sicherlich auch wieder brechen. Die Koordinaten bleiben also gleich, wenn sich Berlin aber nächster Woche wieder im Glanz der internationalen Filmwelt sonnt.

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Weihnachten hinterm Fenster

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Laut internationalem Kalender handelt es sich bei Weihnachten um den offiziellen Termin für Freude, Schmuck und schöne Sachen, Shopping und Schenken, Fotos vor einer unter bunten Kugeln kaum sichtbaren grünen Tanne und vieler, vieler Wünsche. Wir aber sind nicht Teil des internationalen Kalenders. Du bist Syrer und Flüchtling. Der Kalender deines Exils gilt für dich nicht so wie dessen Gesetze. Dich regeln stets die Zeiger des Leids. Am Morgen ziehst du dich an: schwarzer Pullover, schwarze Jeans, schwarze Schuhe, schwarze Jacke und weißer Schal, um deine Trauer zu zerbrechen, weil sie das allgemeine Bild nicht stören soll. Du setzt also ein Lächeln auf und wünschst allen, denen du begegnest, viel Glück und ein Frohes Fest und dankst herzlich, dass sie für deine Lage Mitgefühl zeigen.

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Die Stimme der Exilliteratur

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Sind Texte „aus Deutschland“ immer auf Deutsch und von Deutschen geschrieben? Natürlich nicht, möchte man dem Fragesteller lakonisch entgegnen und ihn gleichzeitig für die Einfachheit seiner literarischen Weltanschauung rügen. Doch so simpel, wie die Frage auf den ersten Blick erscheint, ist sie nicht. Auch wenn ein Text „aus Deutschland“ von einer Nigerianerin, einem Jemeniten oder einer Indonesierin auf Englisch, Arabisch oder Bahasa Indonesia verfasst sein könnte, entspricht das doch im globalisierten 21. Jh. immer noch nicht der Erwartung der meisten Leser.

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Mit der Laute im Gepäck

Wassim Miqdad

Der Musiker und Arzt Wassim Mukdad wurde im Jahr 1985 in Leipzig geboren. An die vier Jahre, die er dort verlebte, kann er sich nicht erinnern. Nach der Wiedervereinigung ging seine Familie nach Syrien zurück, wo er begann, Oud zu spielen (eine Kurzhalslaute, die vor allem in den arabischen Ländern, in der Türkei und im Iran verbreitetet ist; AdR), und später Medizin studierte. Heute ist Mukdad als Flüchtling in sein Geburtsland zurückgekehrt, um einem Krieg zu entkommen, der ihm alle Türen vor der Nase zugeschlagen hat. Bis zur Abriegelung von Al Yarmouk, einem Flüchtlingslager für Palästinenser in Damaskus, arbeitete er dort ehrenamtlich als Arzt. Anschließend wurde er vom Regime von Baschar Al Assad und von der Al Nusra Front inhaftiert. Seine Energie als Musiker, Arzt und junger Mann, der von einem freien Heimatland träumte, war zu diesem Zeitpunkt bereits verbraucht. Gemeinsam mit seiner Frau, der Perkussionistin Berivan Ahmad, floh Mukdad in die Türkei, wo er zwei Jahre verbrachte. Als Oud-Spieler war er Teil verschiedener Gruppen und komponierte Musikstücke für seine türkisch-syrische Band Saba Barada. Nach einer harten Reise, die fast zwei Monate dauerte, kam Mukdad schließlich in Deutschland an. Nun lebt er in Berlin und wartet auf eine Aufenthaltserlaubnis, um sein Leben und sein Studium fortzuführen. Abwab hat mit Wassim Mukdad über seine Erfahrungen und Träume, über die Hindernisse auf dem Weg in ein neues Leben und über seine Hoffnungen gesprochen.

