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Brücken bauen in Berlin

Von Christina Heuschen

„Ich suche nach Kontakten zwecks Freizeitgestaltung. Bin beruflich und privat zwar eingebunden, möchte aber meinen Horizont erweitern“, schreibt Tina aus dem Berliner Stadtteil Friedrichshain-Kreuzberg auf der Website von Women’s Welcome Bridge. Genau wie sie können alle Berlinerinnen hier seit November Angebote für geflüchtete Frauen einstellen, um sie in das gesellschaftliche Leben in Berlin einzubeziehen.

Frauen, die nach Deutschland geflohen sind, wollen auch ankommen, doch das ist nicht immer einfach. Der Alltag in Flüchtlingsunterkünften, Sprachkurse, die regelmäßigen Besuche verschiedener Behörden oder die Versorgung der Kinder stehen im Vordergrund. Viele Dinge sind schwierig, für Freizeitgestaltung bleibt wenig Zeit. In der Tat sind die meisten geflüchteten Frauen erst einmal auf sich allein gestellt. Auch wenn es viele Angebote für Geflüchtete gibt, so ist die Zahl der Projekte, die speziell an den Bedürfnissen von Frauen ausgerichtet sind, gering. Mädchen und Frauen werden so zu einem großen Teil ausgeschlossen. „Es kann nicht sein, dass Frauen deswegen den Weg in die Gesellschaft nicht finden. Es gibt viele Frauen, die bereit sind, sie dabei zu unterstützen“, sagt Dr. Gabriele Kämper, Leiterin der Geschäftsstelle Gleichstellung der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen.

Im letzten Jahr initiierte die Geschäftsstelle Gleichstellung das Projekt Women’s Welcome Bridge, das von dem Verein „Raupe und Schmetterling – Frauen in der Lebensmitte e.V.“ getragen wird. Women’s Welcome Bridge bringt Berlinerinnen, geflüchtete Frauen und Fraueninitiativen zusammen. Egal ob es sich um Beratungs-, Bildungs- oder Freizeitangebote handelt: Frauen kommen in Kontakt miteinander, begegnen und unterstützen sich, lernen voneinander und leben miteinander. Angebote und Gesuche können von Frauen für Frauen einfach online eingestellt werden. Seit Mitte November ist die dazugehörige Website online – zunächst nur auf Deutsch, doch in nächster Zeit sollen auch die Sprachen Arabisch, Englisch, Farsi, Französisch und Türkisch hinzukommen.

Dass es bereits einige Ehrenamtsbörsen und Angebote für Geflüchtete gibt, wissen die Organisatorinnen von Women’s Welcome Bridge. Laut einer Studie des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung der Humboldt Universität zu Berlin (BIM) aus dem Jahr 2014 ist die Zahl der ehrenamtlichen Helfer in den letzten Jahren um 70 Prozent gestiegen. 2015 investierten Ehrenamtliche laut BIM sogar noch mehr Zeit in ihr Engagement, ein knappes Viertel mehr als zehn Stunden pro Woche. Doch bis jetzt gibt es laut Women’s Welcome Bridge kein Projekt, dass Ehrenamt, bereits vorhandene Initiativen und geflüchtete Frauen miteinander vernetzt. Vor allem aber können sich geflüchtete Frauen bei Women’s Welcome Bridge selbst aktiv beteiligen – ohne immer nur als Empfängerinnen von Hilfsleistungen dargestellt zu werden.

Geflüchtete Frauen würden von bestehenden Angeboten nicht im gleichen Maß erreicht wie Männer, kritisiert Dr. Gabriele Kämper. „Wenn es diese spezifische Aufmerksamkeit für die Bedarfe der Frauen nicht gibt, dann fallen die unter den Tisch“, erklärt sie. Deswegen verbinden die Organisatorinnen von Women’s Welcome Bridge mit ihrem Projekt auch die Hoffnung, dass sich die Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse von Frauen erhöht, weil es mit der Website einen Ort gibt, an dem diese zu Gehör gebracht werden. „Alle sollen sehen: Da sind Frauen. Sie sind immerhin ein Drittel der Geflüchteten“, erklärt Kämper. „Wir wollen, dass auch sie Unterstützung finden. Dabei geht es um viel mehr, zum Beispiel um Fußballturniere und ähnliche Dinge. Solche Events vermitteln Lebensfreude. Auch Frauen brauchen das.“

Um Lebensfreude zu empfinden, ist auch Selbstvertrauen nötig: Viele geflüchtete Frauen lebten sehr zurückgezogen und hätten in dieser unsicheren Situation wegen ihres Aufenthaltsstatus auch ihr Selbstwertgefühl ein Stück weit verloren, sagt Inge Keck, Sozialpädagogin des Vereins „Raupe und Schmetterling“. „Das sind aber mutige Frauen, die eine Flucht hinter sich haben. Sie sollen wieder nach außen treten und präsent werden“, meint Keck. „Denn wir können diese Gesellschaft auch ein Stück weit zusammen prägen und leben.“ Wenn mehr Frauen wie Tina geflüchtete Frauen in Berlin willkommen heißen und gleichzeitig geflüchtete Frauen etwas für Berlinerinnen anbieten können, dann geht Inge Kecks Wunsch vielleicht schon bald in Erfüllung.

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