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Ein Orchester im Exil

Von Wassim Mukdad

Nach einem Jahr der Proben und Vorbereitungen gab das Syrian Expat Philharmonic Orchestra (SEPO) anlässlich der Eröffnung der Saison 2016/17 in der Berliner Philharmonie ein Open-Air-Konzert. An einem sommerlichen Tag im August versammelten sich fast 15.000 Menschen im Hof des gewaltigen Gebäudes und lauschten den Berliner Philharmonikern und dem SEPO.

In letzterem spielten sechzig syrische Musikerinnen und Musiker, die mittlerweile in Europa und den USA leben, unter der Leitung des spanischen Dirigenten Mariano Domingo. Besonders die syrischen Zuhörer sehnten sich danach, in der Fremde Melodien aus der Heimat zu hören, doch es waren auch viele Musikliebhaber aus anderen Ländern anwesend.

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Das Konzert begann mit der Ouvertüre Unisono des deutschen Komponisten Nicolas Ruegenberg, der dieses Stück für drei Musiker komponiert hat: Shadi Maghrebi (Oud/Laute), Mohamed Fityan (Ney/Flöte) und George Ourro (Riq/Tamburin) traten in Begleitung des SEPO auf. „Der (durch den Ticketverkauf; AdR) erzielte Betrag wird an die UNO Flüchtlingshilfe gespendet“, erklärte Ruegenberg. „Obwohl mir bewusst ist, wie wichtig die Integration von Flüchtlingen in die deutsche Gesellschaft ist, so geht es doch hauptsächlich darum, die Ursachen zu bekämpfen, die Menschen dazu zwingen, ihre Heimatländer zu verlassen. Ich glaube, dass niemand freiwillig seine Heimat verlässt.“

Es folgten die Stücke Radan – Morgen von Suad Bushnaq und Helwa ya Baladi – Du schöne Heimat, Amwaj Al-Bahar – Meeresrauschen von Jehad Jazbeh, und Warda – Rose aus dem Repertoire der syrischen Volksmusik. Anschließend interpretierte der Komponist und Geiger Maias Alyamani die Stücke Tazkira wahda ila dismasq – Fahrkarte nach Damaskus und das Volkslied Longa Nahawant. Rasha Rizq sang das Lied Ya-Touyur – Oh ihr Vögel von Mohamed El-Qasabgi, das den arabischen Gesang mit der klassischen europäischen Oper verbindet und von Nouri Al-Rahbani arrangiert wurde. Die Stücke 22 Tishreen al-Thani22. November und Al-ursHochzeit wurden von dem Klarinettisten und Komponisten Kinan Azmeh interpretiert.

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„Es ist wunderbar, dass wir mit diesem Orchester aus dem Stadium der Träumereien ausgetreten und in der Wirklichkeit angekommen sind“, meint Kinan Azmeh. „Unsere Konzertteilnahme als Syrer ist nicht genug für uns. Wir wollen auch gute Leistungen erbringen und hoffen, dass unsere Musik dem Niveau des Ortes und der Stadt entspricht.“ Die Cellistin Nawar El-Aidi erzählt, dass sie zum ersten Mal mit einem Orchester aufgetreten sei und sich daher sehr freue: „Ich konnte andere Musiker treffen und mit Freunden musizieren, nachdem wir vier Jahre lang nicht spielen konnten. Das Programm dieses Konzertes bestand hauptsächlich aus syrischen Stücken, die für Soloinstrumente mit Orchesterbegleitung – also der westlichen Musiktradition folgend –  gedacht sind. Das ist ein Versuch, die orientalische und klassische europäische Musik zusammenzubringen, zwischen ihnen Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen zu entdecken.“

Das SEPO wurde 2015 in Bremen von dem syrischen Kontrabassisten Raed Jazbeh, der seit zwei Jahren in Deutschland lebt, gegründet. Die Idee, ein Ensemble ins Leben zu rufen, kam ihm im Gespräch mit Freunden. Wie kann so etwas koordiniert werden? „Das einzige, was unsere Arbeit erleichtert hat, war die Visafreiheit zwischen EU-Ländern“, erklärt Jazbeh. „Es gab jedoch zahlreiche Schwierigkeiten, insbesondere in Bezug auf die Finanzierung. Das Orchester hat viele Mitglieder und mehrere davon konnten wir nicht einladen, weil uns die finanziellen Mittel fehlten. Trotz allem ist es uns aber gelungen, ein Jahr nach der Gründung des SEPO unsere Arbeit in der Berliner Philharmonie und in weiteren europäischen Städten im Rahmen von Konzerten vorzustellen. Meiner Meinung nach ist das eine großartige Leistung. Diese Arbeit bringt uns zusammen und erlaubt es uns, in dieser schweren Zeit ein anderes Gesicht Syriens zeigen.“ Das SEPO ist seither außerdem beim Festival Morgenland in Berlin und im Malmö-Live-Konzerthaus aufgetreten. Auf diese Weise werde nicht nur der musikalische Zusammenhalt zwischen Syrern gestärkt, glaubt Jazbeh: „In dieser schweren Zeit brauchen wir uns gegenseitig, um weiter zu kommen und eine bessere Zukunft zu sichern.“

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