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Flucht ins Leben

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Vier schlimme Jahre reichten mir, um vor einer Realität zu kapitulieren, die ich nicht mehr ertragen konnte. Beirut, die Schöne, die ich so liebte, verschlang alles, was ich an Entschlossenheit und Zielstrebigkeit in mir trug. Nachdem in weiter Ferne ein Licht aufgegangen war, beschloss ich fortzugehen, um etwas zu finden, für das zu leben es sich lohnt. Das Meer schreckte mich nicht mehr, Mutter. Manchmal ist der Tod eine Wohltat, die wir nur erkennen, wenn es uns richtig schlecht geht. Du weißt ja, dass mein Glück hell wie der Mond, aber weiter weg als der Stern Canopus* ist. Ich zerbreche nicht mehr an der Fremde, Vater, denn der Gebrochene kann nicht noch einmal gebrochen werden. Nichts von dem, was ich mir in meiner Kindheit mit dir erträumte, kann ich mehr verwirklichen. Ich bin der ferne Verwandte, der an den Zäunen zerbrach und den die Hoffnungslosigkeit so sehr ergriffen hat, dass er dir nie wieder in die Augen sehen kann.

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Geteilte Meinungen, getrennte Wege

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In einem abgeschiedenen Dörfchen am Rhein lebt eine syrische Familie: Mutter, Vater und Tochter. Überall herrscht Ruhe. Unterhalb des Hauses erstreckt sich der Pferdehof der deutschen Familie, bei der sie wohnen. Dieser Ort vermittelt einen Eindruck von Ruhe und Geborgenheit. Überall ist es grün, das Haus ist mit Sorgfalt gepflegt. In der Bibliothek gleich hinter der Haustür hängen alte Bilder. In dieser Umgebung strahlt Abdallah Gelassenheit aus, wenn er lächelnd von seinen Erlebnissen auf dem Weg nach Deutschland erzählt, von seinem Leben hier und seinem Traum, seiner Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen. Sumaya kam erst neun Monate nach ihrem Ehemann, zusammen mit der gemeinsamen Tochter Julia, im Rahmen einer Familienzusammenführung nach Deutschland. Die Spuren dieser Mühen lassen sich deutlich auf Sumayas Gesicht ablesen. Ihre Stimme ist leise und man spürt die Schlaflosigkeit, unter der sie noch immer leidet. Sumaya spricht nicht darüber, wie sehr sie die Ruhe dieses Ortes und eigentlich alles hier stört. Für sie ist dieses erste Jahr in Deutschland eine Zeit der Erholung und des Nachdenkens, des Neuaufbaus und der Zukunftsplanung. Gleichzeitig aber auch der gemeinsamen Sorge für Julia, die bald in den Kindergarten gehen soll. Außerdem kann Sumaya hier beginnen, Deutsch zu lernen.

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Verlieb dich nicht in einen Flüchtling

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Verlieb dich nicht in einen Flüchtling. Seine Taschen sind vollgepackt mit den Schlüsseln der Wohnstätten seiner Reise. Es ist kein Platz darin für Leckereien oder Ringe. Seine Gesichtszüge wirst du erst entziffern können, wenn du das Kartenlesen beherrschst. Wenn du glaubst, er lache, ist das doch nur das Echo der Granaten. Sein Schweigen, das Weisheit ausströmt, ist der Horror der Alarmbereitschaft, in der er sich befand, als die Kugel des Scharfschützen ihr Ziel verfehlt hatte. Seine argwöhnische Gedankenlosigkeit ist die nächste Kugel des Scharfschützen, die ihn am Auge verletzte, als er einem Laib Brot nachjagte. Sein Stottern, das dich zum Lachen bringt, wenn er versucht, dir etwas zu sagen, sind die Wiegenlieder, die Großmütter in seinem Land sangen und die er in- und auswendig kennt. Er trägt sie tief in seinem Herzen. Oder zumindest in dem, was von seinem Herzen geblieben ist. Seine dunkle Haut, die immer blasser wird, verzehrt sich nach der Sonne, deren zärtliche Berührung die unzähligen Narben, die er nun trägt, nicht mehr zu heilen vermag.

