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Mehr Meinung, weniger Freiheit

Von Rand Sabbagh. Vor dem Beginn des Arabischen Frühlings 2011 waren soziale Medien in Syrien kaum verbreitet. Seither ist es fast unvermeidlich geworden, auf Facebook zu sein, um auf dem Laufenden zu bleiben und sich mit anderen auszutauschen. Zweifelsohne haben Facebook und Co. neue Horizonte der Meinungsäußerung eröffnet, indem sie virtuelle Räume schufen. Auf diese Weise ist im Internet ein „alternatives syrisches Territorium“ herangewachsen, dessen Bedeutung angesichts des Fehlens eines eigentlichen, intakten Staatsterritoriums immer größer wird. Für Frauen bedeutet dieser virtuelle Raum eine so noch nie dagewesene Möglichkeit der gesellschaftlichen Partizipation. Zugleich birgt er für sie auch das Risiko, Opfer „digitaler Gewalt“ zu werden.

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Wo sind die Frauen aus Nordafrika?

Von Asma Al Abidi. Seit den Ereignissen der Kölner Silvesternacht 2015/2016, in der nordafrikanische Männer eine große Zahl Frauen sexuell belästigt und in einigen Fällen auch vergewaltigt hatten, hat Nordafrika einen schlechten Ruf. Als wäre das nicht genug: Im Dezember 2016 beging ein Tunesier einen furchtbaren Anschlag, bei dem auf einem Berliner Weihnachtsmarkt zahlreiche unschuldige Menschen ums Leben kamen. Der Ruf Tunesiens wurde durch beide Ereignisse nachhaltig beschädigt. Dabei hatte doch der Arabische Frühling vor sechs Jahren gerade in Tunesien mit der Forderung nach Freiheit und Würde seinen Ausgang genommen. Damals berichteten viele Medien davon, wie sich Tunesien zu einem demokratischen Land wandelte.

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Vom Ende der Willkommenskultur

Von Martin Gerner. Der 9. Februar 2017 wird vielleicht einmal als der Tag in die Geschichte eingehen, an dem die deutsche Willkommenskultur, wie wir sie bisher kannten, endete. Nicht weil Hunderttausende engagierter Freiwilliger und Ehrenamtlicher ihre Hilfe und Arbeit für Flüchtlinge einstellten. Vielmehr ist Angela Merkel selbst mit ihrer Partei dabei, das Ruder herumzureißen. Die Chance auf eine vierte Kanzlerschaft erscheint als hinreichender Grund dafür. Aber auch sozialdemokratisch und grün regierte Länder drängt es, auf den sich ausbreitenden Populismus zu reagieren.

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EXILLITERATUR: Hamid Sulaiman

Hamid Sulaiman

Von Lilian Pithan. In Houria an der syrisch-türkischen Grenze tobt der Krieg. Das Regime von Baschar Al-Assad lässt die kleine Stadt bombardieren, die Freie Syrische Armee formiert sich im Umland und irgendwann tauchen auch noch Dschihadisten auf. Yasmin, die Hauptfigur in Hamid Sulaimans Comic Freedom Hospital, gibt trotzdem nicht auf. Gegen alle Widerstände versucht sie, ihr Krankenhaus am Laufen zu halten, in dem Kurden und Araber, Sunniten und Christen, Regime- und Revolutionsgegner aufeinandertreffen. Immer wieder wird das Krankenhaus zerstört, immer wieder bauen Yasmin und ihr Team es auf. Unerschütterlich in ihrem Glauben, dass die Tage des Regimes gezählt seien.

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Hab keine Angst, du bist kein Fremder

Von Fady Jomar. Hab keine Angst, du bist kein Fremder, denn hier sind alle Fremde. Das sagt Berlin seinen Besuchern. Eine Stadt der tausend Sprachen, Farben und Lieder. Berlin nimmt seine zahlreichen Bewohner und Besucher mit all ihren Eigenschaften in sich auf, an jeder Ecke erklingen Lieder: Musik aus Afrika, dem Nahen Osten und aus allen Ecken der Erde.

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Neue Rechte, alte Zwänge

Von Alia Ahmed. „Hier in Deutschland sind Frauenrechte Realität und nicht wie bei uns bloß hohle Phrasen.“ Das sagt sie, ganz selbstbewusst, nachdem sie erfahren hat, dass ich im Bereich der Frauen- und Kinderrechte arbeite. Wir sitzen im Zug, eine Gruppe syrischer Frauen, die sich zufällig gebildet hat. Ich stimme der jungen Frau zu und die Sozialwissenschaftlerin in mir ist sofort interessiert. „Welche neuen Rechte hast du als Frau dazugewonnen und wie wird dein Leben dadurch positiv beeinflusst?“ Ihre Antwort schockiert mich: „Gar keine, im Gegenteil. In Syrien habe ich in einem Friseursalon gearbeitet, gemeinsam mit Männern. Hier in Deutschland erlaubt mir mein Mann nicht, mit Männern zu arbeiten, die eine andere Religion und andere Traditionen haben."

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Auf dem Teller der Gesellschaft

In einer Studie für die Ryerson University in Toronto kommen Mustafa Koc und Jennifer Welsh zu dem Schluss, dass Essen mehr sei als bloße Nahrungsaufnahme. Es sei ein Grundelement unserer Kultur und eine wichtige Stütze unseres Identitätsgefühls, das sich entsprechend sozialer Gegebenheiten und unter dem Einfluss neuer Lebenserfahrungen herausbilde und ständig neue Formen annehme.

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Mein erstes Jahr als Flüchtling

Von Moufida Ankir. Wie konnte dieses Jahr einfach so vorübergehen wie alle anderen? Ein Jahr des Grübelns, des Exils und der Entfremdung. Ein Jahr voll Heimweh und Sehnsucht und ganz ohne Normalität. An diesem Tag gibt es nur Raum für die Erinnerung. Die Erinnerung an Basmane, an diesen Hof in Izmir, wo alle Platz fanden. Die einen blieben am Leben und die anderen starben. Die einen konnten ihr Haupt auf Kissen betten, die anderen schliefen auf dem Bürgersteig oder in einem alten Hotel, das besser für Fliegen als für Menschen geeignet war. Die einen mussten sich mit Sandwiches begnügen, die anderen hatten genug Geld, um im Restaurant zu essen. Diese Ruhe machte gleichzeitig Raum für Sättigung und Angst.

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