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Quo vadis, Gleichstellung

Rima Al Qaq. MA in „Intercultural Crisis Management“

In letzter Zeit stehen Übergriffe von Männern, die in den letzten fünf Jahren nach Deutschland gekommen sind, gegen ihre Ehefrauen unter besonderer Beobachtung. Die Scheidungszahlen steigen, während sich Männer zunehmend darüber beschweren, dass das deutsche Gesetz Frauen bevorteile. Für viele verwandelt sich daher die bevorstehende Familienzusammenführung zu einer Tragödie. Die Fortsetzung der Ehe in der neuen Gesellschaft erscheint immer schwieriger.

Die unterschiedliche Frauenbehandlung in Syrien und Deutschland ist eines der Themen, das immer wieder auftaucht, wenn es um Integration geht. In diesem Zusammenhang hängt eine der Fragen, die von Sozialarbeitern am häufigsten gestellt werden, mit der Vielehe und ihrer gesetzlichen Regulierbarkeit in Deutschland zusammen.

Gleichstellung: Wo stehen wir?

Die Herrschaft des Mannes über die Frau ist in der syrischen Gesellschaft keine individuelle Angelegenheit, sondern ein Vorrecht, das die Gesellschaft dem Mann gewährt. Dieses Vorrecht wird religiös gerechtfertigt, ist rechtlich und kulturell verankert, und wird von der Gesellschaft reproduziert. Nur eine kleine Minderheit der Männer in Syrien ist sich dessen bewusst und ruft zur Gleichstellung auf. Auch bei den Frauen ist es eine Minderheit, die zu einem Ende dieser Ungerechtigkeit aufruft.

Mit der Ankunft in Deutschland ändert sich die Aufgabenteilung in der Familie, und damit auch die Rolle des Mannes. In Syrien ist der Mann in der Regel für die Versorgung der Familie verantwortlich, während sich die Frau um den Haushalt und die Kindererziehung kümmert. Ohne nennenswerte Änderungen führt die Frau auch in Deutschland ihre gewohnte Rolle aus: sie kümmert sich um den Haushalt und die Kinder. Da sie aus einer patriarchalen Gesellschaft kommt, betrachtet die deutsche Gesellschaft sie als unterdrückt und schenkt ihr besondere Aufmerksamkeit. Der Mann dagegen verliert seine Rolle als Versorger der Familie. Seine Rolle übernimmt das Jobcenter, das der Frau den gleichen Geldbetrag zuteilt, wie dem Mann. Das schwächt seine Position zusätzlich, sodass sich seine Frau von ihm trennen kann, ohne sich Sorgen über die Sicherung ihres Lebensunterhalts machen zu müssen.

Auf dem Arbeitsmarkt bleiben viele Syrer erfolglos und können keinen Job finden. Zu der Sprachbarriere kommen noch viele andere Hürden wie die ungewohnte deutsche Bürokratie, Schwierigkeiten, sich auf dem Arbeitsmarkt zurecht zu finden, die große Konkurrenz und manchmal auch Rassismus.

Umgang mit Gewalt gegen Frauen

In Syrien ist Gewalt gegen Frauen eine Alltäglichkeit. Sie wird offen und ohne nennenswerten Widerstand – mit Ausnahme einer kleinen Minderheit, die dagegen ankämpft – ausgeübt und reicht von körperlicher bis hin zu kultureller und institutioneller Gewalt.

Mädchen haben einen Erziehungsberechtigten, der für sie verantwortlich ist und Entscheidungen für sie trifft. Wenn sie älter sind und heiraten, übernimmt der Ehemann diese Aufgabe. Wenn ein Ehemann seine Frau schlägt, dann sagt man: „Es ist seine Frau, das geht uns nichts an!“ Und natürlich steht einer Frau nur die Hälfte des Erbes zu, das ihrem Bruder zusteht. Man sagt: „Das ist Gottes Gesetz!“ Und wenn ihr Ehemann ihr Unrecht antut, dann sagt sie: „Das ist mein Schicksal!“ Andere Themen werden totgeschwiegen nach dem Motto „Wir können eh nichts daran ändern!“

In Deutschland dagegen haben Männer keine sozialen, kulturellen oder rechtlichen Privilegien gegenüber den Frauen. Im Artikel 3 des Grundgesetzes heißt es dazu:

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen und politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Das deutsche Recht stellt Gewalt unter Strafe, selbst wenn sie von einem Vater oder Ehemann begangen wird. Es ist verboten, Frauen verbal oder sexuell zu belästigen, oder aufgrund ihres Geschlechts zu verspotten. Frauen dürfen nicht ihrer Rechte, Freiheiten und Menschenwürde beraubt werden.

Lösungsansätze

Es gibt keine Patentlösung für den Umgang mit diesen Unterschieden. Klar ist aber, dass das Gesetz für alle gilt und von allen eingehalten werden muss. Syrische Männer und Frauen müssen die großen Unterschiede zwischen der Herkunfts- und der neuen Gesellschaft verstehen lernen. Sie müssen die Notwendigkeit erkennen, um Hilfe zu ersuchen, wenn sich familiäre Probleme zuspitzen oder sich eine psychische Krise anbahnt.

Vieles, was in Syrien als akzeptabel galt, war in Wirklichkeit ein Ergebnis von Unterdrückung, Einschüchterung und Ausbeutung der Frauen. Die negativen Ergebnisse dieser Behandlung sieht man jetzt: bei der ersten Gelegenheit rebellierten viele Frauen und forderten ihre Unabhängigkeit ein. Sich das bewusst zu machen, kann sowohl Männern als auch Frauen dabei helfen, sich mit den Unterschieden in der neuen Gesellschaft zu arrangieren.

Männer und Frauen können sich die Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, was Gleichheit und Gerechtigkeit genau bedeuten. Dazu gehören geteilte Pflichten und Verantwortlichkeiten, gegenseitiger Respekt, sowie Partnerschaft und Verbindlichkeit. Ein solches Verständnis von Gleichstellung hat nichts mit dem Stereotyp gemein, welches das Thema auf das Recht der Frau auf ein ausschweifendes Leben reduziert.

Übersetzung: Mohamed Boukayeo, Mahara-Kollektiv, [email protected]

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