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Ein Leben für die Laute

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Der Komponist und Oud-Spieler Nabil Arbaain aus Syrien ist mit der ebenfalls aus Syrien stammenden Musikerin Helen Meerkhan verheiratet. Seine Frau studiert zurzeit in Portugal. Sechs Jahre lang war er in der Damaszener Kunstszene mit seiner Firma Kheima, was auf Deutsch „Zelt“ bedeutet, aktiv. Kheima half jungen, am Beginn ihrer Karriere stehenden Musikern, Kontakte zu knüpfen, um Bands zu gründen und Probenräume oder Bühnen für ihre Auftritte zu finden. Auch für die Produktion von Musikalben und deren Vertrieb in Syrien und im Ausland setzte Kheima sich ein. Nach einem Studium am Arabischen Institut für Musik in Damaskus setzte Arbaain seine Ausbildung bei so bedeutenden Lehrern wie Askar Ali Akbar, einem berühmten Oud-Lehrer an der Hochschule für Musik, fort. Die Oud ist eine arabische Laute, die im Nahen Osten, aber auch in der Türkei und dem Iran sehr verbreitet ist. Arbaain spielte zusammen mit verschiedenen Gruppen in Syrien, wie zum Beispiel mit Djaoua, die sich auf orientalische Musik und musikalische Balladen spezialisiert hat. Arbaain war ebenfalls Mitglied des Orchesters von Professor Adnan Al-Nablusi, das vor allem klassische Musik spielt. Außerdem gab er syrischen und ausländischen Schülern Oud-Unterricht.

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Frauen auf dem Arbeitsmarkt

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Die Genderproblematik ist in allen Ländern gleich, egal welchen Platz sie in der internationalen Rangordnung einnehmen. Frauenrechte sind schließlich universell und nicht auf bestimmte Länder beschränkt, wie einige derjenigen glauben, die sich mit Personalentwicklung, der gesellschaftlichen Stellung von Frauen und Geschlechterdiskriminierung beschäftigen. So mancher gibt sich der Illusion hin, dass fortgeschrittene Länder mit einem hohen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungsstand die Diskriminierung zwischen den Geschlechtern bereits vollständig überwunden hätten. Doch die Realität sieht anders aus. Die Idee, diesen Artikel zu schreiben, kam mir, als ich im April an einer Konferenz in Luckenwalde in Brandenburg teilnahm, die sich mit der Situation von Flüchtlingen und den Problemen der Integration beschäftigte. Viele Entscheidungsträger des Bundeslandes und der Regierung waren anwesend. Dazu kam eine interessante Gruppe von Vertretern zivilgesellschaftlicher Einrichtungen, speziell solcher, die Flüchtlingen Dienstleistungen und Unterstützung anbieten. Die Diskussionen und Gespräche an insgesamt zehn runden Tischen zu jeweils einem bestimmten Thema mündeten in Empfehlungen und Vorschlägen. Zufällig war ich an dem Tisch gelandet, der sich dem Thema „Kinderkrippen und -gärten – Herausforderungen und Schwierigkeiten“ und allem, was damit zu tun hat, widmete.

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Brief an meine deutsche Freundin: Warum ich Deutschland hasse

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Liebe Anke, du hast mir einen tadelnden Brief geschickt, in dem du mich erstaunt fragst: „Warum hasst du Deutschland so, Walaa? Ich lese deine Beiträge auf Facebook, von denen der elektronische Übersetzer das meiste nicht übersetzen kann. Aber das, was ich von den ironischen Texten und Fotos verstanden habe, macht mir deine große Freude über die Niederlage der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der vergangenen Europameisterschaft deutlich.” Dein Brief hat mich anfangs verwundert, aber nach kurzer Zeit fiel mir ein, dass ich dir einiges über uns erzählen muss. Über uns aus dem Nahen Osten – oder insbesondere aus Syrien, um diese Unklarheit gleich auszuräumen. Du sollst wissen, meine Liebe: Ich hasse Deutschland nicht und die Deutschen natürlich auch nicht. Ich bin viel zu einfach gestrickt, um wirklich zu hassen. Selbst wenn ich wütend bin, dann ist diese Wut gegen jede Demütigung, die ich erlebe oder beobachte, gerichtet. Das ist meine Art, mit all den Konflikten, die aus der Einteilung von Menschen in Dualismen resultieren, umzugehen: Weiß und Schwarz, Ost und West, Gastgeber und Flüchtling… Ich werde sogar wütend, wenn ich mit meinen Landsleuten über die Lage in unserem Land streite. Die ganze Welt ist darin verwickelt und richtet ein Blutbad an, das wirklich schockierend ist. Und das mich dazu veranlasst, das heutige Datum nachzuprüfen, um mich zu vergewissern, dass wir nicht im Mittelalter leben! Obwohl ich erst vor Kurzem einen datierten Brief erhalten habe, muss ich den Zeitpunkt überprüfen.

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