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ملكة جزماتي - تصوير رامي العاشق

Politik ist wie Kochen, nur leider nicht so sauber

Noch keine zwei Jahre ist Mallake Jazmati in Deutschland, doch schon hat sich die junge Syrerin in Berlin einen Namen gemacht. Sie leitet einen Catering-Service für Firmen, Kongresse und Veranstaltungen aller Art, für die sie Spezialitäten der syrischen Küche zubereitet. Dabei hätte alles ganz anders kommen können: Eigentlich hat Jazmati einen Abschluss im Fach Internationale Beziehungen. In jordanischen Exil arbeitete sie als humanitäre Helferin, bis sie im Fernsehkanal Orient News TV, der der syrischen Opposition zugerechnet wird, ihre zweite Karriere startete: Sie begann, die Koch-Show „Die Königin des Kochens“ zu präsentieren.

Nachdem ihr Mann Mohammed Al-Ghamian sie per Familiennachzug nach Deutschland geholt hatte, fing Mallake Jazmati in Berlin ein neues Leben an. Mittlerweile hängen überall Plakate ihrer Firma Levante Gourmet. Im Mai ist ihr erstes Kochbuch auf Deutsch erschienen. In Syrien und Jordanien war Mallake als Aktivistin bekannt, in Deutschland weiß sie nicht so recht, ob diese Bezeichnung noch passt. Lieber beschreibt sie sich als Kulturaktivistin: „Das Kochen ist Teil unserer Kultur. Ich koche nicht bloß, um Leute mit Essbarem zu versorgen, sondern um meine Gäste mit der syrischen Küche und ihrer reichen Tradition bekanntzumachen.“ ABWAB traf Mallake Jazmati in ihrer Berliner Küche zum Gespräch.

Was waren Ihre ersten Schritte in Deutschland?

Alles hat damit angefangen, dass ich gefragt wurde, ob ich nicht bei einem Benefiz-Dinner für Geflüchtete etwas kochen könne. Ich habe ja gesagt. Hinterher kam jemand zu mir und fragte, ob ich nicht Lust habe, auch bei anderen Gelegenheiten, wie z. B. Geburtstagspartys, zu kochen. Das war genau das Richtige für mich, denn als Köchin kann ich mir eine eigene Existenz aufbauen und muss nicht länger von Hartz IV leben. Mein Mann hat mich von Anfang an unterstützt, in seiner ganzen Bekanntschaft die Werbetrommel für mich gerührt und stolz erzählt, dass seine Frau im Fernsehen eine eigene Koch-Show hatte. Am Anfang haben wir meistens für dreißig Gäste gekocht, jetzt sind es oft an die sechshundert. Inzwischen betreibe ich eine eigene Firma namens „Levante Gourmet“.

Wie viele Mitarbeiter hat Ihr Team?

Ich habe keine festen Mitarbeiter. Wie viele Helfer ich brauche, hängt von der Anzahl der Gäste ab. Mein Mann und ich können für bis zu fünfzig Personen kochen. Wenn es mehr sind, brauche ich Helfer. Die haben dann nicht die Aufgabe, zu kochen oder anzurichten, sondern Gemüse kleinzuschneiden und einzelne Gerichte warmzumachen.

Wie sind Sie von der Politik zum Kochen gekommen?

Als die Revolution in Syrien begann und wir anfingen, politische Diskussionen über unsere Zukunft zu führen, war das eine tolle Zeit. Es ist mir alles andere als leichtgefallen, mich davon zu verabschieden. Vor allem wenn ich daran denke, wie viel ich an der Uni gebüffelt habe. Und dann soll ich am Ende nur in der Küche stehen? Trotzdem glaube ich, letzten Endes die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Politisch kann ich für mein Land hier nicht wirklich etwas tun, aber durch das Kochen kann ich allen zeigen, was es für eine tolle Kultur und Tradition es in meiner Heimat gibt. Nach allem, was ich erlebt habe, kann ich nur sagen: Politik ist wie Kochen, nur leider nicht so sauber.

Welche Reaktionen hat das hervorgerufen?

Ich würde gern etwas tun, um das stereotype Bild der orientalischen Frau bzw. der „Syrerin“ oder „Muslimin“ zu zertrümmern. Viele denken, dass sie nicht arbeitet oder das Haus verlässt. Ich will das Gegenteil unter Beweis stellen: Wir Frauen arbeiten, studieren, diskutieren und haben eine eigene Meinung. Wir sind ganz anders als das, was gemeinhin über uns berichtet wird. Mein Mann Mohammed unterstützt mich dabei total. Wir teilen uns die Arbeit auf: Wenn ich in der Küche stehe, kümmert er sich um unseren acht Monate alten Sohn Hassan. Für mich bedeutet die Unterstützung meines Mannes, dass ich mir um mein Kind keine Sorgen zu machen brauche. Mohammed findet, dass mein Erfolg auch sein Erfolg ist. Das sehen aber längst nicht alle Männer so.

Und wie ist Ihr erstes Kochbuch entstanden?

Das Buch ist am 22. Mai 2017 erschienen. Die Rezepte sind ganz nach meiner Art, einfach zuzubereiten und lecker, und auf Deutsch geschrieben. Ich schreibe auch immer etwas über die einzelnen Gerichte, z.B. warum sie so heißen, woher sie kommen und wo diese Orte auf der Landkarte liegen. Gewidmet habe ich das Kochbuch „allen Unterdrückern in der Welt“, also all jenen, die uns bekämpfen und unseren Ruf schädigen, denn in Wahrheit machen sie uns damit nur noch stärker. Jedes Mal, wenn ich diese Zeilen lese, bin ich ganz erstaunt über diese Worte – als hätte ich sie nicht selbst geschrieben!

Warum ist Ihnen die syrische Küche so wichtig?

Ich bin der Meinung, dass es meine Aufgabe ist, die syrische Kochkunst hier in Deutschland bekanntzumachen. Alle sollen sehen, dass es uns schon seit ewigen Zeiten gibt. Die Küche Syriens und der gesamten Levante (die Staaten entlang der östlichen Mittelmeerküste, Anm. d. Red.) ist uralt, kennt viele Traditionen und Facetten. Die Gerichte sind keineswegs simpel und auch nicht schnell gemacht. Man muss viel Zeit und Mühe aufwenden, um einen ganz bestimmten Geschmack zu erzielen. Manchmal frage ich mich: Wie um alles in der Welt ist die Person, die die libanesische Kibbeh (mit Hackfleisch und Pinienkernen gefüllte Bulgurklößchen, Anm. d. Red.) erfunden hat, bloß darauf gekommen, Milch mit Stärke zu verbinden und den Brei auf einer bestimmten Temperatur zu rühren, damit er seine Konsistenz nicht verliert? Das ist ja fast schon Chemie!

Welche Botschaft wollen Sie syrischen Frauen und Mädchen mitgeben?

Wir müssen uns über eins im Klaren sein: Wir sind nicht hier, um Shoppingtouren zu machen oder irgendwelche neuen Orte zu entdecken, sondern weil wir eine Botschaft haben. Auf uns lastet eine große Verantwortung, vor allem deshalb, weil wir hier in Freiheit leben. Wir können sagen, was wir wollen, und allen zeigen, wer wir sind, wo wir herkommen und was wir können. Wir dürfen niemals aufgeben. Mit etwas Zeit werden wir die neue Sprache schon lernen und allen zeigen, was wir zu leisten imstande sind.

Dieser Artikel wurde von Carsten Brückner aus dem Arabischen übersetzt. Er wird in Kooperation mit WDRforyou veröffentlicht.

رامي العاشق Ramy Al-Asheq
شاعر وكاتب صحافي من سوريا – فلسطين، رئيس تحرير صحيفة أبواب، صدر له “سيرًا على الأحلام” 2014، “مذ لم أمت”و “لابس تياب السفر” 2016، يعيش في ألمانيا بعد استضافته من مؤسسة هاينرش بول الألمانية في منحة تفرّغ للكتابة الإبداعية.

Ramy Al-Asheq ist ein syrisch-palästinensischer Lyriker, Schriftsteller und Journalist. Er ist Chefredakteur von Abwab, der ersten arabischsprachigen Zeitung Deutschlands.
Al-Asheq wurde 1989 in Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten als Sohn einer Syrerin und eines palästinensischen Syrers geboren. Er wuchs im „Yarmouk Camp“ für palästinensische Flüchtlinge in Damaskus auf.

Ramy Al-Asheq is a Syrian-Palestinian poet, writer and journalist. He is Editor-in-Chief of Abwab, the first Arabic newspaper in Germany.
Al-Asheq was born in 1989 in Sharjah (United Arab Emirates) to a Syrian mother and a Palestinian-Syrian father. He grew up in the “Yarmouk camp” for Palestinian refugees in Damascus.

عن رامي العاشق Ramy Al-Asheq

رامي العاشق Ramy Al-Asheq
شاعر وكاتب صحافي من سوريا - فلسطين، رئيس تحرير صحيفة أبواب، صدر له "سيرًا على الأحلام" 2014، "مذ لم أمت"و "لابس تياب السفر" 2016، يعيش في ألمانيا بعد استضافته من مؤسسة هاينرش بول الألمانية في منحة تفرّغ للكتابة الإبداعية. Ramy Al-Asheq ist ein syrisch-palästinensischer Lyriker, Schriftsteller und Journalist. Er ist Chefredakteur von Abwab, der ersten arabischsprachigen Zeitung Deutschlands. Al-Asheq wurde 1989 in Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten als Sohn einer Syrerin und eines palästinensischen Syrers geboren. Er wuchs im „Yarmouk Camp“ für palästinensische Flüchtlinge in Damaskus auf. Ramy Al-Asheq is a Syrian-Palestinian poet, writer and journalist. He is Editor-in-Chief of Abwab, the first Arabic newspaper in Germany. Al-Asheq was born in 1989 in Sharjah (United Arab Emirates) to a Syrian mother and a Palestinian-Syrian father. He grew up in the “Yarmouk camp” for Palestinian refugees in Damascus.
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